Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Weilheim-Schongau steht im Kreistag Rede und Antwort

Eine Frage des Wertes

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Die Nordseite des Weilheimer Krankenhauses.

Landkreis – „Was ist uns eine gute Krankenversorgung wert?“ Diese Frage von Landrätin Andrea Jochner-Weiß tauchte in der letzten Sitzung des Kreistages öfter auf.

Anlass dafür gaben der Statusbericht für das Geschäftsjahr 2018 von Geschäftsführer Thomas Lippmann sowie die anschließende Diskussion. Die gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen, wie der Zentralisierungsdruck und die nicht vorhandene Vereinbarung auf Bundesebene zur Tarifrate 2018 und 2019, würden der GmbH die Arbeit erschweren, so Lippmann. Als Herausforderungen nannte er das allgemeine Wettbewerbs-

umfeld in der Region und das Scheitern des Klinikverbundes durch den Wegfall von Landsberg. Weitere Punkte waren die Stilllegung der Geburtshilfestation in Weilheim und der Aufbau der Hauptabteilung in Schongau, in der es vergangenes Jahr rund 550 Geburten gab.

Als „Zentrale Vorgänge“ bezeichnete Lippmann unter anderem den Ausbau der, Ende 2017 gegründeten, Akutgeriatrie am Krankenhaus Weilheim, die Generalsanierung in Weilheim, welche laut dem Geschäftsführer „voll nach Plan“ laufe, und die Einführung des „Mako“ Systems Ende 2018. Aktiv im Betrieb ist es seit Februar 2019. Dadurch hätte es einen „riesigen Qualitätsschub“ gegeben, so Lipp-

mann. Einige Patienten würden 30 Minuten nach der OP schon wieder „in die Bewegung kommen“.

Erfreut zeigte sich der Geschäftsführer über das steigende Vertrauen der Bevölkerung. Dies zeige sich auch an der Leistungsentwicklung trotz verschärfter Bedingungen (zum Beispiel Umbau). In 2018 habe es 16 390 stationäre Patienten gegeben und die Verweildauer sei konstant bei durchschnittlich 5,7 Tagen geblieben.

Was die Geburtshilfe im Krankenhaus Schongau angeht, gibt es zwar eine deutliche Zunahme der Geburten über die letzten vier Jahre (+35 Prozent), die Kriterien des Bayerischen Förderprogramms Geburtshilfe werden jedoch trotzdem nicht erfüllt. Daher warb Lippmann bei den Räten darum, sich dafür einzusetzen, dass die GmbH wenigstens anteilig Fördermittel erhält. Der Betrag würde bis zu einer Mio. Euro pro Jahr ausmachen. „Sie können helfen, die Rahmenbedingungen zu ändern oder dafür sorgen, dass die Geburten steigen“, scherzte der Geschäftsführer.

Ein weiteres Problem stellt die Verteilung von Fallzahl und Leistung nach dem mittleren Fallschweregrad (CMI) dar. „Leichte“ Behandlungsfälle bilden rund zwei Drittel aller Fälle ab – bringen aber nur ein Dritter beziehungsweise ein Viertel der Leistung. Die „schweren“ Behandlungsfälle bringen dagegen die Hauptleistung (zwei Drittel beziehungsweise drei Viertel) – stellen aber nur rund ein Drittel aller Behandlungsfälle dar. Die „leichten Behandlungsfälle“ seien „wirtschaftlich nicht so toll“, sagte der Geschäftsführer. Jedoch machte er deutlich: „Ich bin der Meinung, dass wir eine Verantwortung haben und wir nehmen sie gerne wahr.“

Darüber hinaus ging Geschäftsführer Lippmann auf den PflEXIT, die Ausgliederung der Pflegepersonalkosten aus den DRGs (diagnosebezogene Fallgruppen) ab 2020 ein. Das bedeutet, dass Kliniken die Kosten für Pflegepersonal künftig in ganzer Höhe abrechnen können. Das wird zum Problem für Privatkliniken, die vor allem beim Pflegepersonal Kosten sparen wollten. Diese brauchen nun dringend qualifiziertes Personal.

Dieses Problem habe die GmbH zwar nicht, allerdings warb der Geschäftsführer für mehr Wertschätzung gegenüber dem Krankenhauspersonal. Wenn sich Eltern miteinander über die Berufswünsche ihrer Kinder unterhalten würden, werde beispielsweise „You Tube-Star“ mehr anerkannt als ein Beruf in der Pflege. Da würde es heißen: „Der hat nichts Besseres bekommen.“ Die Kreisräte könnten stolz sein auf die rund 900 Beschäftigten der GmbH. „Es sind Ihre Krankenhäuser, die Krankenhäuser des Landkreises Weilheim-Schongau“, schloss Lippmann seine Ausführungen.

Eine Neuigkeit hatte zudem Landrätin Jochner-Weiß. Sie gab an, dass der Landkreis weiterhin auf der Suche nach Partnern sei. Die Verhandlungen mit einem „Maximalversorger“ seien schon weit vorangeschritten. Mehr zu diesem Thema soll es in einer Sonder-Kreistagssitzung im Herbst geben.

Den ersten Kommentar gab Dr. Friedrich Zeller (SPD) ab. Er konstatierte Lippmann „das Zeug zum Politiker“, wurde aber schnell wieder ernst. Ihm bereite die finanzielle Situation beziehungsweise Zukunft der GmbH Sorgen. Sie erhält jährlich einen Betriebskostenzuschuss von vier bis fünf Mio. Euro – Investitionen nicht mit eingerechnet. Lippmann entgegnete, dass es seine Mitarbeiter „auch leid“ seien, Tag und Nacht zu arbeiten, um sich dann rechtfertigen zu müssen. Michael Deibler (CSU) sah die Gelder gut investiert. „Wir retten damit Menschenleben und machen Menschen gesund.“ Agnes Edenhofen (ödp/Unabhängige) wünschte sich, dass die Bürger die Krankenhäuser „annehmen und nachfragen“. Zudem sei es immer wieder ärgerlich, welche Probleme durch die Bundespolitik entstünden. „Essig in den Wein“ musste seiner Meinung nach Josef Taffertshofer (BfL) schütten. Man dürfe bei allem guten Willen nicht die Augen vor der Realität verschließen. Der Zug würde in eine ganz andere Richtung fahren „als wir arbeiten“.

Zu einem Schlagabtausch zum Thema Krankenhaus kam es während der Haushaltsbesprechung zwischen Zeller und Stefan Zirngibl (CSU). Zeller gab an, dass der „Graubereich“ zwischen kommunaler Führung und Privatisierung von Krankenhäusern besser beleuchtet werden sollte. Zirngibl forderte daraufhin, dass die Kreisräte namentlich ihre grundsätzliche Meinung zu Privatisierung beziehungsweise kommunaler Führung in einer Abstimmung kundtun sollten. Zum einen würde „diese unterschwellige Diskussion“ aufhören, zum anderen würden die Namen in der Zeitung stehen, was laut Zirngibl zu einer anderen Zusammensetzung des nächsten Kreistages führen würde. Zeller sah dies zwar mit Humor, ihm das Wort im Mund umzudrehen grenze aber an eine Frechheit. Die Unterstellung, dass er für Privatisierung von Krankenhäusern sei, bezeichnete er als „einfach falsch“. 

Von Sofia Wiethaler 

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