27 neue Gesichter

Kreistagsmitglieder vereidigt - Grehl muss Stellvertreter-Posten abgeben

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27 neue Mitglieder zählt der insgesamt 60-köpfige Kreistag für den Landkreis Weilheim-Schongau. Die Neuen wurden bei der konstituierenden Sitzung in der vergangenen Woche von Landrätin Jochner-Weiß vereidigt.

Landkreis – Karl-Heinz Grehl (Grüne) zeigte sich als fairer Verlierer. Obwohl die Enttäuschung groß gewesen sein muss. Grehls Chancen, bei der ersten Sitzung des Kreistages in seinem Amt als stellvertretender Landrat bestätigt zu werden, schienen recht gut zu sein. Doch die Mehrheit der Kreistagsmitglieder wollte wohl ein neues Gesicht.

Hans Schütz (Grüne) schlug seinen Parteikollegen Grehl erneut für den Posten des Stellvertreters von Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) vor. „In der Stichwahl hat er ein achtbares Ergebnis erzielt. Das kann man schon als Vertrauensaussprache sehen“, bezog sich Schütz auf die Landratswahl im März. Grehl selbst hätte das Amt auch gerne weiterhin ausgeführt. Er wurde 2014 erstmals zum Stellvertreter gewählt. Ein Geschenk, wie Grehl in seiner kurzen Bewerbungsrede sagte. Das Amt erfordere zudem Loyalität, Verlässlichkeit und Neutralität. Eigenschaften, die Grehl seiner Meinung nach inne hat.

Als Gegenkandidat wurde Wolfgang Taffertshofer (BfL) von seiner eigenen Partei vorgeschlagen. Der Landwirt ist seit 1996 permanentes Mitglied im Kreistag und seit zwölf Jahren auch Fraktionsvorsitzender. Taffertshofer beschrieb seine Stärke so: „Kollegiales Miteinander ist meine Art.“

Grehl schien bei der abschließenden Abstimmung als Favorit ins Rennen zu gehen: Erfahrung als stellvertretender Landrat, zweitstärkste Fraktion im Kreistag, achtbares Ergebnis bei der Stichwahl des Landrats. Doch die Mehrheit der 60 Wahlberechtigten gab ihre Stimme Taffertshofer. 37 zu 23 hieß es am Ende. Grehl ließ sich nichts anmerken und gratulierte seinem Herausforderer mit einem Ellenbogencheck: „Mach‘s besser als ich“, war der mit einem Lachen verkündete Ratschlag Grehls.

Als zweiter Stellvertreter ließ sich der Grünen-Politiker nicht mehr zur Wahl stellen. Stattdessen schlug er – eher unerwartet – Manuela Vanni (Unabhängige) vor. Die Politikerin war davon zwar überrascht, wie sie selbst sagte, ließ sich aber dennoch aufstellen. „Die Land-

rätin weiß, dass wir gut miteinander können. Außerdem weiß ich, was da auf mich zukommt“, erklärte die ehemalige Peißenberger Bürgermeisterin. Für die Freien Wähler ging Michael Marksteiner ins Rennen. Er ist einer der Neuen im Kreistag. Marksteiner hielt seine Bewerbungsrede kurz und knapp. Marksteiner wolle „sachbezogene, gute Politik für den Landkreis machen“.

Bei der anschließenden Wahl holte er 34 Stimmen, Vanni bekam 22. Vier der abgegebenen Stimmen waren ungültig. Da ein zweiter Stellvertreter nicht zwingend erforderlich ist, musste der Kreistag anschließend per Handzeichen den Beschluss, und damit Marksteiner, bestätigen. Dabei gab es eine Gegenstimme – von Schütz.

Die Neuen im Gremium

Neben der Wahl der beiden Stellvertreter der Landrätin stand noch die Vereidigung der neuen Kreistagsmitglieder auf dem Programm. 27 sind es. Erstmalig vertreten ist auch die AfD mit drei Mitgliedern. Es handele sich hierbei um die erste AfD-Fraktion im Oberland, wie der zum Fraktionssprecher gewählte Kreisvorsitzende der AfD, Rüdiger Imgart, mitteilt. Seine beiden Stellvertreter sind Reno Schmidt und Regina Schropp.

Auf den neu zusammengestellten Kreistag kommt die nächsten sechs Jahre einiges zu, wie Landrätin Jochner-Weiß in ihrer Rede ankündigte: „Ab heute schauen wir nach vorne. In die Zukunft. Und es wird uns die nächsten Jahre bestimmt nicht langweilig werden.“

Natürlich blieb auch die derzeitige Corona-Pandemie von der Landrätin nicht unerwähnt: „Wir befinden uns in einer schweren Zeit. Die Folgen sind noch nicht absehbar, aber sie werden schwerwiegend sein.“ Für Menschen, die das alles völlig überzogen finden und es als Panikmache abtun, zeigte die Landrätin wenig Verständnis: „Wenn sie sehen würden, wie schnell sich der Zustand von Infizierten verschlechtert, wenn sie sehen würden, wie intensiv die Versorgung ist, wenn sie sehen würden, wie die Menschen auf die Beatmungsgeräte angewiesen sind – dann würden sie sich an die Maßnahmen halten.“

Fachleute gesucht

Gegen Ende der Sitzung ging es noch um die Bestellung von Verbandsräten für die Verbandsversammlung der Sparkasse Oberland. Für diese Posten kommt nicht jedes Kreistagsmitglied in Frage, wie Vorstandsvorsitzender Thomas Orbig erklärte. Sie müssten aus dem Altlandkreis Schongau kommen und sie bräuchten fachliche Qualifikationen, etwa einen wirtschaftswissenschaftlichen Hintergrund oder eine unternehmerische beziehungsweise selbstständige Tätigkeit.

Jochner-Weiß schlug dem Gremium folgende Personen vor: Die Bürgermeister von Schongau (Falk Sluyterman, SPD), Hohenpeißenberg (Thomas Dorsch, Parteilos) und Peiting (Peter Ostenrieder, CSU). Zudem soll mit dem Schongauer Franz Reßle (ÖDP) ein Vertreter aus der Landwirtschaft mit von der Partie sein. Der Vorschlag wurde mit sechs Gegenstimmen angenommen.

Zu guter Letzt wurden dann noch Verbandsräte und deren Stellvertreter für den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Oberland Weilheim (ZRF) bestellt. Einstimmig nahm der Kreistag folgenden Vorschlag an: Für die Feuerwehr Dr. Rüdiger Sobotta und Ludwig Fernsemmer (Stellvertreter) sowie für den Rettungsdienst Alexandra Bertl und Dr. Heike Dietrich (Stellvertreterin).

Das sind die neuen Kreistagsmitglieder:

CSU: Angelika Flock, Guntram Vogelsgesang, Stefan Korpan, Martin Klein, Max Bertl, Andreas Kögl, Frank Zellner.

Grüne: Katharina von Platen, Dr. Kerstin Engel, Thomas Elste, Dr. med. Heike Dietrich, Manuel Neulinger, Brigitte Gronau, Dr. rer. nat. Stefan Emeis.

SPD: Markus Bader, Alexander Majaru.

BfL: Tillman Wahlefeld, Andreas Schmid.

Freie Wähler: Michael Marksteiner.

ÖDP: Markus Kunzendorf, Dr. Maiken Winter.

AfD: Rüdiger Imgart, Reno Schmidt.

Unabhängige: Rudi Mach.

FDP: Saika Gebauer-Merx.

BfP: Armin Jabs.

Die Linke: Peter Maier.

Von Stephanie Novy

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