Ich kann mich nicht verstecken!

Krebspatientin wird wegen Mundschutz gemobbt

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Eine Krebspatientin wird gemobbt, weil sie einen Mundschutz trägt.

Weilheim – In Zeiten des sich rasch ausbreitenden Coronavirus mit täglich neuen Fallzahlen machen Verhaltensweisen rücksichtsloser Mitmenschen fassungslos. Unglaubliches hat die an Krebs erkrankte Weilheimerin Susanne S. erlebt.

„Ich befinde mich in der Chemotherapie. Mein Immunsystem ist geschwächt, so dass ich einen Mundschutz zumindest gegen die Influenza tragen muss. Auch werde ich zusätzlich künstlich ernährt“, schilderte die 52-Jährige dem Kreisboten ihre Situation. Nachdem Leute in der Öffentlichkeit schreiend vor ihr weggelaufen sind, sie angebrüllt und beschimpft haben, zeigte sie sich ohne Mütze mit kahlem Kopf und Mundschutz. „Es ist eine große Überwindung für eine Frau, so herumzulaufen.“

Fassungslos hat Susanne S. eine Begegnung mit einer Schülergruppe gemacht, die ihr beim „Bauerngirgl“ entgegenkam. Die etwa 15-jährigen Mädchen und Jungs drehten sich demonstrativ zu ihr um, „husteten mir mit voller Wucht ins Gesicht und gingen lachend weiter“. In der Fußgängerzone und auf dem Marienplatz wurde sie erneut angehustet. „Ich war mit der Situation überfordert und nicht in der Lage zu reagieren.“ Susanne S. kamen diese entwürdigenden Begegnungen wie ein Spießrutenlauf vor.

Eine Influenza hätte für die 52-Jährige eine Verlegung auf die Isolierstation bedeutet, und sie könnte keine Chemo erhalten: „Bei der Schwere meiner Erkrankung kommt das derzeit einem Todesurteil gleich.“

Die fehlende Menschlichkeit und Sensibilität setzen der Weilheimerin stark zu. Wichtiger als eine Entschuldigung ist ihr, die Situation aller immunschwachen Personen, die jetzt besonderen Gefahren ausgesetzt sind, der Öffentlichkeit bewusst zu machen. Die Betroffenen anzuhusten sei „kein Spaß oder Kavaliersdelikt“, sondern kann schwere gesundheitliche Schäden bis hin zum Tod zur Folge haben.

Wie alle anderen im normalen Alltag auch muss die Krebspatientin ihre Einkäufe erledigen, zum Arzt und in die Apotheke sowie bei einem Spaziergang in der frischen Luft Kraft tanken. „Ich kann mich nicht verstecken“, sagt Susanne S. – sie entschloss sich zu dem mutigen Schritt, das ihr Widerfahrene öffentlich zu machen.

Von Maria Hofstetter

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