Lokaler Ratgeber hilft weiter

Landkreis gibt ersten Wegweiser für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen heraus

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Katharina Droms (li.) war federführend mit der Erstellung des ersten Wegweisers für Menschen mit Behinderung befasst, den sie mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Weilheimer Landratsamt vorstellte.

Weilheim/Landkreis – Ratgeber gibt es für viele Bereiche: Nun wird auch Menschen mit Behinderung und ihren Angehörigen im Landkreis Weilheim-Schongau ein Wegweiser mit wichtigen Tipps und konkreten Kontaktdaten an die Hand gegeben.

Ein paar Zahlen vorweg: Laut Strukturstatistik SGB IX waren zum 31.12.2018 im Landkreis 17 874 Menschen als behindert anerkannt, davon knapp 66 Prozent (11 733) als schwerbehindert (Grad der Behinderung 50 Prozent oder höher).

Der farblich und inhaltlich übersichtlich gegliederte Wegweiser konzentriert sich auf lokale Angebote und weist auf Unterstützungsmöglichkeiten von außerhalb hin, sofern diese nicht im Landkreis vertreten sind.

Bei der Broschüre handle es sich um ein „niederschwelliges Informationsangebot“, führte Landrätin Andrea Jochner-Weiß aus, als sie in Weilheim mit Katharina Droms, Behindertenbeauftragte für den Landkreis, das 96-seitige Werk präsentierte. Droms habe „viel Energie und Herzblut in das Projekt gesteckt“, in das der Teilhabebeirat des Landkreises durchgängig eingebunden war. Wer Rat sucht, findet in dem Wegweiser schnell, was er wissen möchte, ergänzte die Landrätin: Tipps zu einem bestimmten Thema ebenso wie Beratungs- und Unterstützungsangebote, Ansprechpartner, Fördermöglichkeiten oder die Erklärung von Fachbegriffen, wie den „Euroschlüssel“. Dieser europaweit einheitliche Schlüssel ermöglicht körperlich beeinträchtigten Menschen einen selbständigen, kostenlosen Zugang zu behindertengerechten sanitären Einrichtungen, wie Autobahn- und Bahnhofstoiletten, öffentlichen Toiletten in Museen und Fußgängerzonen. Hätten Sie‘s gewusst?

An einem praktischen Beispiel zeigte Droms auf, wie wichtig es für Menschen mit Behinderung ist, umfassend informiert zu sein: Die Sanierung eines Badezimmers wird bei Vorlage eines Schwerbehindertenausweises von der Regierung mit bis zu 10 000 Euro bezuschusst, berichtete sie. Wo Betroffene einen solchen Ausweis beantragen können, wird in dem Wegweiser erklärt. Wichtig sei es auch, Eltern, deren Kinder einen besonderen Förderbedarf haben, die entsprechende Unterstützung an die Hand zu geben. „Die ersten Lebensjahre sind für die Entwicklung eines Kindes ganz entscheidend. Lernbereitschaft und Auffassungsvermögen eines Kindes sind nie mehr so ausgeprägt wie in diesen Jahren“, heißt es dazu auf Seite 13 der Broschüre. „Es gibt viele offene Fragen“, weiß Droms.

Die Idee, für Menschen mit Behinderung einen eigenen Wegweiser zu erstellen, hatte Kreiscaritas-Geschäftsführerin Monika Funk im Sommer 2018 angeregt. Von dem gut lesbaren (große Schrift) griffigen Handbuch wurden 2 000 Stück gedruckt. Die Gestaltung des Ratgebers, der letztlich weit umfangreicher geworden ist als ursprünglich geplant, hat das Telezentrum Peiting-Herzogsägmühle übernommen. Gestaltung und Druck haben rund 6 000 Euro gekostet. Dass Menschen mit Behinderung an der Entstehung der Broschüre mitarbeiten konnten freut Droms. Ihr Wunsch ist es, den Ratgeber alle zwei Jahre aktualisieren und in „Leichter Sprache“ fortsetzen zu können. Zwecks Übersetzung in eine einfache sprachliche Ausdrucksweise („Leichte Sprache“) ist Droms bereits mit einer Dolmetscherin im Gespräch.

Der vom Teilhabebeirat des Landkreises herausgegebene Wegweiser wird unter anderem in Krankenhäusern, Arztpraxen, Gemeindeämtern und Frühförderstellen ausgelegt und ist auf der Webseite des Landratsamtes eingestellt.

Von Maria Hofstetter

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