Mehr Druck aufs Gaspedal

Klimaausschuss beschäftigt sich mit Photovoltaik-Ausbau in der Stadt

Stadthalle Weilheim mit PV-Anlage auf dem Dach.
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Da ist noch mehr drin beziehungsweise da kann noch mehr drauf: Das Dach der Stadthalle ist bereits mit PV-Modulen versehen. In einem Antrag fordern die BfW nun, dass im Zusammenhang mit der Dachsanierung die Realisierung einer PV-Anlage mit größerem Wirkungsgrad geprüft wird.
  • vonAntonia Reindl
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Weilheim – Viel Papier, ein Bestreben: Gleich eine Reihe von Anträgen rund um das Thema Photovoltaik reichten die BfW jüngst ein, über die der Klimaausschuss nun vorberatend zu debattieren hatte.

In den Blick genommen wurden dabei nicht vorhandene, sondern möglicherweise realisierbare Anlagen, die man gerne auf städtischer Flur, auf privaten und gewerblichen Dächern, auf Parkplatzüberdachungen sowie – als großflächige Variante – auf der Stadthalle sähe.

Es sind nicht mehr viele Jahre bis 2035, dem Jahr, in dem die Kommune CO2-Neutralität erreicht haben will. Damit das gelingt, braucht es eine Vielzahl an Maßnahmen. Eine davon ist in den Augen von Dr. Claus Reindl die Vermehrung von PV-Anlagen. In einem Antrag, den das Klimaausschuss-Mitglied im Namen der BfW nun einreichte, wird die Prüfung der Realisierungsmöglichkeit von Freiflächen-Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Arealen gefordert. Im Visier: eine Fläche östlich des Gewerbegebietes Leprosenweg II und das Areal an den Lärmschutzwällen entlang der Bahngleise, auf denen Züge zwischen Garmisch-Partenkirchen und München verkehren. Von Seiten der Verwaltung genießt man das Thema PV-Ausbau mit Vorsicht. Grund und Boden seien schließlich nicht vermehrbar, Flächen wie Acker, Wiesen und Weiden gingen für die Urproduktion verloren.

„Wir wollen bissl Gas geben“, meint Dr. Reindl hinsichtlich der gesteckten Klimaziele der Stadt. Manuel Neulinger (Grüne) schlägt vor, einen generellen Plan zu entwickeln, in dem die verfügbaren städtischen Flächen für PV-Anlagen aufgezeigt werden. Gerd Ratter (ÖDP) findet dagegen, dass sich die landwirtschaftliche Nutzung vom Grün und die Erzeugung grünen Stroms nicht unbedingt ausschließen. Man sollte weg kommen vom Entweder-oder hin zum Sowohl-als-auch, sagt Ratter und verweist auf Agrophotovoltaikanlagen. Wenn man die Ziele allein über Photovoltaik erreichen möchte, „ist es wirklich ein größerer Flächenbedarf“, merkt Prof. Dr. Stefan Emeis (Grüne) aber noch an und schlägt vor, „vielleicht durch zwei Windräder zu verstärken“. Dafür, so glaubt Bürgermeister Markus Loth (BfW), wäre nicht eine fehlende Akzeptanz der Bürger das Problem, sondern fehlende Voraussetzungen.

Parkplatzüberdachung mit PV-Anlage?

Anschließend liegt schon der nächste BfW-Antrag auf dem Tisch. Über die Energie GmbH der Stadtwerke soll geprüft werden, ob größere Parkplätze in der Stadt überdacht werden können und ob diese Dächer mit PV-Anlagen ausgestattet werden können. Das wäre „eine gute Idee“, sagt Manfred Stork von der Bauverwaltung. Ob ein solches Projekt möglich sei, habe man schon auf dem Parkplatz an der Ammerschule untersucht, aber dann nicht weiter verfolgt, so Stork. Auch am Öferl, wie im BfW-Antrag vorgeschlagen, „könnte man was machen“, sagt Stork. Inzwischen seien weitere Flächen im Gespräch. Nicht nur Parkplätze für Autos könnte man nutzen, findet Petra Arneth-Mangano (SPD). „Man könnte auch Fahrradständer miteinbeziehen“, schlägt sie vor und denkt darüber nach, den erzeugten Strom Ladestationen zuzuführen. Und Reindl hebt weitere Vorteile der Parkplatzüberdachungen hervor: Die Autos wären geschützt und im Winter müsse man weniger räumen. Da fragt sich Neulinger schon, warum man nicht mehr solcher Dächer realisiere. „Wenn’s attraktiv ist, ist es eigentlich eine g‘mahde Wiese“, findet er. Es hapere an der Wirtschaftlichkeit, erklärt Stadtwerke-Chef Peter Müller mit Blick auf zu errichtende Fundamente, Dachentwässerungen oder auch Unterbaukonstruktionen.

Dann liegt schon der nächste Antrag auf dem Tisch. In diesem wird gefordert zu prüfen, ob im Rahmen der Sanierung des Stadthallendaches eine großflächigere PV-Anlage installiert werden kann. Ein Teil des Daches ist bereits mit Modulen bedeckt. In der Vergangenheit habe man geprüft, ob auch die Nachbargebäude mit Modulen versehen werden können, berichtet Stork. Auf der großen Hochlandhalle sei dies aus Gründen des Denkmalschutzes und der Statik nicht möglich, auf der kleinen Hochlandhalle sorge eine Allee an der Wessobrunner Straße für eine Verschattung des Daches. Eine Fällung wolle man nicht, „in diesem Fall haben die Bäume gewonnen“, sagt Stork. Müller lenkt den Blick zurück auf die Stadthalle. „Das, was momentan auf dem Dach erzeugt wird, ist noch ausbaufähig“, sagt der Stadtwerke-Chef. Doch auch hier wird die Wirtschaftlichkeit einer großen PV-Anlage in Frage gestellt. Letztlich betont Dr. Reindl, dass es ihm erst einmal darum gehe, dass die Dachsanierung dergestalt erfolge, dass eine großflächigere PV-Anlage künftig möglich wäre.

Alle Potentiale erfassen

Zu guter Letzt folgt dann noch ein Antrag für eine Solaroffensive auf Dächern privater und gewerblich genutzter Gebäude. Gemäß des Antrags soll die Stadt mithilfe des Solarkatasters des Landkreises – als auch mit Luftbildern – die Potentiale erfassen, um dann die betroffenen Grundstückseigentümer mit Hinweis auf die solarenergetischen Möglichkeiten und auf die Beratungsangebote der Stadtverwaltung anschreiben. Für die Verwaltung aber wäre dies ein sehr großer Aufwand, betont Stork. Schon jetzt werde die Energieberatung rege in Anspruch genommen. „Wir haben heuer Anfragen ohne Ende“, sagt der Mann von der Bauverwaltung. „Da werden wir unsere Haushaltsmittel überziehen müssen“, fügt er noch an. Die Grundstückseigentümer über eine Pressemitteilung als auch über die städtische Homepage über die Möglichkeiten in Sachen Solarenergie zu informieren, hält Prof. Dr. Emeis für die geeignete Wahl. Am Ende schwächt Dr. Reindl die Forderung etwas ab, wenn er sagt: „Wichtig wäre mir nur, dass die Potentiale in irgendeiner Weise die nächsten Jahre erschlossen werden.“

Während der Debatten rund um Photovoltaik ist immer wieder zu hören, dass es schon bald eine Stelle gebe, die sich intensiv mit den damit verbundenen Themen und Projekten beschäftigen werde: Im Sommer diesen Jahres soll eine Klimaschutzmanagerin ihre Arbeit bei der und für die Stadt aufnehmen.

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