Kultur oder Luxus?

Kreistag diskutiert hitzig über Antrag »Kunst am Bau«

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Ein Beispiel für Kunst am Bau: Vor dem Landratsamt Weilheim-Schongau in der Stainhartstraße 7 gibt es eine Plastik von Kurt Speckbacher zu sehen.

Landkreis – Kunst liegt bekanntlicher Weise im Auge des Betrachters.

Was der eine als wichtigen Beitrag zum Kulturgut sieht, ist für den anderen Luxus. So lassen sich in etwa die zwei Lager beschreiben, die sich in der letzten Kreistagssitzung bei der Behandlung des Antrags der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bildeten. An Kritik zu seinem Antrag „Kunst am Bau“ war der Kreisrat und stellvertretende Landrat Karl-Heinz Grehl (Grüne) zwar schon aus der vorberatenden Sitzung des Kreis- und Finanzausschusses gewöhnt, allerdings ging es im Kreistag nochmal ordentlich zur Sache. Im ursprünglichen Antrag wurde gefordert, bei Neubau- und Sanierungsmaßnahmen an Bestandsgebäuden des Landkreises bis zu 5,5 Mio. Euro ein Prozent der Bausumme (maximal circa 50 000 Euro) für Kunst am Bau zur Verfügung zu stellen. Dazu könne ein Bagatellbetrag von etwa der Hälfte dieses Betrages festgelegt werden, bis zu dem es kein Geld für Kunst am Bau gibt. Bei höheren Baukosten soll auch mehr Geld für Kunst bereitgestellt werden, aber maximal 150 000 Euro. Da diese Version allerdings wenig Anklang fand, wurde der Antrag abgeändert. In ihm heißt es nun, dass der Landkreis grundsätzlich bereit ist, bei Hochbaumaßnahmen (Neubau- und Generalsanierung) Kunst am Bau umzusetzen. Sie werde im Grunde dann realisiert, wenn mit einer Einzelmaßnahme die Grenze von 3,0 Mio. Euro überschritten wird. Soweit möglich, wird der Fokus im Rahmen eines Wettbewerbs auf regionale Künstler gelegt. Die Höhe des Budgets orientiert sich an der Gesamtsumme der Baumaßnahme und wird durch die Kreisgremien im Einzelfall festgelegt. Die genaueren Details sollen von Landrätin Andrea Jochner-Weiß (CSU) durch eine Dienstanweisung an die kommunale Finanz- und Bauverwaltung geregelt werden.

In der anschließenden Diskussion äußerten sich sowohl viele Gegner als auch Befürworter. „Kunst ist für mich Luxus“, machte beispielsweise Gerda Walser (CSU) deutlich. Aufgrund der Schuldensituation des Landkreises tue sie sich schwer, dem Antrag zuzustimmen. Klaus Gast (CSU) sah den Antrag dagegen positiv und als Möglichkeit, sich klar zur Kunst im regionalen Bereich zu bekennen. Für Peißenbergs Bürgermeisterin Manuela Vanni (Unabhängige/ödp) ist Kunst nach eigener Aussage kein Luxus sondern gehört zur Kultur dazu. „Wir geben derartige Summen auch manchmal für andere Dinge aus“, die aus ihrer Sicht „wirklich Luxus“ seien. Pankratia Holl (CSU) nannte den Antrag einen „lauwarmen Beschluss“, der für den neuen Kreistag, welcher 2020 gewählt wird, Nachteile haben könnte.

Die Notwendigkeit, den Beschluss zu diesem Zeitpunkt zu fassen, stellte Max Bertl (CSU) in Frage. Daraufhin erwiderte Grehl, dass die Kunst bei Baumaßnahmen in den letzten Jahren grundsätzlich vergessen worden sei. Damit das nicht so weiter gehe, halte er ihn für unbedingt notwendig. Franz Reßle (Unabhängige/ödp) stand dem Vorhaben grundsätzlich positiv gegenüber, im Hinblick auf die geplante Berufsschule sorgte er jedoch mit der Äußerung „Unsere Berufsschule ist ein einziges großes Kunstwerk, deswegen könnten wir in diesem Fall davon absehen“, für mehrere Lacher. Josef Taffertshofer (BfL) bedauerte, dass es bei heutigen Bauwerken oft nur noch um die Funktion und die Kosten und nicht mehr um die Schönheit gehe. Daher empfahl er seinen Kreistagskollegen: „Wer da dagegen ist, der muss einfach nochmal etwas länger darüber nachdenken.“ Ansonsten müsse wieder „schön“ gebaut werden „und das schaffen wir nicht“. Letztendlich stimmten sechs Kreisräte gegen den Antrag.

Von Sofia Wiethaler

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