Konzept für Gemeindehaus steht – Entwürfe überzeugen Weilheimer Bauauausschuss – Agenda-Sprecher moniert Mängel

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MARIA HOFSTETTER, Weilheim – Saal und Küche sind zu klein. Der erste Stock ist aus Feuerschutzgründen kaum noch nutzbar. Auch die Toiletten entsprechen längst nicht mehr dem hygienischen Standard, und ein Platz zum Ablegen der Garderobe ist erst gar nicht vorhanden: Das 1949 erbaute Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde ist baulich und energetisch in die Jahre gekommen und soll einem Neubau weichen, der bis zum Advent 2011 bezugsfertig ist. Wie der auf die vielfältigen Aktivitäten der 6200 Gemeindemitglieder ausgerichtete moderne Neubau aussehen soll, darüber wurde Weilheims Bauausschuss im November 2009 vom Kirchenvorstand und der Architektin informiert. Die Entwürfe fanden in dem Gremium breite Zustimmung. In einem Gespräch mit unserer Zeitung äußerte sich Dekan Axel Piper zu den Plänen: Das einstöckige, mit einem Aufsatz versehene Gebäude soll zum Kirchenhof hin verglast werden, „damit mehr Licht einfällt“, und sich in Richtung Bürgerheim öffnen. Ein Saal für 120 Personen ist ebenso vorgesehen wie ein großes Foyer und eine geräumige Küche. „Alles behindertengerecht“, wie Piper betont. Auch die „Weilheimer Tafel“, die bislang donnerstags bei jedem Wetter im Hof an Bedürftige Lebensmittel verteilt, soll einen neuen Ausgabe- und Lagerraum erhalten. Eine Machbarkeitsstudie und die Planung für den Neubau hat eine Weilheimer Architektin, die Mitglied im Kirchenvorstand ist, zusammen mit dem Landeskirchlichen Baureferat erstellt. Die Baueingabe soll laut Piper in den nächsten Wochen erfolgen. Auf einen Architektenwettbewerb sei in Absprache mit der Landeskirche verzichtet worden; dies auch mit Rücksichtnahme auf die Grundstücksnachbarn, die den Plänen „sehr konstruktiv“ gegenüberstünden, berichtet der Dekan. Aus dem Agenda-Arbeitskreis (AK) „Stadtentwicklung, Bauen und Wohnen“ hagelt es jedoch harsche Kritik. AK-Sprecher Peer Prechtel wirft den Planern in einem der Redaktion vorliegenden Schreiben an den Kirchenvorstand „funktionale, gestalte- rische und wirtschaftliche Mängel“ vor und fordert die Erstellung eines Plangutachtens. Das Herzstück des Neubaues, den Gemeindesaal, sieht der Baudirektor a.D. im Entwurf als „dunkles Loch ohne jeglichen Charme“ dargestellt. Dass der fehlende Raum für den Kantor im Umfeld der Apostelkirche extra angemietet werden muss, missfällt Prechtel ebenfalls. Er schlägt vor, zur fachlichen Beratung dieser „öffentlichen, mit Spendengeldern und Steuermitteln finanzierten Baumaßnahme“ den „Wessobrunner Kreis“ mit ins Boot zu holen. „Der Neubau findet eine breite Akzeptanz“, hält Dekan Piper dagegen und dass man „auf die Kritikpunkte eingehen aber bestimmt nicht neu planen“ werde. Dass sich Prechtel, der selbst Mitglied dieser Kirchengemeinde ist, so vehement gegen die Pläne stellt, bedauert Piper: „Wir wollen ja die Menschen mitnehmen in unser neues Haus und neue dazu gewinnen.“ Für den Neubau sind Gesamtkosten in Höhe von 1,5 Mio. Euro veranschlagt. 420000 Euro schießt die Bayerische Landeskirche zu, mit 300000 Euro – gestaffelt auf vier Jahre – beteiligt sich die Stadt Weilheim an dem Projekt. 100000 Euro kommen vom Diakonieverein. „Um die verbleibende Lücke zu schließen“, rechnet Piper, „sind wir dringend auf Eigenleistungen und Spenden angewiesen.“ Im Sommer rücken am alten Gemeindehaus bei der Apostelkirche die Bagger an. Doch soll das Gebäude, das ein Stück Weilheimer Kirchengeschichte schreibt, „nicht sang- und klanglos verschwinden“, findet Dekan Piper. Einige Aktionen und Veranstaltungen sind geplant, deren Erlös wiederum für den Neubau verwendet wird. Neben einer Anekdotensammlung mit Beiträgen der Gemeindemitglieder sind für Juli eine Musicalaufführung, ein Gemeindefest und eine Kunstausstellung vorgesehen. Auf den Trümmern des eingerissenen Gebäudes soll dann noch ein Konzert stattfinden.

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