Geschäftsführer Lippmann zeigt erste Schritte zur Sanierung der Krankenhaus GmbH auf

Kliniken im Umbruch

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Thomas Lippmann: „Der Kostendruck ist enorm. Wir müssen wegkommen von ano- nymisierten Gutachten und Geheimniskrämerei und die Abläufe in den Kliniken stärker an den Bedürfnissen der Patienten orientieren.“

Weilheim – Mehr Offenheit und Transparenz bei der Neuausrichtung der hoch defizitären Krankenhaus GmbH verspricht ihr Geschäftsführer Thomas Lippmann.

Um die wirtschaftliche Gesundung der drei Kliniken voranzubringen, sei das Know-how aller 800 Mitarbeiter gefragt. Mit einem breiten Spektrum an medizinischen Leistungen sollen künftig auch Patienten außerhalb des Landkreises gewonnen und mit strukturellen Justierungen Kosten eingespart werden.

Das Gutachten der Prüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), die dem Kreistag im Februar Projekte zur wirtschaftlichen Sanierung der Krankenhaus GmbH vorgestellt hatte, sei „nur ein Baustein“, führte Lippmann bei einem Pressegespräch im Weil­heimer Landratsamt aus. Einige Teilprojekte, wie zur Einführung von Kostenrechnungen in einzelnen Abteilungen oder zur Auslastung der OP-Säle, seien angelaufen. Andere werden in Arbeitsgruppen entwickelt, zusammen sollen sie der GmbH den Weg zum „Gesundheitsversorger 2020“ ebnen. Lippmann verwies in diesem Zusammenhang auf das Etablieren eines Zentrums für Altersmedizin in Schongau, das neben der Geriatrischen Rehabilitation den Aufbau einer Akutgeriatrie umfassen soll. Ziel der Neuausrichtung sei generell eine hohe medizinische Qualität unter Beibehaltung der kommunalen Trägerschaft. Lippmann hob die „24 Stunden-Hilfe“ der Kliniken hervor, die für die Notaufnahme und Intensivstation ebenso wichtig sei wie in der Geburtshilfe. „Wir haben uns dafür entschieden“, betonte er. Die Sanierung der finanziell angeschlagenen Krankenhaus GmbH kann nach Meinung der Geschäftsführung nur mit einem breiten medizinischen Angebot (Lippmann: „Wir brauchen überregionale Leuchttürme“) in einem größeren Einsatzgebiet gelingen.

Möglichkeiten zur Kosteneinsparung sieht er im nichtmedizinischen Bereich. Den größten Kostenfaktor in den Kliniken machen mit über 60 Prozent der Gesamtausgaben die Personalkosten aus: „Wir müssen Doppelstrukturen abbauen, die Übergabezeiten im Schichtdienst vereinheitlichen und in den kommenden Monaten alle Bereiche durchleuchten“, gibt Lippmann die Richtung vor. Die GmbH stehe zu ihren Tariflöhnen, fordere aber von ihrer Belegschaft mehr Flexibilität, wie bei der Verlagerung ihres Einsatzortes in eine andere Klinik. Jeder Mitarbeiter, unterstreicht der Geschäftsführer, müsse „ein Gefühl dafür entwickeln, dass er in einer GmbH arbeitet“. Bei Neueinstellungen werde er dies sehr deutlich ansprechen.

Das Patientenmanagement wird von der Aufnahme bis zur Entlassung analysiert. Ein sechs Mio. Euro-Defizit sei aber nicht geräuschlos abbaubar. Deshalb, so der Geschäftsführer, müssen wohl auch Entscheidungen fallen, „die weh tun werden“.

Verstärkt werden soll die Kooperation mit den Praxisärzten. Die Kliniken, fordert Lippmann, müssen sich nach außen öffnen und die Chefärzte („Sie sind nicht das Problem für das Defizit“) die niedergelassenen Kollegen kontaktieren.

In den nächsten Monaten sind für die Bevölkerung wieder Informationsveranstaltungen geplant. Man werde „dafür kämpfen“, dass sich die Patienten aus dem Landkreis bei stationärer Behandlung wieder für eine Klinik der GmbH entscheiden. Lippmann rechnete vor, dass die drei Häuser in Weilheim, Peißenberg und Schongau mit ihren Behandlungen jährlich 1 000 Menschen das Leben retten. Er sei zuversichtlich, gemeinsam mit PwC und allen Mitarbeiter bis Jahresende eine Reihe zukunftsweisender Projekte umsetzen zu können.

Von Maria Hofstetter

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