Zwei Künstler pro Location

Kunstwirte-Projekt zeigt, wie spannend Andersartigkeit sein kann

Marc Völker vor seinen Kuhaus
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Marc Völker, Leiter des Projektes Kunstwirte, vor seinem Kuhaus. Im Schaufenster leuchtet das Heftchen zur diesjährigen Auflage in Magenta.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Sicherlich hat die Farbe eine Bedeutung, auch wenn diese vielleicht erst im Nachgang deutlich wird. Marc Völker hält das Heftchen der aktuellen Auflage des Kunstwirte-Projektes in seiner Hand. Es ist in Magenta getaucht. Eine Farbwahl, mit welcher der Künstler zufrieden scheint und die sich wohl noch als die richtige herausstellen wird. Seit 2017 leitet Völker das Projekt und weiß daher, dass es heuer etwas anders ist als sonst, nicht allein wegen des papiernen Purpurs.

Der Name erklärt sich selbst. Beim Projekt Kunstwirte, bei dem die Galerie beziehungsweise das Atelier Kuhaus, die Staffelseewirte und die Tourist-Information Murnau kooperieren, treffen Künstler und ihre Kunst mit Wirten in deren gastronomischem Umfeld aufeinander. Dabei gehe es darum, Einzelegoismen zu überwinden, so der Projektleiter. In diesem Jahr wollen 19 Künstler überwinden. Ihre Werke gibt es an neun Örtlichkeiten, acht Lokale und das Kuhaus, zu sehen, stets unter dem Motto „zamm kemma“. Ein Motto, das in die Irre führen kann, denn zusammenkommen bedeutet in diesem Zusammenhang nicht unbedingt zusammenfinden. Vielmehr wird gezeigt, was passieren kann, wenn zwei Pole, zwei Künstler, zwei Werke, aufeinandertreffen: sie können harmonieren, aber auch kollidieren. Auf jeden Fall aber bestehe ein „fröhlicher Austausch und Einvernehmen im Anderssein“, ist in der Broschüre zu lesen.

Man wolle „Grenzen überwinden“, erklärt Marc Völker, der heuer nicht nur hinter den Kulissen aktiv, sondern auch als Künstler vertreten ist und seine Mixmedia-Malerei im Alpenhof präsentiert. Und in Zeiten, wo weniger mehr ist, vor allem weniger Trubel und Menschen, setzen die Kunstwirte einfach einen drauf und dagegen. „Dieses Jahr ist nichts neu“, sagt Völker, aber man habe die gewohnte Manier verschärft. Pro Location ist nicht mehr nur ein Künstler vertreten, sondern ein Paar, das in einer Beziehung, und wenn es eine konträre ist, steht. Mal werden Werke von Vater und Sohn zusammengestellt, mal trifft Dreidimensionales eines Bildhauers auf Zweidimensionales eines Malers.

Das große Ziel der Symbiose aus Kulinarik und Kunst? Letztere „aus der Dekoecke holen“, lächelt Völker. Schließlich zeige man „keinen Blumenstrauß für 2,50 Euro“, mit dem man einen Raum schmücke. Wichtig sei bei dem ganzen Unterfangen, dass es gut zwischen den Künstlern und den Wirten funktioniere, die Paarungen miteinander kommunizieren können, betont Völker. Und auch die Belichtung und die Räumlichkeiten müssen stimmen. Wobei man da in den vergangenen Jahren schon eine Entwicklung feststellen könne. „Am Anfang mussten wir erst einmal Plätze schaffen“, erinnert sich Völker an die ersten Suchen nach Verweilorten für die Kunst in den Lokalen.

Doch der Projektleiter weiß auch, dass nicht jede Malerei, nicht jede Plastik einfach ist. „Manche Werke sind kompliziert“, gesteht Völker. Und „es gab schon Werke, die Gäste provozierten“, erinnert er sich. Eine Plexiglaskonstruktion sei in der Vergangenheit ebenso auf kritische Blicke gestoßen wie eine Bildhauerei, welche eine innere Wunde verbildlichte – und sogar ein vermeintlich harmloser Rückenakt, der in einem Lokal hing, „ein Rückenakt!“, wiederholt der Projektleiter. Als ein älteres Paar zum Essen gekommen sei, habe die Frau mit dem Rücken zum Akt Platz genommen, der Mann habe ihr gegenüber gesessen und so einen freien Blick auf das Bild genossen. Zum Leidwesen der Gattin habe das Bild dabei zu viel Aufmerksamkeit bekommen, jedenfalls habe sich die Dame später im Lokal über das Werk beschwert, berichtet Völker und muss ein wenig schmunzeln. Manche Werke kommen eben nicht überall und bei jedem gut an.

Dann fällt Völker doch etwas Neues in diesem Jahr auf. Neben den bewährten Busfahrten zu den ausgestellten Werken an jedem ersten Freitag im Monat gebe es heuer auch fußläufige Rundgänge an jedem zweiten Samstag im Monat. „Vom Kuhaus über den Beinhofer zum Griesbräu“, erklärt Völker. Bei beiden kunstkulinarischen Runden werden Menüfolgen angeboten, wobei die Wirte „in der Regel nicht aus dem Topf, sondern was Spezielles kochen“, betont der Projektleiter.

Speziell ist auch die Symbolfarbe, die Völker dieses Jahr wählte. Der Leiter entscheid sich für Magenta, eine Grundheilerfarbe, eine Farbe, die im Geiste und auf den Geist wirkt und eine Farbe, die als Name für eine Künstlergruppe in den Dreißigerjahren gewählt worden sei, von einer „von uns sehr verehrten, verstorbenen Künstlerin“, erzählt Völker. Warum gerade heuer Magenta, das auf der Purpurlinie liegt, ausgewählt wurde, lässt sich scheinbar noch nicht beantworten, zumindest meint Völker, dass die Entscheidungen für eine Farbe bislang etwas Prophetisches gehabt hätten und sich später „oft als richtig“ erwiesen hätten, lächelt er, während sich die purpurnen Heftchen auf einem Tisch in seiner Galerie in die Höhe stapeln.

Weitere Informationen zum Kunstwirte-Projekt, darunter zu den ausstellenden Künstlern, den Ausstellungsorten und den kunstkulinarischen Rundgängen beziehungsweise -fahrten, gibt es auf der Website des Projekts.

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