Garmischer Landrat gewinnt Landtagsmandat, Langer und Asam ziehen in Bezirkstag ein

Harald Kühn holt 49 Prozent

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Noch ist die Anspannung nicht dem Jubel gewichen: Weilheims CSU verfolgt am Wahlabend auf der Leinwand den Auftritt von Ministerpräsident Horst Seehofer.

Weilheim/Landkreis – Mit der Bekanntgabe der Landtagswahlergebnisse am vergangenen Sonntag stand fest: Die Zahlen im Stimmkreis Weilheim-Schongau spiegeln den Bayerntrend wider. Der Murnauer Harald Kühn (49, CSU) wird als Nachfolger von Renate Dodell in den Bayerischen Landtag einziehen. 49,2 Prozent der Wähler gaben dem Landrat aus Garmisch-Partenkirchen ihre Erststimme.

Während die CSU deutlich gestärkt aus der Landtagswahl hervorging, gab es bei den anderen Parteien nach Stunden großer Anspannung lange Gesichter. In einigen Gemeinden, wie in Wielenbach, Eglfing und Pähl, fuhren die Freien Wähler bessere Ergebnisse ein als SPD und Grüne. Regina Schropp von der Bayernpartei hatte der Wahlkampf knapp 6,3 Prozent der Erststimmen eingebracht. 

 Gegenüber 2008 machten deutlich mehr Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch, auch gab es wesentlich mehr Briefwähler als vor fünf Jahren. Die Wahlbeteiligung betrug 68,3 Prozent (2008: 61,5). 

 Dr. Alexandra Langer (CSU) aus Weilheim schaffte es auf Anhieb in den Bezirkstag. Die 30-jährige Weilheimerin sicherte sich mit 43,81 Prozent der Erststimmen das Direktmandat. Weiter in dem Gremium vertreten bleibt Michael Asam (SPD). Auf den Peitinger Bürgermeister, der seit 1998 Mitglied und seit 2008 Fraktionschef im Bezirkstag ist, entfielen 21,62 Prozent der Erststimmen. Asam zieht über Platz 1 der Liste ein. Am Sonntag entschieden die Bürger auch über fünf Volksentscheide. Die überwiegende Mehrheit der Wähler stimmte bei allen Entscheiden mit „Ja“.

So wurde im Stimmkreis entschieden

Anders als bei vorausgegangenen Wahlen ließ sich am Sonntag im Weilheimer Landratsamt keiner der Kandidaten blicken, um erste Hochrechnungen abzuwarten und die Ergebnisse zu kommentieren. Der neue CSU-Landtagsabgeordnete Harald Kühn weilte „bis spät in die Nacht im Maximilianeum“, wie er unserer Zeitung am Montag berichtete. Weilheims CSU traf sich am Wahlabend im „Oberbräu“, SPD und Grüne im „Pit Two“, die Freien Wähler hatten ihre Anhänger zur Wahlparty ins „La Galleria“ eingeladen. Wo sich die Weilheimer FDP tummelte, wusste niemand so ganz genau. Dass es die Opposition nicht geschafft hat, die CSU aus der Regierung zu drängen, wurde ebenso heiß diskutiert wie die Wahlschlappe der FDP.

Kommentare der Stimmkreiskandidaten 

 Harald Kühn (CSU) hat am Sonntag Vormittag daheim seine „Schreibtischarbeiten erledigt“, bevor er nach München aufgebrochen ist. Erst „spät nachts“ ist er wieder aus dem Maximilianeum zurückgekehrt. Auf telefonische Nachfrage äußerte sich der Mur- nauer „sehr zufrieden über das Wahlergebnis und dankbar für das Vertrauensvotum“, das ihm die Wähler aus dem Stimmkreis entgegengebracht haben. Die 49,2 Prozent der Erststimmen sieht er als „Verpflichtung, sich für die Bürger und Kommunen im Stimmkreis einzusetzen“. Bevor Kühn in den Landtag wechselt, hat er noch die Übergabe an seinen Stellvertreter im Landratsamt Garmisch-Partenkirchen zu regeln. Der neue Landtag wird sich am 7. Oktober konstituieren. Bedenken, dass der Nachfolger der Weil­heimerin Renate Dodell eher die Interessen des Garmischer Landkreises vertreten könnte, zerstreut Kühn, indem er seine Nähe zu Weilheim-Schongau betont. „Ich war ja als Bezirksrat schon für diese Region zuständig.“ Ob es wie zu Dodells Zeiten weiter ein Bürgerbüro in Weilheim geben wird? „Da habe ich mich noch nicht festgelegt“, sagte Kühn, der erst mal beide Wahlen abwarten will: „Der Standort eines Büros ist nicht entscheidend“, sondern „praktische Gründe“.

Dr. Albert Thurner (SPD) hat sich persönlich und für die SPD ein besseres Wahlergebnis erhofft und bis zuletzt um seinen Einzug in den Landtag „gezittert“. Die gute wirtschaftliche Lage habe der CSU das Stimmenhoch beschert, analysierte Thurner die Wahl. „Seehofers angekündigte Pkw-Maut für Ausländer hat den Leuten gefallen.“ Eines steht für den Sozialdemokraten fest: „Wenn es wieder nicht klappt, ist der Zug für mich abgefahren. Viermal habe ich jetzt jeweils ein halbes Jahr meines Lebens in die Landtagskandidatur investiert.“ Matthias Demmel (FW) kommentierte sein Ergebnis (9,3 Prozent) kurz und bündig: „Das passt schon. Ich konnte die Stimmen gegenüber 2008 mit geringen Verlusten halten.“ Die absolute Mehrheit der CSU „stört“ Demmel, die FDP habe sich im Wahlkampf „schlecht verkauft“. Wenn`s für ein Landtagsmandat nicht reicht, will sich Demmel auf kommunaler Ebene einbringen.

Alfred Honisch (Grüne) ist „sehr enttäuscht“, dass die Grünen in der Wählergunst zurückgefallen sind. Die Partei habe die Bürger mit ihren Themen, wie Steuererhöhungen für Besserverdienende oder Veggie-Day, nicht erreicht und bei manchem Wähler das Gefühl hervorgerufen, zu viel regeln zu wollen. Der Wahlkampf sei sehr intensiv geführt worden. Honisch: „Wir kamen an unsere Kapazitätsgrenzen.“

Regina Schropp (Bayernpartei): „Ich habe einen guten Wahlkampf gemacht und bin mit meinen 6,3 Prozent zufrieden. Die Bayernpartei hat jetzt gute Chancen, in den nächsten Kreistag einzuziehen.“

Sebastian Krieger (FDP) war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Dr. Alexandra Langer (CSU): „Ich freue mich wahnsinnig über mein Ergebnis und danke den Wählern für ihr Vertrauen. In dem neuen Ehrenamt im Bezirkstag gibt es viele Schnittstellen mit meinem Arztberuf. Neben gesundheitspolitischen Themen will ich mich vor allem für die Anliegen der Region einsetzen.“

Michael Asam (SPD): „Enttäuscht bin ich schon, dass ich über die Zweitstimme in den Bezirkstag komme. In Peiting sprachen mir über 59 Prozent der Wähler ihr Vertrauen aus, in den Garmischer Gemeinden bin ich dagegen kaum bekannt. Ich werde mich weiter für die wohnortnahe Versorgung psychisch Kranker einsetzen mit dem Ziel einer stationären Versorgung im Landkreis.“

Bis Redaktionsschluss stand noch nicht fest, ob Ostenrieder (CSU), Thurner und Demmel über die Liste in den Landtag einziehen können.

Maria Hofstetter

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