Rote Linie überschritten?

Ragnhild Thieler und Alfred Honisch rügen AfDler Rüdiger Imgart bei Stadtratssitzung

Polizist, Demonstration
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AfD-Stadtratsmitglied Rüdiger Imgart war bei einer Corona-Demonstration in Berlin. Um sich ein Bild zu machen, wie er sagt.

Weilheim – Ein Bild sagt bekanntlich mehr als 1 000 Worte.

Ob das in diesem Fall jedoch auch so ist, bleibt unklar. Konkret geht es um AfD-Stadtrat Rüdiger Imgart, der in Berlin auf einer sogenannten Corona-Demonstration gesichtet wurde, der auch Protestierende mit rechten Weltansichten und Freunde von Verschwörungstheorien angehörten. Bilder davon kursierten im Internet. Für Grünen-Stadtrat und dritten Bürgermeister Alfred Honisch wurde damit eine „rote Linie“ überschritten. Daher drückte er am Ende der jüngsten Stadtratssitzung seinen Missmut über Imgarts Verhalten aus, der auch ehrenamtlicher Richter am bayerischen Verfassungsgericht ist. Ebenfalls wenig erfreut über Imgarts Ausflug nach Berlin zeigte sich Ragnhild Thieler (BfW). Für sie als überzeugte Demokratin sei klar, dass jeder eine eigene Meinung haben und äußern dürfe. Auch zu streiten, diskutieren und zu demonstrieren sei nicht das Problem. Anders beurteilte Thieler jedoch den versuchten Sturm auf den Reichstag von einigen Protestierenden. Hierbei seien unter anderem Nazi-Symbole zu sehen gewesen. Davon gelte es körperlich aber vor allem auch geistig Abstand zu wahren. Imgarts Name wurde bei der Kritik allerdings von keinem der beiden genannt.

Dieser zeigte sich erstaunt darüber, „dass hier über einen aber nicht mit einem“ gesprochen werde. Er sei in Berlin gewesen, um sich selbst ein Bild von den dortigen Protesten zu machen und auf dem Weg zum Bahnhof an der Demonstration am Reichstag vorbei gegangen. Dort habe er sich bei einer Anwesenden nach dem Namen des aktuellen Redners (Attila Hildmann Anm. d. Red.) erkundigt und diesem kurz zugehört. Dabei habe er die Situation als äußerst „bizarr“ empfunden. Er würde auf dem Fuße „unserer Demokratie“ stehen, wehrte sich Imgart gegen die Vorwürfe seiner Stadtratskollegen. Außerdem habe er die Demo über zwei Stunden vor dem Sturm bereits wieder verlassen. Er wünschte sich, dass Honisch und Thieler mit ihrem Anliegen direkt zu ihm kommen würden. Ansonsten müsse er sich überlegen, wie er anders gegen die Behauptungen vorgehen werde – „und das möchte ich eigentlich nicht“.

Auch Ullrich Klinkicht (Weilheim Miteinander) und Gerd Ratter (ÖDP) sahen die Äußerungen von Honisch und Thieler kritisch. Er fühle sich „total unwohl“ wenn über jemanden gesprochen werde, der sich im Saal befinde, sagte Ratter.

Von Sofia Wiethaler

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