Stiefkind Stadtmuseum

Sanierung von Weilheims Kulturdenkmal duldet keinen Aufschub mehr

Fördervereinsvorsitzende und Kulturreferentin Ragnhild Thieler, Christian Hörter, zweiter Vorsitzender Förderverein (re.) und Museumsleiter Dr. Tobias Güthner.
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Das Stadtmuseum braucht ein neues Konzept und eine grundlegende Sanierung: Fördervereinsvorsitzende und Kulturreferentin Ragnhild Thieler, Christian Hörter, zweiter Vorsitzender Förderverein (re.) und Museumsleiter Dr. Tobias Güthner auf der Treppe zum ersten Stock, der nicht barrierefrei erreichbar ist. 

Weilheim – Kunstkenner bezeichnen es gerne als „Schatzkästchen“: Das Stadtmuseum in exponierter Lage, dessen dringend erforderliche Sanierung und Neugestaltung seit vielen Jahren in Arbeit, jedoch immer wieder ins Stocken geraten ist. Die angespannte Finanzlage und dazu Corona lassen befürchten, dass das Museum im städtischen Haushalt 2021 wieder leer ausgehen könnte. 

„Mit großer Sorge“ appellierte der Vorstand des „Fördervereins Stadtmuseum“ in der Julisitzung des Stadtrats an Bürgermeister und Räte, die Neugestaltung eines der ältesten Baudenkmäler Weilheims nicht aus den Augen zu verlieren, da es sonst weiter zu zerfallen drohe. Kulturreferentin Ragnhild Thieler legte das Schreiben im nichtöffentlichen Sitzungsteil vor. Thieler, die auch Fördervereinsvorsitzende ist, machte ihren Kollegen die Notwendigkeit der Renovierung deutlich, wie sie kürzlich in einem Pressegespräch berichtete. Eine „Sanierung light“ werde sie nicht unterstützen, da diese der Stadt noch teurer käme und dafür keine Fördermittel generiert werden könnten. Das Museum, eine städtische Liegenschaft, dürfe bei den Haushaltsberatungen nicht auf die „Wunschliste“ gesetzt werden, weil dringender Handlungsbedarf geboten sei. Von ihren Kollegen hat Thieler in der Sitzung „viel Zustimmung erfahren“.

Im August äußerte sich Wolf Schindler (Künstler, Beisitzer Förderverein) in einem offenen Brief bitter enttäuscht darüber, dass das Museum trotz erfolgreichem Architekturwettbewerb bei allen Projekten hintangestellt werde: „Jahrzehnte der Vernachlässigung sind seit Jahren sichtbar… Der Zerfall ist offenkundig“, monierte er.

Scharfer Wind bläst den Mandatsträgern auch vom „Kunstforum Weilheim“ entgegen. „Der marode Zustand des Kulturdenkmals Stadtmuseum“ sei lange bekannt und spiegle den Stellenwert wider, den Entscheidungsträger diesem Gebäude beimessen, kritisiert dessen Vorsitzende Susanne Kohler in einem weiteren offenen Brief und bringt einen „Runden Tisch zur Lage der Kultur in Weilheim“ ins Gespräch.

Bürgermeister Markus Loth und seine Stellvertreter haben laut Thieler auf die Kritik zum heruntergekommenen Zustand des Stadtmuseums reagiert und Vertreter von Förderverein und Kunstforum für 8. Oktober zum Gespräch eingeladen. An dem Treffen im Rathaus sollen auch die Stadtbaumeisterin und der Stadtkämmerer teilnehmen.

Wichtig für die Marke Weilheim

Fenster und Heizung sind marode, der Zugang ist nicht barrierefrei, eine Klimaanlage wäre dringend vonnöten... Die Liste der Baumängel im Stadtmuseum ließe sich noch um vieles erweitern.

Für Kulturreferentin Ragnhild Thieler steht außer Frage, dass das Museum am Marienplatz „ganz wichtig für die Marke Weilheim“ ist. Es beinhaltet „Schätze, um die uns andere beneiden“. Deshalb müsse dringend ein Zeichen gesetzt werden, damit die Sanierung im städtischen Haushalt 2021 berücksichtigt und nicht wieder aufs Eis gelegt wird. „Weiter kämpfen für das Museum“ lautet Thielers Devise.

Nachdem der Architektenwettbewerb zur Neugestaltung des Stadtmuseums Ende 2019 erfolgreich abgeschlossen war, keimte Hoffnung auf, dass die Vorschläge des Wettbewerbssiegers (Büro Claus und Forster in München) endlich in eine konkrete Planungsphase münden könnten. Obwohl als dringlich anerkannt, wurde das Projekt bei der Haushaltsverabschiedung im Mai jedoch – wie schon so oft – mangels Geld erneut verschoben. „Für uns war das eine Ohrfeige“, berichtete Thieler, ihre Mitstreiter hätten darauf sehr enttäuscht reagiert. Das bringen Schindler und Kohler auch in ihren offenen Briefen deutlich zum Ausdruck.

Der Förderverein weist in seinem an Bürgermeister und Stadträte adressierten Schreiben ausdrücklich darauf hin, dass es nun „zusammen mit der Stadtverwaltung alle finanziellen Möglichkeiten – zurzeit auch Konjunkturpakete und Entschädigungsfonds – zu nutzen gelte, um die Neugestaltung des Museums „zeitnah Realität werden zu lassen“. Das „überregional anerkannte und traditionsreiche Museum“ befinde sich in einem „für das Ansehen der Stadt unwürdigen und peinlichen Zustand“. Als „unverwechselbarer Ort“ könne das Stadtmuseum die unterschiedlichen Identitäten der Stadt und ihrer Bewohner widerspiegeln und den Bogen zwischen Vergangenheit und Zukunft spannen.

Die „endlose Geschichte vom Verzögern“ wirft bei Wolf Schindler starke Zweifel auf, „welchen Wert der Stadtrat dem eigenen Museum mit seinem Sammlungsbestand aus Zeiten blühender Kunst in und um Weilheim beimisst“. Eine Stadt brauche neben Wirtschaft, Verkehr und Wohnungen auch einen „geistigen Mittelpunkt“. Die Lage, in die sich die Stadt manövriert habe, sei „eine Blamage für den Standort Weilheim, den auch noch so viele Werbebroschüren nicht gutmachen können“, kritisiert der Weilheimer Künstler Schindler. Jedes Jahr Verzögerung mache alles nur noch teurer. Schindler weiter: „Man fragt sich, wie das weitergehen soll.“

„Es ist offensichtlich, dass Kultur in dieser Stadt nicht wirklich ernst genommen wird, sie hat eine zu kleine Lobby“, beklagt Susanne Kohler, Vorsitzende des „Kunstforums Weilheim“. Kunst und Kultur seien jedoch „unverzichtbare geistige Grundnahrungsmittel und keine Sahnehäubchen“. Weilheim leiste sich Großprojekte, baue die Gewerbeflächen „rasant“ aus und werde dem Status Oberzentrum gerecht... ihrer „Ressource Kultur“ könnte und sollte sich die Stadt jedoch mehr bedienen, mahnt Kohler.

Von Maria Hofstetter

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