Auftaktveranstaltung mit Akteuren in Weilheim

Landkreis will mit Bildung punkten

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Über „Fachkräfte von morgen“ sprachen v.li. Margit Mintzel, Gymn. Penzberg; Peter Ziller, BOS WM; Herbert Klein, Unternehmerkreis WM-Peißenberg.

Weilheim – Einheimischen, Unternehmen wie Fachkräften „Appetit“ auf das Leben und Arbeiten im Landkreis Weilheim-Schongau machen: Die Aktion „Lernen mit Perspektive“ soll dazu die richtigen Rezepte liefern. Zum Auftakt trafen sich 100 Akteure in der Weilheimer Stadthalle.

Bildung ist der Schlüssel für die Zukunft jedes Einzelnen. Bildung ist aber auch eine gemeinsame Herausforderung und ein wichtiger Standortfaktor, um in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben zu können. Denn Familien orientieren sich bei ihrer Wohnsitzwahl ebenso an den Bildungsangeboten vor Ort wie Firmen, die auf Standortsuche sind. Wie es um die Bildungslandschaft bestellt ist und wie der Wirtschafts- und Lebensraum Weilheim-Schongau für die Zukunft gerüstet werden kann, wurde vergangene Woche in zwei Podiumsdiskussionen hinterfragt. 

 „Wir wollen Chancengerechtigkeit schaffen, qualifizierte Fachkräfte gewinnen und unseren Landkreis noch familienfreundlicher machen“, wandte sich Landrat Dr. Friedrich Zeller in der Weilheimer Stadthalle an die Akteure. Wirtschaftsförderung und Regionalmanagement des Landkreises, die die Aktion initiieren, hatten dazu Vertreter der Bildungsträger, aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung und den Gemeinden eingeladen. 

 Mit seinem Kinderbetreuungsangebot und den breit gefächerten schulischen Möglichkeiten sei der Landkreis gut aufgestellt, hieß es. Als Manko wurde das Fehlen einer Fachhochschule oder Hochschule genannt. In einer weiteren Veranstaltung soll deshalb mit Vertretern der Hochschulen in München und Kempten eine mögliche Kooperation mit der Wirtschaft angestoßen werden, kündigte Justina Eibl, Leiterin der Stabsstelle Wirtschaftsförderung, an. 

 Handlungsbedarf sieht Helmut Guggenmos, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf geht. Teilzeitausbildungen, so der Geschäftsführer des Weilheimer Jobcenters, werden im Landkreis in ungenügender Zahl angeboten. „Wir haben ein hohes Potenzial an Alleinerziehenden. Die Betriebe müssen flexibler sein und Wiedereinsteigern bessere Rahmenbedingungen bieten“, forderte er. 

 Dass immer mehr Erziehungsarbeit vom Elternhaus auf die Schule übertragen wird, stellte Gisela Seidler von der Grund- und Mittelschule Huglfing fest. „Wir müssen den Eltern signalisieren, dass sie ihren Kindern wieder Tugenden wie Höflichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit vermitteln“, sprach Seidler ein Thema an, dass jedem Erziehenden eigentlich selbstverständlich sein müsste. Ihre Schongauer Kollegin Rita Schuster nannte ein anderes Problem: „Für Migrantenkinder, die nicht deutsch sprechen, gibt es kaum Angebote.“ 

Die „Zentralisierung der Schulen“ und der „Trend zur Ganztagsbetreuung“ bereiten dem Bernrieder Bürgermeister Sorgen: „Die Kinder sind den ganzen Tag aus unserer Dorfgemeinschaft raus“, was zu einer Entfremdung in ihrer Heimatgemeinde führen könne. 

 BOS-Leiter Peter Ziller kündigte für den Herbst zwei weitere Ausbildungsrichtungen an der Weilheimer Schule an: Internationale Wirtschaft und Gesundheit. Damit die Jugend nicht in die Metropole München abwandere, müsste sie mit attraktiven Angeboten in der Region gehalten werden. „Ein bisschen städtisches Flair würden Weilheim und Schongau gut tun“, findet Ziller. 

 Der Fachkräftemangel ist laut Herbert Klein vom Unternehmerkreis Weilheim-Peißenberg bereits spürbar und die Aus- wahl an Lehrstellen für die Bewerber in der Region entsprechend groß. Schon in den Schulen wird deshalb verstärkt um den Nachwuchs geworben. Ein bewährter Weg, Fachkräfte zu gewinnen, seien Schülerpraktika, weil hier früh Kontakte geknüpft werden. Im Vergleich zur Industrie, so Kreishandwerksmeister Stefan Zirngibl, sei der Nachwuchs im Handwerk noch bodenständiger. „Und wenn es im Betrieb mal schlecht läuft, stellen wir unsere Leute nicht gleich aus“, machte er deutlich. Auch Zirngibl vermisst bei den Auszubildenden Grundkenntnisse in Mathematik und Deutsch. Diese in der Berufsschule zu vertiefen findet er aus Sicht des Handwerks wichtiger als den Englischunterricht.

Von Maria Hofstetter

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