Kostenbeteiligung ist "Stuss" – Landrat beantwortet Fragen der Jugendlichen in SOS-Kinderdorfeinrichtung

Kam mit einem offenen Ohr für die Jugendlichen der SOS-Kinderdorfeinrichtung Weilheim: Landrat Friedrich Zeller (stehend) hörte sich bei seinem Besuch viele Wünsche an. F.: Privat

Es versprach ein lebhafter Abend zu werden, als Landrat Dr. Friedrich Zeller kürzlich in die versammelte Runde der SOS-Kinder und Jugendlichen in der Weilheimer SOS-Kinderdorfeinrichtung eintrat.

Nach der Begrüßung durch den Abteilungsleiter der SOS-Wohngemeinschaften Bernhard Kuhn und einem gemeinsamen Abendessen startete der Diskussionsabend, der von lokalen, politischen bis hin zu persönlichen Fragen an den Landrat reichte. Mehrere Jugend­­liche fragten nach einer Erweiterungsmöglichkeit für eine Half-Pipe im Weilheimer Skaterpark am Narbonner Ring, nach attraktiverer Gestaltung des Weilheimer Hallenbades oder nach einer Modernisierung des Kinos in der Stadt. Zeller versprach die Wünsche entsprechend der Zuständigkeit an den Bürgermeister weiterzuleiten. Seit vielen Jahren belasten die Jugendlichen der Einrichtung die hohen Kostenbeiträge in Höhe von 75 Prozent ihres erarbeiteten Lehrlingslohnes, die sie an das Jugendamt abgeben müssen. Der 17-jährige Thomas, der sich in Ausbildung zum Hochbauspezialfacharbeiter befindet und täglich knochenharte Arbeit leistet, offenbarte, dass er 140 Euro im Monat dafür verdient. Alles andere müsse er an das Jugendamt abgeben. Nicht anders geht es den anderen Lehrlingen, die sich entschieden haben, sich nicht hängen zu lassen, sondern qualifizieren zu wollen. Es sei paradox, findet Sozialpädagoge Anton Müller, dass die, die aus sich was machen wollen, durch die Bestimmungen des Kinder- und Jugendhilfegesetzes bestraft werden, während diejenigen, die herumhängen, vom Staat noch Geld dafür erhalten. Einen „Stuss“ nannte der Landrat diese Bestimmung, die auch ihm ein Rätsel sei. Auch in Herkunftsfamilien seien Kostenbeteiligungen nicht unüblich. Aber die Höhe, mit der bei Jugendlichen, die in Einrichtungen wohnen, die Kostenbeteiligungen eingezogen werden, sei unbegreiflich. Landrat Zeller lud die Bewohner der SOS-Kinder- und Jugendhilfen Weilheim zu einer Führung durch die Weilheimer Altstadt und das Landratsamt ein.

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