Konjunktur "merklich abgekühlt" – Metall- und Elektrobetriebe starten mit gedämpften Erwartungen in das zweite Halbjahr

Die Auftragsbücher von Aerotech sind für die nächsten drei Jahre gut gefüllt. Dr. Axel Deich, Geschäftsführer des Unternehmens, das Triebwerkshersteller für die Luftfahrt beliefert, sieht positiv in die Zukunft: „Wir gehen in Peißenberg auf die Vollbeschäftigung zu.“ Insgesamt hat sich die wirtschaftliche Lage in den Betrieben der Metall- und Elektroindustrie im Oberland aber „von einem hohen Niveau aus deutlich abgekühlt“, melden die Metall- und Elektro-Arbeitgeber (bayme und vbm).

Bei der jüngsten Umfrage unter den 96 Mitgliedsbetrieben im Oberland (13 000 Beschäftigte) zeichnete sich ab, dass die Unternehmen zwar noch nicht mit wirtschaftlichen Einbrüchen rechnen, aber zunehmend zurückhaltend agieren. Die Vertrauenskrise im Euroraum und die Rezession in Südeuropa belasten die Konjunktur stark, stellte der Regionsvorsitzende des Verbandes bayme und vbm, Dieter Faust, bei einem Pressegespräch in Weilheim fest. Nur noch 22 Prozent der Betriebe (Ende 2011: 88 %) bewerten die inländische Geschäftslage als gut, das Auslandsgeschäft wird von 51 Prozent (2011: 73 %) positiv eingeschätzt. Während die Unternehmen in asiatischen und lateinamerikanischen Schwellenländern sowie auch in den USA noch weitere Absatzmöglichkeiten sehen, gehen sie im EU-Raum, besonders in Italien und Spanien, von sinkenden Exportzahlen aus. Für die bayerische Metall- und Elektroindustrie sei die EU aber ein „sehr wichtiger Absatzmarkt“, betonte Faust, über 47 Prozent aller Exporte fließen dorthin. Wurden im ersten Halbjahr in den Betrieben im Oberland (WM, GAP, STA, WOR, LL und DAH) noch 300 neue Arbeitsplätze geschaffen, wird bis Ende 2012 kein weiterer Beschäftigungsanstieg mehr erwartet. „Wirklich schlecht“, urteilte Dietmar Ahl, Geschäftsführer der Firma Bechtold, gehe es den Betrieben in der Metall- und Elektroindustrie aber nicht. Nach dem Einbruch infolge der Finanzkrise sei ein starker Aufschwung zu verzeichnen gewesen. Nun pendle sich die wirtschaftliche Lage wieder auf ein Normalmaß ein. Wegen des zunehmend härteren Wettbewerbs, so Ahl, werde die strategische Ausrichtung immer wichtiger: „Wir müssen mit hochwertigen Produkten und terminlich einwandfreier Ware punkten.“ Das auf Blechbearbeitung und Laserschneiden spezialisierte Weil­heimer Unternehmen mit 75 Beschäftigten hat im ersten Halbjahr einige Mitarbeiter neu eingestellt. Von vollen Auftragsbücheren berichtete der Geschäftsführer von „Weber Schraubautomaten“ in Wolfratshausen, Karl Bujnowski. Arbeitsspitzen werden hier von den 220 Mitarbeitern mit Überstunden aufgefangen. Bujnowski bedauerte, dass im Sommer sogar Aufträge abgelehnt werden mussten, weil sie die betrieblichen Kapazitäten überstiegen hätten. Meldungen über einen „total leergefegten Arbeitsmarkt“ hält Ahl für überzogen. Die Betriebe müssten eben verstärkt ausbilden und den Nachwuchs an ihr Unternehmen binden. Problematischer als Fachkräfte zu finden sei es, diese in der Region ansiedeln zu können, denn „die Lebenshaltungskosten sind hier sehr hoch“.

Auch interessant

Meistgelesen

31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
31-Jähriger niedergestochen: Täter auf der Flucht
Oberstadtlerfest in Bildern
Oberstadtlerfest in Bildern
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Mit dem Kreisboten die besten Sommerferien aller Zeiten erleben
Fast schon ein "Pflichttermin"
Fast schon ein "Pflichttermin"

Kommentare