Kurzarbeit soll Krise abfedern – Expertenrunde beklagt zu viel Bürokratie bei Fördermaßnahmen

Die Mitarbeiter trotz schlechter Wirtschaftslage im Betrieb zu halten und sie wäh-rend der Kurzarbeit weiter zu qualifizieren, soll mit dem Konjunkturpaket II erleichtert werden. Inwieweit die von der Bundesregierung beschlossenen Maßnahmen in der Region greifen und welche Hürden es abzubauen gibt, war am vergangenen Freitag Thema einer Expertenrunde in der Agentur für Arbeit.

Alexander Dobrindt, MdB und CSU-Generalsekretär, zeigte sich beim anschließenden Pressegespräch positiv überrascht. „Die Kurzarbeit funktioniert und wird genutzt“, konstatierte er. Die Unternehmen würden an ihren Mitarbeitern festhalten, um nach der Krise mit qualifiziertem Personal für den erwarteten Aufschwung gerüstet zu sein. Laut Dobrindt seien aber weitere Fördermöglichkeiten viel zu wenig bekannt. Vor allem bei den Handwerksbetrieben bestünde noch großer Beratungsbedarf „Nicht nur Investitionen, auch Betriebsmittel werden gefördert“, führte der Abgeordnete als Beispiel an. Als belastende Hürde wurde der hohe bürokratische Aufwand genannt. Bei den Qualifizierungsprogrammen, berichtete Ferdinand Pilzweger, Vorsitzender der Geschäftsführung bei der Weilheimer Arbeitsagentur, seien je nach Betriebsgröße unterschiedliche Fördersätze anzuwenden. „Wir müssen jeden Einzelfall prüfen“, sagte Pilzweger. In die selbe Kerbe hieb Rainer Bomba, Chef der Agentur-Regionaldirektion Bayern: „Für 20 Personen, die in Qualifizierung geschickt werden, sind 25 Stunden Schreibtischarbeit erforderlich.“ Diesen Aufwand „auf mindestens um die Hälfte zu reduzieren“, sei eine wichtige Forderung, die Dobrindt mit nach Berlin nahm. Ein positives Resümee aus Sicht der Industrie zog Michael Dahme, Geschäftsführer der Hirschvogel Umformtechnik in Denklingen: „Was die Kurzarbeit angeht, macht die Agentur einen guten Job.“ Bei den Qualifizierungsmaßnahmen sei aber noch „Abstimmungsbedarf“ geboten, „das läuft zu bürokratisch“, findet Dahme. Auch IHK-Vizepräsidentin Heidrun Brugger begrüßt es, dass „die Kurzarbeit genutzt wird, um die Qualifizierung der Mitarbeiter voranzubringen“. Jutta Hutter von der gleichnamigen Landsberger Fahrzeugbaufirma kritisierte zu einem Zeitpunkt, als Dorindt wegen eines anderen Termins die Runde bereits verlassen hatte, dass die eingeladenen Arbeitgeber in dem Gespräch kaum zu Wort gekommen seien. Kurzarbeit sei „kein Allheilmittel“ und für die Betriebe ebenso zu teuer wie die von den Banken angebotenen Überbrückungskredite. „Eine Erhöhung der Kurzarbeit auf 24 Monate würden unsere Betriebe nicht durchhalten“, merkte Hutter an. Ende April waren im Agenturbezirk Weilheim, der die Landkreise Weilheim-Schongau, Landsberg und Garmisch-Partenkirchen umfasst, in 180 Betrieben 8628 Kurzarbeiter gemeldet. Nach Bombas Worten ist diese Wirtschaftskrise jedoch noch nicht am Arbeitsmarkt angekommen. Bayerns Agenturchef geht von steigenden Arbeitslosenzahlen aus und erwartet den Höhepunkt für Februar/März 2010. Etwa 30 Prozent der Kurzarbeiter stünde anschließend die Arbeitslosigkeit bevor. Ob der Standort Weilheim im Zuge der Agenturbezirksreform gefährdet sei, wollte Manfred Neupfleger (DGB, Agentur-Verwaltungsausschuss) von Bomba wissen. Dieser verneinte: „Wir werden in der Fläche bleiben.“ Weder jetzt noch in den nächsten Jahren werde an eine Zusammenlegung gedacht.

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