Faschingsfreunde aufgepasst – Saskia Wagner stellt ihren Kostümfundus vor

Für einen Tag jemand anders sein

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Für einen Tag in eine andere Rolle schlüpfen, das schätzt auch Saskia Wagner an der Faschingszeit sehr. In puncto Kostüm muss sie sich wohl keine Sorgen machen, besitzt sie doch eineneigenen Kostümverleih.

Wessobrunn – Sich anders kleiden, in andere Rollen schlüpfen oder eine andere Identität annehmen: Das geht meistens nur im Film. Aber eben nur meistens, denn echten Faschingsfans gelingt dies auch in der fünften Jahreszeit, die seit 11. November 2017 in den Startlöchern steht. Ein solcher Fan ist auch Saskia Wagner, die auf eine der vielfältigsten Kostümsammlungen im Oberland verfügen dürfte.

„Verkleiden war in unserer Familie immer ein großes Thema, schon bei meinen Großeltern“, erklärte Wagner. 1991 gründete Eva Wagner, Saskias Mutter, gemeinsam mit ihrer Schwester Margit den „Kostümverleih Annelies“. Die Idee für den Verleih entwickelte sich dabei eher zufällig. Ein Jahr zuvor wurde Eva Wagner in einer Zeitungsannonce darauf aufmerksam, dass eine ältere Dame aus Füssen aus zeitlichen Gründen ihren Kostümfundus auflösen möchte. Die rund 30 Kostüme wurden von Eva und Margit für den Eigengebrauch gekauft. „Für uns als Kinder war das ein Paradies“, so Wagner. Danach habe sich das Ganze verselbstständigt. An Freunde wurde des Öfteren das eine oder andere Kostüm ausgeliehen. Durch Mundpropaganda entstand dann die Idee eines Kostümverleihs.

Die sonst so heitere Faschingsfreude im Hause Wagner erfuhr vergangenes Jahr einen schweren Schicksalsschlag. Das Herz des Verleihs, Eva, wurde durch ein überraschendes Herzversagen plötzlich aus dem Leben gerissen. Seit diesem Jahr übernimmt ihre Tochter Saskia den Verleih, mit Unterstützung ihrer Tante Margit.

Im Laufe der Jahre haben sich viele hunderte Kostüme angesammelt. Vom festlichen Ballkleid, Piraten- oder Tierkostüm bis hin zu original Kleidung der Jahrhundertwende – die Auswahl ist groß. Damit das Kostüm auch „von vorne bis hinten passt“ können Schuhe und passende Accessoires dazu kombiniert werden. Die Reinigung ist inklusive.

Ob Mann oder Frau – die Kundschaft ist bunt gemischt. „Männer kommen meist ohne Plan hierher“, so Wagner, „wenn man ihnen bei der Kostümwahl ein bisschen unter die Arme greift, dann haben auch sie sofort Spaß dabei und sind oft auf der Stelle in der Rolle drin. Frauen wollen oft auch einfach nur schön sein.“

Faschingszeit ist Hochbetrieb im Kostümverleih. Während dem Jahr greifen vor allem Theatergruppen auf den großen Fundus zurück. Auch Motto-Partys erfreuen sich laut Wagner seit ein paar Jahren immer größer werdender Beliebtheit, wie Märchengeburtstage, Mittelalter-Hochzeiten oder Rockabilly. Eine junge Frau heiratete sogar in einem der Brautkleider.

Der Trend für die laufende Faschingssaison geht laut Wagner in Richtung Steampunk. Das ist eine Mischung aus Wild wild West kombiniert mit Elementen aus dem viktorianischen Zeitalter sowie der industriellen Revolution in Europa während der 1800er Jahre.

Neben vielen Kostümen finden sich auch Originalteile, wie ein alter Pelzmantel einer Frau, im Fundus. Nach dem Krieg habe der Mantel ihrem Vater das Leben gerettet, erklärte die Dame Wagner. „Die Faschingsgeschichte ist die eine Sache. Mein persönliches Steckenpferd sind aber vor allem die original erhaltenen Klamotten, die eine Geschichte erzählen.“

Es sind die „netten Begegnungen mit unterschiedlichen und lustigen Menschen“, die die Kostümverleih-Besitzerin vor allem schätzt. An eine kann sich Wagner noch besonders gut erinnern: Vor ein paar Jahren kam an einem Freitagabend, kurz vor Ladenschluss, ein junger Kerl direkt aus Österreich vorbei. Er sei auf dem Weg nach Stuttgart, um dort mit Bekannten an einem Faschingsumzug teilzunehmen. Hierfür benötige er noch ein passendes Kostüm. Er entschied sich für einen Stier. Der Österreicher wurde noch spontan zur Weißwurstbrotzeit eingeladen, ehe er seinen Weg fortsetzte.

Da der junge Mann das Kostüm nicht mehr persönlich zurückbringen konnte, wollte er es per Post versenden. „Wir dachten, wir sehen das Kostüm nie wieder“, sagte Wagner, aber „eine Woche später war es schon da“.

Mehr Informationen gibt es auf der Homepage unter www.kostuemverleih-annelies.de.

Von Maria Lindner 

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