Irgendwann ist jetzt

Kritische Töne zwischen Konzertklängen: Zweite Kultur-Demo in Murnau

Kultur-Demo im Kurpark Murnau
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Bei der zweiten Kultur-Demo holte der Verein Forum Westtorhalle die Band Bison auf die Bühne der Konzert-Muschel im Kurpark. Rot-weiße Absperrbänder markierten den Demobereich, in dem das Publikum Platz nehmen durfte – und dies auch mit Freude tat. Zwischen Liedern und Applaus sprach Jakob Hamburger offen Kritik an der Politik aus und forderte wieder Raum für die Kultur.
Kultur-Demo im Kurpark Murnau
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Bei der zweiten Kultur-Demo holte der Verein Forum Westtorhalle die Band Bison auf die Bühne der Konzert-Muschel im Kurpark. Rot-weiße Absperrbänder markierten den Demobereich, in dem das Publikum Platz nehmen durfte – und dies auch mit Freude tat. Zwischen Liedern und Applaus sprach Jakob Hamburger offen Kritik an der Politik aus und forderte wieder Raum für die Kultur.
Kultur-Demo im Kurpark Murnau
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Bei der zweiten Kultur-Demo holte der Verein Forum Westtorhalle die Band Bison auf die Bühne der Konzert-Muschel im Kurpark. Rot-weiße Absperrbänder markierten den Demobereich, in dem das Publikum Platz nehmen durfte – und dies auch mit Freude tat. Zwischen Liedern und Applaus sprach Jakob Hamburger offen Kritik an der Politik aus und forderte wieder Raum für die Kultur.
Kultur-Demo im Kurpark Murnau
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Bei der zweiten Kultur-Demo holte der Verein Forum Westtorhalle die Band Bison auf die Bühne der Konzert-Muschel im Kurpark. Rot-weiße Absperrbänder markierten den Demobereich, in dem das Publikum Platz nehmen durfte – und dies auch mit Freude tat. Zwischen Liedern und Applaus sprach Jakob Hamburger offen Kritik an der Politik aus und forderte wieder Raum für die Kultur.
Kultur-Demo im Kurpark Murnau
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Bei der zweiten Kultur-Demo holte der Verein Forum Westtorhalle die Band Bison auf die Bühne der Konzert-Muschel im Kurpark. Rot-weiße Absperrbänder markierten den Demobereich, in dem das Publikum Platz nehmen durfte – und dies auch mit Freude tat. Zwischen Liedern und Applaus sprach Jakob Hamburger offen Kritik an der Politik aus und forderte wieder Raum für die Kultur.
Kultur-Demo im Kurpark Murnau
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Bei der zweiten Kultur-Demo holte der Verein Forum Westtorhalle die Band Bison auf die Bühne der Konzert-Muschel im Kurpark. Rot-weiße Absperrbänder markierten den Demobereich, in dem das Publikum Platz nehmen durfte – und dies auch mit Freude tat. Zwischen Liedern und Applaus sprach Jakob Hamburger offen Kritik an der Politik aus und forderte wieder Raum für die Kultur.

Murnau – Da ist es, das Wort, das schon bei der ersten Kundgebung auf Jakob Hamburgers Zunge lag, das der Vorsitzende des Vereins Forum Westtorhalle damals aber runterschluckte: Konzert. Bei der zweiten Kultur-Demo sprach er nun ganz offen davon, dass diese Demo eigentlich eine Art Deckmantel für das ist, was man seit Monaten ersehnt, was aber seit Monaten nicht möglich ist: Musik, live, in Farbe, Band vor Publikum, Publikum vor Band. 

Der überdimensionale, kräftig rote Hut, der im Kurpark an Ödön von Horváth erinnert, reflektiert das launische Sonnenlicht an diesem frühen Nachmittag. Immer wieder drohen dicke Wolken Tropfen fallen zu lassen. Doch sie lassen es bleiben. Durch den Schatten der Hutkrempe geht es zum muschelförmigen Musik-Pavillon. Rot-weiße Absperrbänder markieren den Demo-Bereich. Die Organisatoren scheinen über reichlich Plastikbänder auf Rollen verfügt zu haben, denn auch im Innenbereich markieren die rot-weißen Streifen kleine Felder, in denen die ersten Zuhörer im kühlen Gras Platz genommen haben. Aber auch die Bänke vor der Muschel wollen besetzt werden. Kreuze aus Klebeband zeigen einzuhaltende Abstände auf. Das Holz ist von den Sonnenstrahlen angewärmt. Nach und nach verschwindet es unter Sitzenden. Fingernagelklopfen auf Bierflaschenglas ist zu hören, viele Sonnenbrillen sind zu sehen, lachende Münder unter den Masken zu vermuten.

Wenige Minuten lang ertönt Musik aus der Box. Dann folgt Stille, abgesehen von Geplauder aus dem Publikum. Der Uhrzeiger hat 14 Uhr bereits passiert, als die Band Bison auf die Bühne kommt, auf der sich das Plakat-Ungetüm der ersten Demo wieder in die Höhe türmt. Die Musiker hören Applaus, ein wohlbekanntes, ein geliebtes, aber fast vergessenes Geräusch. Sie nehmen Platz. Dann tritt Jakob Hamburger ans Mikro, um die Demo-Regeln zu verlesen. Maskentragen, Abstandhalten – das gelte auch für die Zaungäste. Man soll den Anweisungen der Ordner und der Polizei folgen. „Seid lieb zueinander, habt Spaß an der Musik“, appelliert der Mann vom Verein Forum Westtorhalle. Bison beginnt zu spielen. Nach jedem Lied, mit jedem letzten Ton formen sich Alexander Zgudziaks Lippen zu einem breiten Grinsen. „Ich bin sehr aufgeregt aufgewacht“, gibt der Sänger lächelnd zu. Immer wieder betont er, dass sie sich „extrem freuen“ hier auftreten zu können, in einer solchen Lautstärke und „vor Publikum“. Eine lange Bühnenabstinenz kann der Sänger aber nicht verbergen. An seinem Gesang liegt es nicht, seine Stimme weiß noch immer zu bewegen. Aber gelegentlich zieht der Sänger einen zerknüllten Zettel aus seiner Hosentasche, um nachzusehen, was denn als nächstes gespielt werden soll.

So etwas wie Konzertfeeling

Was auch gespielt wird, das Publikum zeigt sich ebenso freudig wie die Musiker. Man wippt, man nickt, man klatscht, man schunkelt – wie schon bei der ersten Demo vorsichtig, aber sichtlich. Mal umhüllen Nebelwolken, mal Seifenblasenschwärme die Band. Mal beides, mehr ist mehr in Zeiten, in denen man mit wenigem, vor allem kaum Kultur, auskommen muss. Die Seifenkugeln schweben übers Publikum, hie und da bringen spitze Zeigefinger die fragilen Gebilde zum Platzen. Dann fallen Wasserspritzer auf die Masken herab.

Pause. Hamburger kehrt auf die Bühne zurück. Ein paar Seifenblasen schweben um ihn herum, als auch er eine Seifenblase, eine metaphorische, zum Platzen bringt. Denn auch wenn es so scheint, das Ganze ist kein Konzert, zumindest nicht offiziell. Das darf es nicht sein. Es ist eine Demo. „Kultur kriegt keinen Raum“, kritisiert Hamburger. Dabei könnte, sollte, müsste sie Raum bekommen. „Wer sich heute hier umschaut, kann sehen, dass es geht“, sagt er mit Blick auf die zahlreichen Hygienevorkehrungen. Und dennoch habe man sich, für dieses Konzert, auf ein Grundrecht, das Recht zu demonstrieren, berufen müssen. „Es ist nicht unser Job, eine Lösung zu finden“, es sei die Aufgabe der Politik, ruft Hamburger aus. Hätte man keine Förderer, „hätten wir den Laden schon längst dicht gemacht“, sagt der Vereinsvorsitzende. Dann blickt Hamburger nach vorne. „Wir werden schauen, dass es diesen Sommer immer wieder laut und bunt wird – Westtor-Style“, lächelt er, um dann die Band auf die Bühne zurückzuholen. Die hat in der Zwischenzeit ihren Gitarristen verloren, kurzzeitig. Mit Kippe im Mund und Bierflasche in der Hand läuft er hastig hinter der Bühne hervor. Und während die Musik zurückkehrt, spazieren Ordner durch die Reihen, um in Apfelpflückern mit lang ausgezogenen Griffen Spenden zu sammeln.

Auf der Bühne wirft man einen Blick auf die Uhr. Es ist schon nach drei. Das letzte Lied wird angekündigt und prompt gespielt, es bleibt schließlich nicht mehr viel Zeit, ehe die Demo ihr Ende finden muss. Die Gitarrensaiten vibrieren schließlich aus, es folgt ein langer Applaus. „Hoffentlich bis irgendwann bald“, verabschiedet sich der Sänger, um dann den Zugabe-Rufen nachzugeben, nachzulegen und aus dem Irgendwann-bald ein Jetzt-gleich zu machen.

Hamburger wartet vorne am Rand der Bühne darauf, die Demo offiziell zu beenden. Ganz stillstehen kann er nicht, einen Moment lang tanzt er unbewusst, Beine, Arme und Kopf folgen den Rhythmen. Doch der Moment währt nur kurz, rasch kehrt er in die erforderliche Ruheposition zurück. Tanzen ist noch nicht drin. Wenige Minuten später verabschiedet sich die Band endgültig aus der Muschel und Hamburger erklärt die Kundgebung für beendet. In dem Musik-Pavillon kehrt die Stille zurück. Und auf den Bänken wärmen wieder Sonnenstrahlen und nicht Sitzende das einsame Holz.

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Rubriklistenbild: © Reindl

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