"Es ist noch nicht vorbei"

Krankenhaus GmbH will zum Normalbetrieb zurück – ist aber auf zweite Corona-Welle vorbereitet

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Prof. Dr. Andreas Knez, Pflegedirektorin Anne Ertel und Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Thomas Lippmann (v.li.) zeigen die Erstaufnahme, wo jeder Patient von MitarbeiterInnen untersucht wird.

Weilheim-Schongau – Fast acht Wochen ist es her, dass im Landkreis Weilheim-Schongau der erste Corona-Fall gemeldet wurde. Seitdem ist viel passiert. Die aktuelle Entwicklung macht zwar Hoffnung. Dennoch warnt Prof. Dr. Andreas Knez vom Weilheimer Krankenhaus: „Es ist noch nicht vorbei.“

Ein Rückblick: Am 2. März wurde erstmals ein Patient im Krankenhaus in Weilheim positiv auf den Corona-Virus getestet. Der Zustand des 80-jährigen Mannes habe sich rasch klinisch verschlechtert, erinnert sich Knez. Letztlich verstarb der Mann.

Zur damaligen Zeit war noch nicht abzusehen, wie es weitergehen würde. Mit wie vielen schwer Erkrankten war zu rechnen? Reichen die Kapazitäten in den Krankenhäusern aus? Drohen „italienische Verhältnisse“? Und: Wie sollen Patienten ohne ein wirksames Medikament behandelt werden? Für den 80-Jährigen in Weilheim beantragte die Krankenhaus GmbH das Mittel Remdesivir. Aus anderen Ländern gab es Meldungen, dass es helfen könne. Acht Tage dauerte es, bis es eine Genehmigung für das in Deutschland noch nicht zugelassene Medikament gab und es schließlich aus den USA eintraf. „Bei uns konnte es jedoch nicht mehr zum Einsatz kommen“, erklärt Knez. Dem Patienten sei es zu dem Zeitpunkt schon zu schlecht gegangen.

Heute, rund acht Wochen später, weiß man schon etwas mehr. „Remdesivir und andere Medikamente werden mittlerweile nicht mehr außerhalb von Studien empfohlen.“ Sie hätten zum Teil starke Nebenwirkungen wie Herz-Rhythmus-Störungen. Die Mediziner an den Krankenhäusern in Weilheim und Schongau haben derweil noch weitere wichtige Lernschritte in der Bekämpfung von Covid-19 gemacht. „So hat sich unser Wissen zu wirksamen Beatmungsstrategien erweitert.“

Hoffnung gebe auch, dass die „italienischen Verhältnisse“ ausgeblieben seien. Es gab in beiden Krankenhäusern keine Überbelastung von Intensivstationen und Infektionsabteilungen. Der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH Thomas Lippmann verweist darauf, dass 70 Prozent der Betten leer seien. „Das ist sehr positiv, weil jedes Bett damit für einen möglichen Corona-Patienten frei ist.“ Gleichzeitig habe man nach der Einführung des Corona-Notfallplans an beiden Krankenhäusern die Zahl der Intensivbetten innerhalb von 72 Stunden verdoppelt. Besonders betont der Geschäftsführer, dass es nie einen Mangel an Schutzausrüstung gab.

Das alles hat natürlich seinen Preis. Das weiß auch Lippmann. Er spricht von zusätzlichen zwei Millionen Euro, die die Krankenhaus GmbH vom Landkreis jeden Monat bekommt, um unter anderem Löhne weiter bezahlen zu können.

Die Maßnahmen im Landkreis Weilheim-Schongau zeigen Wirkung. Bisher haben sich 329 Menschen infiziert (Stand: 22. April). 286 davon sind wieder genesen. 17 Patienten wurden bisher im Krankenhaus versorgt. Todesfälle gab es zwei. Der 80-Jährige und ein weiterer Mann, der sich außerhalb des Landkreises in einer Reha-Klinik infizierte und in Bad Reichenhall Ende März verstarb.

Knez erzählt auch von Patienten, die aktuell im Weilheimer Krankenhaus behandelt werden. Sie haben keine bekannten Vorerkrankungen. Dennoch müssten sie intensivmedizinisch betreut werden.

Es ist also weiterhin höchste Vorsicht geboten. Knez fordert die BürgerInnen dazu auf, die Maskenpflicht, die ab kommendem Montag in allen öffentlichen Verkehrsmitteln und in sämtlichen Geschäften gilt, ernst zu nehmen. „Das ist mein Beitrag, die Menschen vor mir zu schützen.“

Erhöhte Schutz- und Hygienemaßnahmen gelten auch weiterhin in den Krankenhäusern in Weilheim und Schongau. Besonders, weil man langsam wieder „zum Normalbetrieb zurückkehren“ wolle. Soll heißen: Ab Mai werden wieder Sprechstunden und Operationen stattfinden. Bisher wurden nur Notfälle operiert. Dennoch bleiben rund 25 Prozent der Intensivkapazitäten für die Versorgung von Covid-19-Patienten vorbehalten. 

Um maximale Sicherheit zu gewährleisten, bleibt die Besuchersperre bestehen. Zudem müssen alle PatientInnen und das Personal Mund-Nasen-Masken tragen. Wer die Krankenhäuser in Schongau und Weilheim betritt, wird von der Security empfangen. Anschließend heißt es Hände desinfizieren und den bereitgestellten Mundschutz aufsetzen. MitarbeiterInnen machen eine kurze Anamnese, messen das Fieber und den Sauerstoffgehalt im Blut. Besteht der Verdacht auf eine Corona-Infektion wird der Betroffenen sofort in einen separaten Bereich gebracht.

„Nirgends ist es so sicher wie im Krankenhaus“, betont Prof. Dr. Andreas Knez vom Weilheimer Krankenhaus. Niemand müsse Angst haben, sich hier mit Corona zu infizieren. Deshalb bittet er: „Wenn Sie Beschwerden haben, zögern Sie nicht.“ Derzeit erleben die Krankenhäuser in Weilheim und Schongau eine „extreme Abnahme von Notfallpatienten“. Knez meint, BürgerInnen hätten Angst sich in den Kliniken zu infizieren. Weil viele erst kämen, wenn es gar nicht mehr ginge, würden die Mediziner heute „Komplikationen sehen, die wir gar nicht mehr kennen“. In Weilheim sei zum Beispiel ein Patient erst fünf Tage nach seinem Herzinfarkt ins Krankenhaus gekommen. Die Folge: ein großes Blutgerinnsel. Bei einer rechtzeitigen Behandlung wäre das vermeidbar gewesen.

Trotz des Übergangs in den Normalbetrieb sei man in Weilheim und Schongau jederzeit bereit wieder zurückzufahren, falls tatsächlich die von Experten befürchtete zweite Welle kommt. Knez selbst ist sich sicher: „Die Infektionszahlen werden wieder steigen; es ist erst vorbei, wenn es eine Impfung gibt.“

Von Stephanie Novy


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