Nicht smart genug

Landkreisweites Gutscheinsystem stößt in Murnau auf Kritik

Symbolfoto: Frau trägt Einkaufstüten.
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Mit einem Gutscheinsystem soll in Murnau zum Shoppen in der Innenstadt angeregt werden. Doch wird auch auf landkreisebene an so einem System gearbeitet.
  • vonAntonia Reindl
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Murnau – Braucht es das? Eine Frage, die sich der ein oder andere in der jüngsten Sitzung des Murnauer Marktgemeinderates gestellt zu haben scheint. Eigentlich wollte man ein eigenes Gutscheinsystem für den Markt einführen. Dann aber bekam man Wind von dem Vorhaben der Zugspitzregion. Diese arbeitet nämlich an einem Gutschein- und sogar Bonussystem auf Landkreisebene. Nun schlägt die Murnauer Verwaltung vor, sich einfach dranzuhängen. Anhänglich zeigt sich aber nicht jeder im Marktgemeinderat.

Bereits im Hauptverwaltungsausschuss berichtete Kämmerer Josef Brückner, dass die Zugspitzregion über die Einführung eines Gutscheinsystems inklusive Bonussystem nachdenke – und auch darüber, sich der Standortmarketinggesellschaft Miesbach und damit der Oberland-Card anzuschließen. Nun beschäftigt sich auch der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung mit der Causa Gutscheinsystem. Das von der Zugspitzregion angestrebte System erfahre „große Akzeptanz“, meint Brückner, als es abermals an ihm lag, das Thema einzuleiten. Es habe sogar schon Vorstellungsgespräche gegeben, fügt der Kämmerer noch an, ehe er im Namen der Verwaltung empfiehlt, dass sich die Gemeinde dem System der Zugspitzregion anschließe.

Zwei Fragen tun sich da in Dr. Josef Raab (Grüne) auf. Zum einen möchte er wissen, ob man im Falle eines Anschlusses und der Einführung des Systems mit dem Gutschein auch wirklich in allen teilnehmenden Geschäften im Landkreis einkaufen könne. Zum anderen möchte der Grüne erfahren, mit welchen Kosten zu rechnen ist. Der Kämmerer nickt an die erste Frage denkend. Es handele sich um ein System in einem räumlichen Geltungsbereich. Was die Kosten anbelangt, so gibt Brückner nur spärlich Auskunft. Schon damals in der Hauptausschusssitzung wollte er über die Kosten nur in der nichtöffentlichen Sitzung sprechen.

Nun, öffentlich, erwähnt er lediglich eine Zahl. „Ich hab nur einen Betrag im Kopf“, sagt der Kämmerer und spricht von 25 Euro Kosten im Monat für Händler, wobei weitere Kosten, wie Transaktionsgebühren bei Online-Geschäften, hinzukommen würden. Ob das Angebot der Gemeinde, in der Anfangszeit die Kosten zu übernehmen, noch bestehe, will Raab da noch wissen. „Ist vom Tisch“, meint Brückner.

Was sagen die Einzelhändler?

Für Josef Bierling (CSU) ist es dagegen erst einmal von Belang, zu erfahren, wie die Einzelhändler dazu stehen. „Es ist schon wichtig, dass man die Gewerbetreibenden fragt, was sie davon halten“, findet er. Auch Veronika Jones sieht das so, „wir wollen niemandem ein System überstülpen“, betont die Grüne. Und Bierling fügt noch etwas an: Liegenbleibende Gutscheine, die wie der Kämmerer erläuterte, für die Finanzierung des Systems verwendet werden sollen, gehen in seinen Augen für Händler verloren. So richtig warm scheint er mit der Idee nicht werden zu können. „Wir haben ein Gutscheinsystem im Ort, das funktioniert“, sagt Bierling. Eine Befragung der Einzelhändler sei in Planung, antwortet Brückner, ehe er „das Smarte an dem System“ hervorhebt, nämlich, dass „es überregional eingesetzt werden kann“.

Rudolf Utzschneider (CSU) will nicht zum großen Schlag gegen die Idee ausholen. „Viel Herzblut“ stecke darin, meint er. Jedoch hinterfragt er die Sinnhaftigkeit des Systems. Ein solches „gibt’s schon, das ist der Euro“, kritisiert er. Utzschneider will folglich wissen, was man mit der Einführung eines Gutscheinsystems eigentlich erreichen möchte. „Was wollen wir damit erzielen, außer dass wir die Firma unterstützen, die das betreibt?“, fragt er in die Runde, ohne eine sofortige Antwort einzufordern. Brückner versucht da erneut, „das Smarte“ an dem System hervorzuheben, dieses Mal aber nicht die Überregionalität, sondern das integrierte Bonussystem.

Genau dieses aber lässt Utzschneiders Kritik wachsen. „Payback ist kein Bonussystem, sondern ein Datenabgreifsystem“, beklagt er, der beim Einkaufen so etwas nicht nutze, „nicht mal meine Wurst geht jemanden was an“. Utzschneider interessiert daher, „was wir mit den Daten machen, wenn wir ein Bonussystem haben“. Eine Frage, die unbeantwortet bleibt.

Je mehr einkaufen, umso besser

Wolfgang Köglmayr (Mehr Bewegen) schlägt schließlich vor, umfassend Informationen zu dem angestrebten Gutscheinsystem einzuholen. Letztlich, so glaubt der Referent für Gewerbe, Märkte und Wirtschaft, entscheiden die Händler und Dienstleister – „und am Ende die Kunden“. Köglmayr spekuliert, dass es zwei Gutscheinsysteme, das bestehende und das landkreisweite, geben werde. Generell scheint er aber von der Idee, Letzteres einzuführen, nicht abgeneigt zu sein. Schließlich könne es Menschen in die Marktgemeinde locken – „je mehr nach Murnau kommen, desto besser“, findet Köglmayr.

Bei seinen Fragen vom Anfang möchte es Dr. Raab am Ende nicht belassen. „Wir haben auch eine Verantwortung für unsere Gemeinde“, findet er. Dass es kein großes System vor Ort gebe, werde von Käufern geschätzt, glaubt Dr. Raab. Würde sich das ändern, „könnte Murnau seinen Charme verlieren“, befürchtet er. Einstimmig votiert das Gremium letztlich dafür, kein eigenes System einzuführen.

Über einen Anschluss an ein landkreisweites Gutscheinsystem stimmt man an diesem Abend noch nicht ab. Jedoch gibt der Kämmerer zu bedenken, dass Murnau im Landkreis Garmisch-Partenkirchen liege und der Markt damit so oder so Teil des Systems werde. Eine Anmerkung, die Utzschneider ernst dreinblicken lässt. „Wenn Einzelhändler und Kunden entscheiden, warum beschäftigen wird uns dann damit?“, fragt er in die Runde, ohne eine befriedigende Antwort darauf zu erhalten.

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