Stadtrat diskutiert über Gutachten

Ein Landhotel für Weilheim?

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Das einzige Hotel in Weilheim ist das Hotel Vollmann.

Weilheim – 77 Hotelbetriebe mit insgesamt 3 200 Betten hat der Landkreis seinen Übernachtungsgästen zu bieten. Das Hotel Vollmann ist mit 41 Zimmern das einzige in der Kreisstadt. Weilheim, stellte Adnan Azrak von der beauftragten Beraterfirma aus Saarbrücken fest, geht durch das fehlende Angebot ein Potenzial von über zwei Millionen Euro verloren. 

Das Manko fehlender Betten ist bekannt: Gästegruppen wandern in Hotels der Umgebung ab, Räumlichkeiten für Familienfeiern fehlen. Die Unter- nehmen sind unzufrieden, größere Veranstaltungen mit Bewirtung und entsprechenden Übernachtungsmöglichkeiten sind mangels Lokalität nicht durchführbar. Azrak von der Unternehmensberatung „Volz & Associates“ kommt in seinem Kurzbericht für die Stadt zu dem Schluss: „Weilheim verträgt ein marktgerechtes Hotel mit überregionaler Anziehungskraft.“ Positiv aufgefallen ist dem Gutachter der „top Standard“ im „führenden Haus“ am Marienplatz. Das „garni“-Hotel Vollmann bietet seinen Gästen zwar ein Frühstück und kleine Speisen, jedoch keinen Restaurantbetrieb und ist mit bis zu 9 000 Übernachtungen im Jahr wochentags häufig ausgebucht. Den Belegungsrückgang  am Wochenende erklärt Azrak so: „Weilheim ist kein klassischer Erholungsort“, habe aber ein touristisch attraktives Umland. Und dieses Potenzial gelte es zu nutzen. 

Berater Azrak empfiehlt Weilheim ein „3- bis 4-Sterne-Landhotel mit 60 Zimmern, persönlichem Service, regionaler Speisekarte und Tagungsflächen“. Von einem etablierten Hotel in zentrumsnaher Lage könnten  regionale Wirtschaft und Bevölkerung profitieren sowie der Standort erheblich aufgewertet werden. „150 bis 160 Euro lässt jeder Gast pro Nacht in der Stadt“, rechnete Azrak in der jüngsten Stadtratssitzung vor. Geeignete Standorte sieht der Gutachter im Süden Richtung Gögerl (Altstadt fußläufig erreichbar, Hausberg als Ausflugsziel) und an der Pollinger Straße (Dietmayer-Anger). 

Der Erfolg eines Hotels hängt wesentlich von der Akzeptanz der Bevölkerung ab. Deshalb sei wichtig, die Bürger in die Standortdiskussion einzubinden, betonte Bürgermeister Markus Loth (BfW). Dies gelte vor allem „in sensiblen Bereichen wie dem Gögerl“. Uta Orawetz (CSU) fand den Bericht zu sehr auf die Interessen Geschäftsreisender ausgerichtet und vermisste Aussagen zu anderen Standorten wie Gut Waitzacker und Dietlhofer See. Die Frage, ob sich denn überhaupt ein Investor für den Hotelstandort Weilheim interes- siert, brachte Grünen-Sprecher Alfred Honisch in die lebhafte Debatte ein, in der Fremdenverkehrsreferent Andreas Schalk an seine Kollegen appellierte, „ein vernünftiges Standortgutachten“  aufzustellen, um das Vorhaben endlich voranzubringen. 5 500 Euro würde die Stadt laut Gutachter das Erstellen einer Hotelkonzeption mit Wirtschaftsprognose kosten.

Bis Anfang 2013 haben die Fraktionen jetzt Zeit, ihre Vorstellungen über die Ansiedlung eines neuen Hotels zu konkretisierten. Dann wird darüber erneut im Stadtrat beraten.                                                        Von Maria Hofstetter

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