Zwischen Prasseln und Poltern

Kulturknall-Festival: Auch vom Unwettern nicht unterzukriegen

Kulturknall-Festival
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Trotz Unwetter haben sich die Feiernden auf dem Kulturknall-Festival nicht unterkriegen lassen.
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Trotz Unwetter haben sich die Feiernden auf dem Kulturknall-Festival nicht unterkriegen lassen.

Murnau/Riedhausen – Mit jedem Schritt spritzt etwas Wasser unter der Schuhsohle empor. Es ist Samstagnachmittag, gerade zog ein kurzer Gewitterschauer über das Kulturknall-Festival in Riedhausen. Was soll’s, die Besucher nehmen es gelassen, suchen Unterschlupf, spannen Regenschirme auf, schlüpfen unters Plastikcape. Ja, wetterfest muss man bei der diesjährigen Ausgabe des Benefiz-Festivals wirklich sein, Sonne, Regen, Hagel, Donner. Dennoch wird das Open-Air am Ende rund 1 000 Besucher zählen.

Geldbeutel in einer Gesäßtasche, das Handy in der anderen. In die Fronttaschen noch den Schlüsselbund reingequetscht, die Eintrittskarte reingeschoben. Man weiß, alle Fächer seines Beinkleids zu nutzen, doch beim diesjährigen Kulturknall dürfte es bei manchem Kleidungspuristen eng geworden sein, denn wer heuer an dem zweitägigen Festival teilnehmen will, der muss nachweislich genesen, geimpft oder getestet sein. Also ein Attest oder der Impfpass muss mit in die Taschen. Ach ja, eine Maske braucht es auch, denn wer es durch die Schleuse auf das Festivalgelände in Riedhausen geschafft hat, muss diese solange tragen, bis er sich an einer der vielen Sitzgelegenheiten niederlässt, sei es auf einer Bierbank im Konzertbereich oder in einem Liegestuhl an der Boxenstopp-Bar.Kulinarisch ist man in gewohnter Manier gut aufgestellt, von indischem Curry über Pommes bis zu Crêpes und Popcorn, dazu Limonaden, Wein, Bier und natürlich der Allrounder Spezi. Während Düfte in die Nase steigen, geht Musik zu Kopf, also in die Ohren, und das von zwei Bühnen, der grünen Bühne auf einer weitläufigen Wiese, der roten Bühne an der Westtorhalle. Zu hören: Bison, Groovers Combo, Die Zeitzeugen, die Bigband des Staffelsee-Gymnasiums, Beeswax und Stray Colors, um nur ein paar Namen zu nennen.

Als Bison auftritt, es ist gerade Samstagnachmittag, löst ein kurzer Gewitterschauer den Sonnenschein ab. Auf den scheinen die meisten Besucher aber vorbereitet zu sein, schnell verschwinden Körper unter farbigen Capes, Köpfe unter Stockschirmen. Neben indischen Gewürzen und frisch gebackenen Teigfladen duftet es nun auch noch nach Sommerregen, der auf dem warmen Asphalt dampfend in die Luft steigt. Jeder Schritt ruft ein leises Platschen hervor. Ein paar Minuten später kämpft sich die Sonne unter der Wolkendecke zurück.

Gut, dass die Schilder an allen Ecken in Folie gepackt sind. Diese erinnern daran, Müll nicht achtlos wegzuwerfen, sich für den Konzertbereich eine Platznummer zu holen und auch, die Maske aufzubehalten, „wir sehen dein Lächeln auch unter deiner Maske“, heißt es auf einem entsprechenden Hinweis. Kleine Kinder, die ohne Maske herumlaufen dürfen, suchen sich derweil eine Maskierung. Gleich an zwei Ständen gibt es Schminke aufs Gesicht. Generell können sich Familien über mangelnde Angebote für den Nachwuchs nicht beklagen. Hier werden Jutebeutel bemalt, dort Tattoos auf die Haut gebracht, Häschen, Seepferdchen und Anker, die mit dem ersten heißen Bad verschwinden. Außerdem können Mädchen und Buben mit Leihradl durch einen Parcours düsen, bei einem Hula-Hoop-Workshop Ringe kreisen lassen, für die Feuerwehr einen Löscheinsatz absolvieren oder riesige Seifenblasen in den Himmel ziehen lassen.

„Wir tun es für Moldawien“

Bis ihr Kind mit Löwenstreifen im Gesicht, Seifenlaugenklecksen auf der Latzhose und einer Tüte Popcorn zu ihnen zurückkehrt, können sich Erwachsene derweil ganz der Musik und der Kulinarik hingeben und an Ständen Schmuck, Fotografien oder Traumfänger erwerben, sich über die Corona-Impfung beraten und auch gleich impfen lassen. Darüber hinaus gibt es Informationen über verschiedene wohltätige Organisationen, darunter Menschen helfen e. V. Der Verein organisiert das Benefiz-Festival und der Reinerlös kommt seinen Hilfsprojekten zugute. Samstagabend dann heftiger Wind, Donnerpoltern, Hagel bricht über das Festivalgelände nieder. Für die Besucher geht es heim. Am darauffolgenden Tag kann das Programm wieder aufgenommen werden. Wer mittags über das Areal schlendert, über trockenen Asphalt, unter unbescholtenen Fähnchen-Girlanden hindurch und mit Jazztönen der Bigband des Staffelseegymnasiums im Ohr, mag glauben, es sei nichts geschehen. „Es war heftig“, sagt eine junge Frau aus dem Kulturknall-Team. Ein Techniker habe ein Zelt schützend über die Anlagen gehalten und nun einen blauen Arm, der niedergeprasselten Hagelkörner wegen, berichtet sie. Spätabends und frühmorgens habe man aufgeräumt. Auf der Facebook-Seite des Festivals ist von „geringfügigen“ Arbeiten die Rede, mit einer gewissen Ironie auf den Gänsefüßchen. Die junge Frau schmunzelt. „Aber wir lieben es“, sagt sie, jeder im Team liebe die Arbeit, und man liebe einander. Engagement, das also doppelt motiviert ist. „Wir tun es für Moldawien“, erklärt sie, auf das große Hilfsprojekt von Menschen helfen bezugnehmend, „aber wir tun es auch für uns“, lächelt sie und geht zurück an ihre Arbeit, die am Abend vom nächsten Unwetter zeitweise unterbrochen werden wird.

„Leider hat der Wettergott nicht ganz mitgespielt, aber so ist das manchmal leider bei einem Open-Air“, bilanziert Robert Zormeier von Menschen helfen am Tag danach. Dennoch „sind wir unsererseits auch sehr zufrieden, da sich alle Besucher diszipliniert an unser Hygienekonzept gehalten haben und wir so zeigen konnten, dass Kultur und Festivals auch in diesen Zeiten möglich sind“, freut er sich.

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Rubriklistenbild: © Reindl

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