bayme vbm diagnostiziert Abschwung und sieht Wettbewerbsfähigkeit in Gefahr

Konjunkturflaute in Metall- und Elektroindustrie im Oberland

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Stellten die Ergebnisse der „bayme vbm“-Mitgliederbefragung vor: V.li.: Ulrich Schwab, Dr. Robert Reining (Xylem), Jürgen Nowicki, Jürgen Müller und Dietmar Ahl.

Weilheim – Die Konjunktur in der Metall- und Elektroindustrie im Oberland befindet sich im Abschwung. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage der bayerischen Metall- und Elektroarbeitgeberverbände (bayme vbm) unter ihren Mitgliedsunternehmen.

Von einer drohenden Rezession war bei der Vorstellung der Umfrage in den Büroräumen der Firma „Xylem Analytics“ in Weilheim noch keine Rede: „Wir wollen nicht schwarzmalen. Die Situation ist noch gut“, erklärte Jürgen Nowicki, Vorsitzender der „bayme vbm Region Oberland“, doch habe sich die konjunkturelle Lage „spürbar abgekühlt“: „Im Inland erwarten unsere Unternehmen eine weitere Verschlechterung“, so Nowicki. Laut der Umfrage bewerten nur noch knapp 39 Prozent der Betriebe das Inlandsgeschäft als gut. Auch der Export verzeichnet Einbußen. Nur noch 30 Prozent der Betriebe bezeichneten die Auslandsgeschäfte als gut, 2018 waren es noch fast 83 Prozent.

Sichtbar wird der Abschwung an inländischen Produktions-, Investitions- und Beschäftigungsplänen, die, wie es im Bericht heißt, „an Dynamik einbüßen“. Für 2019 registrierte der bayme vbm in Bayern einen Stellenzuwachs von 8 000. Im Vergleich zu 2018 mit 18 000 neuen Arbeitsplätzen ein deutlicher Rückgang. „In den Unternehmen tut sich einiges: Arbeitszeitkonten werden abgebaut, die Zeitarbeit wird massiv zurückgefahren und in unseren Geschäftsstellen häufen sich die Anfragen zum Thema Kurzarbeit“, berichtete Nowicki.

Angesichts des konjunkturellen Abschwungs ist für den Arbeitgeberverband klar: Die Standortfrage muss in Deutschland stärker in den Fokus rücken. Nowicki verwies im Wettbewerb mit dem Ausland auf die hierzulande „höchsten Arbeitskosten, die zweithöchste Unternehmenssteuerlast, die dritthöchsten Stromkosten und eine weltweit überdurchschnittliche Regulierung des Arbeitsmarktes“. Man bekenne sich zwar zur Stärkung der Tarifbindung, aber es brauche endlich Verträge, die weniger komplex und weniger teuer seien, sondern flexible, betriebsindividuelle Lösungen ermöglichen würden. „Ich wünschte, unsere Tarifverträge hätten auch die Japaner und Chinesen“, erklärte Nowicki mit ironischem Unterton. „Klarheit“ fordert der „bayme vbm“ vom Gesetzgeber in puncto „Digitalnetzausbau“, bei den Lohnzusatzkosten und in der Steuerpolitik. Außerdem wünscht man sich ein Bekenntnis zur Technologieoffenheit bei der Antriebstechnologie in der Automobilindustrie.

Letztere, das wurde bei dem Pressegespräch in Weilheim deutlich, ist die anfälligste Branche im Arbeitgeberverband. Die Welle des Abschwungs gehe von den Autobauern aus, bestätigte Nowicki. Ulrich Schwab, Geschäftsführer bei Xylem, berichtete von stabilen Wachstumszahlen in seinem Unternehmen. Als Hersteller für Geräte zur Wasseranalytik sei man den Schwankungen in der Autobranche nicht ausgesetzt.

Zur gleichen Einschätzung kam Jürgen Müller, Geschäftsführer bei „PARitec“ in Starnberg. Als Hersteller von Geräten zur Behandlung von Atemwegserkrankungen habe man 2018 ein sehr gutes Jahr verzeichnet – und: „Wir gehen davon aus, dass es so weitergeht.“

Dietmar Ahl vom Weilheimer Blechverarbeitungsunternehmen „Bechtold“ stuft die aktuelle Lage als „nicht wirklich schlecht, aber auch nicht wirklich gut“ ein. In Zeiten blühender Konjunktur habe man sich dem Diktat der Gewerkschaften beugen müssen. „Wir gönnen unseren Mitarbeitern das Geld“, betonte Ahl. Allerdings müsse in schlechteren Zeiten entsprechend moderater verhandelt werden.

Von Bernhard Jepsen

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