Erste Maßnahmen für Moorprojekt sind angelaufen

Klimaschutz im Kerschlacher Forst

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Die Renaturierung im Kerschlacher Forst erläuterten Betriebsleiter Willi Seerieder und Projektleiter Emil Hudler (v.li.).

Pähl/Kerschlach – Rund 25 000 Euro wird die Renaturierung des Brunnhäusl-Moors im Kerschlacher Forst kosten. „Mit Projekten wie diesem verfolgen die Bayerischen Staatsforsten das Ziel, einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und zum Erhalt wertvoller Lebensräume für seltene Tier- und Pflanzenarten zu leisten“, sagt Projektleiter Emil Hudler.

Auf einer Fläche von 4,1 Hektar wurde mit ersten Maßnahmen zur Renaturierung begonnen, damit in der Staatswaldabteilung wieder ein naturnahes Hoch- und Übergangsmoor mit charakteristischen Pflanzen- und Tierarten entstehen kann. „Im ersten Schritt“, erklärt Hudler, „werden die Fichten und Stroben (Weymouth-Kiefer, Anm.d.Red.) entnommen, um den Wasserbedarf der Waldbestockung deutlich zu verringern und damit die Wiedervernässung zu beschleunigen.“ Die restlichen Bäume bleiben als totholzreiche Strukturelemente bestehen. Insgesamt nimmt die Besonnung der Fläche zu, sodass sich lichtliebende Hochmoorpflanzen besser und schneller etablieren können. Man erwarte, dass sich Torfmoose, Wollgräser und Spirken vergleichsweise rasch einstellen werden. Die Lebensräume von Kreuzotter und Kleiner Moosjungfer, eine Libellenart der Roten Liste Bayern, die im Kerschlacher Forst nachgewiesen sind, sollen durch die Renaturierung im Brunnhäusl erweitert und verbessert werden.

Im Sommer werden die alten Entwässerungsgräben mit Spundwänden aus unbehandeltem Holz verschlossen und abschnittsweise mit Torf verfüllt, um einen moortypischen Wasserhaushalt herzustellen. „Moore haben viele positive Effekte für Menschen, Tiere und Pflanzen“, so der Projektleiter. Sie binden in ihren mächtigen Torfschichten eine große Menge Kohlenstoff und leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Gleichzeitig können intakte Moore vom Klimawandel verursachte Wetter-

extreme verringern, indem sie wie ein riesiger Schwamm bei Starkregen Wasser aufnehmen, speichern sowie bei Trockenheit größere Wasservorräte allmählich abgeben. Moore speichern doppelt soviel Kohlenstoff wie alle Wälder der Welt. In Deutschland enthält eine 15 Zentimeter mächtige Torfschicht auf gleicher Fläche in etwa gleich viel Kohlenstoff wie ein 100-jähriger Wald. Das bedeutet: Geht in einem Moor die Torfmächtigkeit um einen Meter zurück, müsste zum Ausgleich das Sechsfache an Fläche aufgeforstet werden und 100 Jahre ungestört wachsen können.

Vor rund 100 Jahren wurden im Kerschlacher Forst Entwässerungsgräben angelegt, um die Fläche trocken zu legen und leichter zu bewirtschaften. Aktuell steht auf der Fläche ein Fichten-Kiefern-Bestand mit zahlreichen nicht heimischen Stroben, einzelnen Schwarzerlen und Moorbirken mit einem Alter von circa 80 Jahren.

Moorlandschaften bedeckten ursprünglich mit 1,5 Mio. Hektar eine Fläche von 4,2 Prozent der Landesfläche Deutschlands. Heute sind 95 Prozent davon tot – das heißt entwässert, abgetorft, bebaut, landwirtschaftlich oder forstwirtschaftlich genutzt.

Bundesweit werden so etwa 44 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente jährlich aus den entwässerten Moorböden freigesetzt. Das entspricht etwa fünf Prozent der Gesamtemissionen der Bundesrepublik Deutschland. Allein durch die landwirtschaftliche Nutzung von Mooren werden 37 Mio. Tonnen CO2-Äquivalente pro Jahr emittiert.

Von Peter Stöbich

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