Benediktinerinnen verkaufen Anwesen an Firma für Naturkosmetik aus Rott

Kloster bleibt zugänglich

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Zufrieden mit dem Kauf des Klosters (v.li.): Franz Langer, Martina Gebhardt, Schwester Hildegard Jansing, Bürgermeister Helmut Dinter und Mutter Angela Strobel.

Wessobrunn – Viele Interessenten gab es bereits für das Kloster Wessobrunn, seit die Missionsbenediktinerinnen vor mehreren Jahren beschlossen haben, es zu verkaufen. Nun ist endlich eine Nachfolgerin gefunden.

Am Donnerstag nahm Martina Gebhardt den Schlüssel entgegen. Sie will die alten Gemäuer aus dem Dornröschenschlaf erwecken.

Auf die Idee, mit natürlichen Mitteln zu experimentieren, brachte sie eine Thymian-Wollwachssalbe, die ihr Kinderarzt ihr zur Behandlung einer Narbe im Gesicht mischte. Das Interesse für die Heilstoffe der Natur war geweckt. Bereits als leidgeplagter Teenager entwickelte die gebürtige Münchenerin eine Salbe gegen Akne. Was in der elterlichen Küche begann, fand schnell auch bei Freundinnen Anklang.

Doch zunächst entschied sich Gebhardt für ein Architekturstudium. Als fertige Architektin stellte sie ihre Naturkosmetik weiterhin nebenbei her. 1986 gründete sie ihre eigene Firma, um ihre Produkte auch professionell zu vertreiben. Der Trend zu Bio verhalf ihr dazu, dass ihre Firma in den Folgejahren florierte. Anfang der 90er Jahre zog sie schließlich mit dem Unternehmen nach Pessenhausen bei Rott in einen ehemaligen Zehenthof des Kloster Wessobrunns mit zugehöriger Kapelle. Hier konnte Gebhardt mit ihrem Wissen als Architektin die Gebäude nach Kriterien des Denkmalschutzes restaurieren.

Die alten Räumlichkeiten boten nicht mehr genug Platz, das weitläufige Kloster hat nun genug Kapazitäten für das Unternehmen. Heute hat „Martina Gebhardt Naturkosmetik“ zwischen 30 und 35 Mitarbeiter und stellt 140 Produkte her, die in die ganzen Welt verkauft werden. 

Als sie erfuhr, dass das Kloster verkauft wird, konnte Martina Gebhardt es kaum glauben. Schnell war die Idee geboren, ihre Naturkosmetik künftig dort herzustellen. „Es war fast magisch, wie sich die Dinge gefügt haben“, ist sie froh über ihren Kauf. Ein Glücksfall auch für die Missionsbenediktinerinnen.

Bereits nachdem das Kinder- und Jugendkurheim 2001 geschlossen wurde, mussten sich die Schwestern Gedanken machen, wie es mit dem Kloster weiter geht. Die wichtigste Einnahmequelle war weg, der Ordensnachwuchs fehlte, die älteren Frauen starben nach und nach weg.

„In den letzten Jahren hat das Kloster nicht immer nur erfreuliche Aufmerksamkeit auf sich gezogen“, bedauerte Priorin Hildegard Jansing bei der symbolischen Schlüsselübergabe die Probleme mit früheren Interessenten. 99 Jahre nach dem Einzug der Benediktinerinnen und einer langen, bewegten Klostergeschichte, sei nun jedoch eine Käuferin gefunden, die sowohl den Ansprüchen der Schwestern, der Pfarrei und auch der Gemeinde gerecht wird. 

Ums Geld ging es bei der Entscheidung nicht primär, sondern vor allem waren andere Punkte wichtig: Ein Teilverkauf wurde ausgeschlossen. Außerdem sollte das Kloster weiterhin für die Öffentlichkeit zugänglich bleiben, denn in Spitzenzeiten besuchten es bis zu 16 000 Menschen jährlich. 

Auch die Liebe zu historischen Gebäuden und der Respekt vor der Tradition standen ganz oben auf der Liste der Auswahlkriterien. „Es war ein langer, schwieriger, nervenaufreibender Prozess“, gestand die Priorin.

„Eine Gratwanderung zwischen Scharlatanerie und Größenwahn“, sind auch Bürgermeister Helmut Dinter einige Interessenten schmerzlich im Gedächtnis geblieben. 

Zwar lebt die neue Besitzerin des Klosters überwiegend in den USA, wird sich aber dennoch persönlich um die Gesamtplanung der Sanierung und Restaurierung kümmern. Als Architektin sieht sie sich nun erst einmal vor der Herausforderung, die Produktion nach verschiedenen Richtlinien – beispielsweise muss in einigen Schritten keimfrei gearbeitet werden – in die alten Räume einzubetten. „Es wird aber keine großen Veränderungen geben“, versicherte sie, „ich möchte das Beste aus dem Vorhandenen machen“.

„Das Kloster ist ein Kraftort“, findet Gebhardt und distanziert sich dabei ausdrücklich von der Esoterik. Sie will altes Heilwissen wiederbeleben. Dafür wünscht sie sich auch eine Bio-Gärtnerei, in der alte Heilkräuter gezogen werden sollen. 

Doch auch das Handwerk würde Gebhardt gerne in ihre Planungen einbeziehen. Sie möchte nachhaltig produzierenden Handwerkern Raum geben für ihre Arbeit. Sie könnte sich beispielsweise eine Möbel-Schreinerei, einen Steinmetz, eine Klosterbrauerei oder eine Bio-Käserei auf dem Areal vorstellen.

Aber auch Kunst und Musik sollen genug Platz im Kloster bekommen. Mehrere Ateliers und Konzertsäle sollen daher im Kloster entstehen. Außerdem möchte Gebhardt Räume für Schulungen, Tagungen und Workshops zur Verfügung stellen. In einem kleinen Museum soll auch die lange Zeit, in der die Benediktinerinnen im Kloster wirkten, in einer Ausstellung gewürdigt werden. 

Dieses geplante Engagement lobte auch Franz Langer, der stellvertretend für die Pfarrei sprach. „Wir hoffen auch auf neue Arbeitsplätze“, sieht er darüber hinaus den potenziellen wirtschaftlichen Nutzen. Obwohl er bedauere, dass die Benediktinerinnen nicht mehr in Wessobrunn leben, sei er mit ihrer Wahl zufrieden. Gebhardt sei eine „Frau, die gut mit historischen Gebäuden umzugehen weiß“.

Bürgermeister Dinter schloss sich dieser Meinung an. „Wir haben gebebt und gezittert“, gab er zu, denn das Kloster sei das Zentrum des Ortes. „Die Schwestern hätten es verramschen können, aber sie haben gewartet“, freute er sich, dass das Kloster von den Benediktinerinnen in gute Hände abgegeben wurde.

Überstürzen möchte Gebhardt nun nichts. Jeder Schritt soll genau geplant werden und von gemeinsamem Dialog und Konsens getragen werden. „Ich sehe mich nicht als Eigentümerin, sondern als Schirmherrin“, lässt Gebhardts Einstellung hoffen, dass das Kloster in eine Zukunft geführt wird, mit der jeder zufrieden sein kann.

Von Ursula Gnadl

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