Bis zur letzten Sekunde

Kultur-Demo holt Konzertstimmung ins Gedächtnis zurück

Kultur-Demo in Murnau.
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Jakob Hamburger vom Verein Forum Westtorhalle sprach nur kurz ein paar Worte, um zuerst Frank Vogler von „Die Zeitzeugen“ die Bühne zu überlassen und dann der Musikgruppe „Gamskampler“ um Sänger Manuel Herz. Die Demonstranten saßen dabei in Kreidekreisen. Dazwischen wirbelten Hamburger und ein T-Rex herum, um in Klingelbeuteln Spenden zu sammeln
Kultur-Demo in Murnau.
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Jakob Hamburger vom Verein Forum Westtorhalle sprach nur kurz ein paar Worte, um zuerst Frank Vogler von „Die Zeitzeugen“ die Bühne zu überlassen und dann der Musikgruppe „Gamskampler“ um Sänger Manuel Herz. Die Demonstranten saßen dabei in Kreidekreisen. Dazwischen wirbelten Hamburger und ein T-Rex herum, um in Klingelbeuteln Spenden zu sammeln
Kultur-Demo in Murnau.
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Jakob Hamburger vom Verein Forum Westtorhalle sprach nur kurz ein paar Worte, um zuerst Frank Vogler von „Die Zeitzeugen“ die Bühne zu überlassen und dann der Musikgruppe „Gamskampler“ um Sänger Manuel Herz. Die Demonstranten saßen dabei in Kreidekreisen. Dazwischen wirbelten Hamburger und ein T-Rex herum, um in Klingelbeuteln Spenden zu sammeln
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Jakob Hamburger vom Verein Forum Westtorhalle sprach nur kurz ein paar Worte, um zuerst Frank Vogler von „Die Zeitzeugen“ die Bühne zu überlassen und dann der Musikgruppe „Gamskampler“ um Sänger Manuel Herz. Die Demonstranten saßen dabei in Kreidekreisen. Dazwischen wirbelten Hamburger und ein T-Rex herum, um in Klingelbeuteln Spenden zu sammeln
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Jakob Hamburger vom Verein Forum Westtorhalle sprach nur kurz ein paar Worte, um zuerst Frank Vogler von „Die Zeitzeugen“ die Bühne zu überlassen und dann der Musikgruppe „Gamskampler“ um Sänger Manuel Herz. Die Demonstranten saßen dabei in Kreidekreisen. Dazwischen wirbelten Hamburger und ein T-Rex herum, um in Klingelbeuteln Spenden zu sammeln
Kultur-Demo in Murnau.
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Jakob Hamburger vom Verein Forum Westtorhalle sprach nur kurz ein paar Worte, um zuerst Frank Vogler von „Die Zeitzeugen“ die Bühne zu überlassen und dann der Musikgruppe „Gamskampler“ um Sänger Manuel Herz. Die Demonstranten saßen dabei in Kreidekreisen. Dazwischen wirbelten Hamburger und ein T-Rex herum, um in Klingelbeuteln Spenden zu sammeln

Murnau – Plakate türmen sich zu einem Ungetüm auf. „Kultur braucht wieder Raum“ prangt auf einem Pappschild, „Protest mit Hirn“ heißt es auf einem Stoffbanner darunter. Schon von Weitem sieht man, dass es endlich wieder was zu sehen gibt, es vor allem aber endlich wieder etwas auf die Ohren gibt, da auf dem Ödön-von-Horváth-Platz vor der alten Post. Der Verein Forum Westtorhalle ruft vergangenen Samstag zu einer Kultur-Demo auf – und wird gehört, im wahrsten Sinne des Wortes.

Kurz vor 14 Uhr, Ödön-von-Horváth-Platz. Ein Absperrband markiert das Areal für die Demonstranten. Auf dem Asphalt zeigen Kreidekreise, wo ein Haushalt zusammen sitzen darf – ein Glück, dass die Sonne das Pflaster wärmt. Nach und nach füllen sich die Kreise. Zögerliche bevorzugen einen sonnenfreien Stehplatz oder kühlen Sitzplatz im Gras jenseits des Absperrbandes. Ein Polizeiwagen parkt an einer Seite, gelassene Polizeibeamte blicken im Baumschatten auf das Geschehen. Unweit von ihnen sorgen Ordner für einen kontrollierten Einlass in die markierte Zone. Jakob Hamburger tritt vor der alten Post ans Mikro, hinter ihm das plakative Pappungetüm. Man demonstriere heute nicht gegen, sondern für etwas, sagt der Vorsitzende des Vereins Forum Westtorhalle. Kultur sei aus vielerlei Gründen bedeutend, „ist Anlass zum Dialog“, stärke Diversität und Toleranz und sei auch für die psychische Gesundheit wichtig. Nur kurz nutzt Hamburger die große, selten gewordene Bühne, geht ab und wird die darauffolgenden rund 60 Minuten meist umherstreifen oder sich im Hintergrund halten – mit zufriedener Miene, die auch eine Maske und eine Sonnenbrille nicht verbergen können.

Frank Vogler von der Band „Die Zeitzeugen“ nimmt auf der Bühne Platz, verliest einen poetisch verpackten Traum, in dem die Kultur an die Türe klopft, auf der Suche nach einer Bleibe. Er greift zur Gitarre und in die Saiten und singt. „Es ist ungewohnt, wieder vor Leuten zu spielen“, sagt Vogler nachdenklich und verlässt nach wenigen Minuten die Bühne. Diese ist nun dem Quasi-Hauptact der Demo vorbehalten, der Band „Gamskampler“. Und binnen weniger Minuten scheint es plötzlich wieder zurückzukehren, das Gefühl, ein Konzert zu erleben.

Gewiss, nur für knapp eine Stunde, und ja, unter zahlreichen Einschränkungen. Tanzen ist in Footloose-Manier etwa ebenso tabu wie ein maskenloses Gesicht. Doch wer den Blick schweifen lässt, von Zuhörer zu Zuhörer, von Kreis zu Kreis, der sieht sanft klatschende Hände, trommelnde Finger, wippende Schenkel.

„Wir haben seit Oktober 2019 nicht mehr gespielt“, ruft Sänger Manuel Herz ins Mikro. Seitdem habe man weder gespielt noch geprobt, fügt er hinzu. Dann legen die Jungs los. Und man mag kaum glauben, dass die Gitarrensaiten und Stimmbänder seit eineinhalb Jahren nicht mehr vibrierten. Herz singt, wirft seine Lockenmähe in jedes Lüftchen für freie Sicht, und das Publikum bewegt sich unweigerlich mit den Rhythmen mit, mal unterbewusst, mal zögerlich, mal wissentlich und daher etwas gebremst.

Hamburger streift durchs Publikum. „Wir sind ganz zufrieden“, meint er und blickt auf die Zuschauer. Dann verschwindet er wieder, um wenig später Spenden zu sammeln, genau wie ein als T-Rex Kostümierter. Ein Klingelbeutel mit extra langem Stab sorgt für reichlich Abstand. Eine Spende, genauer gesagt ein Geschenk, haben auch die Gamskampler für ihre Zuhörer parat. In jedem Kreis liegt eine ihrer CDs. „Nehmt’s die bitte mit“, sagt Herz, es wäre schließlich peinlich, wenn die 500 Platten liegen bleiben, sagt er und korrigiert die Zahl augenzwinkernd auf 60. Ohne Zwinkern und ohne seine Locken im Blickfeld schaut Herz während der Lieder auch zu den Polizisten. Die hätten sogar mit den Füßen mitgewippt, freut sich der Sänger. „Schön, dass alles so friedlich ist“, sagt er dann noch und betont, dass es immerhin eine Demonstration und kein Konzert ist, was man ihm glauben möchte, aber nicht so richtig kann. Viele der vorbeigehenden Passanten blicken irritiert auf das Geschehen, bleiben verwundert stehen. Sogar in einem vorbeifahrenden Fahrschulauto scheint man von dem Anblick etwas verwirrt zu sein, jedenfalls bremst dieses recht abrupt ab, das Rechts vor Links an der Kreuzung vor dem Platz gerade noch beachtet. Ein Konzert und Corona, das scheint nicht so recht zusammen zu passen. Doch auf Irritation und Verwunderung folgt in den Gesichtern meist ein Schmunzeln oder gar ein Lächeln.

Mit der „Plattlerprob‘“ schließt die Band musikalisch die Demo. Aber nicht so ganz. Nach langem Applaus blickt Herz auf die Uhr. Kurz vor 15 Uhr, noch 30 Sekunden bis zum Ende. Die wollen genutzt, nein ausgekostet sein. Noch einmal der Griff in die Saiten und ans Mikro. Nach einer halben Minute ist aber wirklich Schluss. Hamburger tritt noch einmal nach vorne, um die Demo aufzulösen. „Ich bitte euch, dass ihr euch in alle Winde verteilt“, sagt er. Die ersten Zuhörer verlassen langsam ihren Kreis und ein Polizist rollt das Absperrband auf, wenige Momente, nachdem die letzte Sekunde vergangen, der letzte Ton verklungen ist.

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Rubriklistenbild: © Reindl

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