Kompakte Stadtgeschichte – Wilhelm Simaders Nachlass an Stadtarchiv übergeben

„Eigentlich wollte er seine Aufzeichnungen noch selber dem Stadtarchiv übergeben, aber dazu kam es leider nicht mehr“, merkte „Willi“ Simaders Tochter und Weilheimer Stadträtin Uta Orawetz an, als sie mit ihrer Schwester Eva Seidel und ihrer Mutter Hella Simader acht prall gefüllte Leitz-Ordner mit Material aus über 20 Jahren dem Archivar übergab.

„Dass Herr Simader uns diese Fülle an Daten überlässt, ist ein ungeheurer Gewinn für das Stadtarchiv“, gab Archivar Bernhard Wöll zu verstehen. Der einstige Bankier, Inhaber des Reisebüros Simader, langjähriger Vorsitzender der Weilheimer Volksschule, Mundartschriftsteller und eben auch Heimatforscher Wilhelm Simader, der im April 2005 verstarb, widmete sich seit etwa 1985 intensiv seinen umfangreichen Forschungsarbeiten über die Weilheimer Altstadthäuser. In mühsamer Recherche trug Simader alle Informationen zusammen, die vor allem die Bau- und Grundstücksgeschichte eines jeden historischen Hauses im Altstadtbereich Weilheims betreffen. So hat der Hobbyhistoriker aus Leidenschaft das Stadtarchiv, Katasterämter und sogar das Staatsarchiv in München durchforstet, sodass er bis ins kleinste Detail die Geschichte von 386 Häusern zu Blatt brachte. „In diesen Ordnern steckt auch eine Menge Übersetzungsarbeit“, bemerkte Hella Simader, denn viele Dokumente reichen bis in das Jahr 1750 zurück. So sei eben alles niedergeschrieben, was über ein Haus zu finden sei: Umbauten, Grundstücksänderungen, Besitzungsverhältnisse, Finanzierungsmittel und selbst einzelne Handwerkerarbeiten. „Der Nachlass ist in seiner ungeheuren Detailfülle sehr wertvoll für uns. Einmal pro Woche muss ich auf ihn zurückgreifen“, erklärte Wöll, der bei Fragen über den Erwerb von Grundstücken oder ähnlichem zur Seite steht. Auch Bürgermeister Markus Loth bedankte sich herzlich bei Simaders Familie für das Geschenk an die Stadt, „das vor allem bei Urherberrechtsstreitigkeiten helfen kann“. So blieb Simader immer am Puls der Zeit, der sich noch mit 80 Jahren mit dem Computer vertraut gemacht hatte, um seine Nachforschungen in zeitgemäßer Form zu hinterlassen. Simaders Familie befand dessen Geburtstag – er wäre kürzlich 93 Jahre geworden – vor allem wegen des 1000-jährigen Jubiläums der Stadt als einen geeigneten Zeitpunkt für die Übergabe.

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