Landrat Dr. Friedrich Zeller 100 Tage im Amt

„Die ersten 100 Tage im Amt sind nicht dazu da, um Meilensteine zu bewegen“, zieht Landrat Dr. Friedrich Zeller eine erste Zwischenbilanz. Der SPD-Politiker, der am 16. März in der Stichwahl gegen den damaligen Amtsinhaber Luitpold Braun (CSU) einen Überraschungssieg davongetragen hat, ist dabei, sich „Schritt für Schritt“ in sein Amt einzuarbeiten. In der Anfangszeit sei neben vielen neuen Begegnungen „das Vertiefen in bestimmte Vorgänge“ das Allerwichtigste, resümiert Zeller. Deshalb wird sich der dreifache Familienvater in diesen Sommerferien auch nur eine Woche Pause gönnen.

In einem Interview mit KREISBOTEN-Redakteurin Maria Kraus-Leitgeb gab Landrat Zeller Einblick in seine ersten 100 Amtstage. Der Kommunalwahlkampf ist von allen Kandidaten sehr emotional geführt worden. War davon bei der Amtsübernahme von Ihrem Vorgänger Luitpold Braun noch etwas zu spüren, und wie wurden Sie von den Mitarbeitern des Landratsamtes aufgenommen? Dr. Friedrich Zeller: „Die Amtsübergabe lief wie 1996 in Schongau ab (dort folgte Zeller Braun ins Bürgermeisteramt, Anm.d.Red.). Kurz angebunden und diesmal im Beisein von Brauns Stellvertreter, Herrn Schweiger, der am Nebentisch Zeitung las. Bei einigen Mitarbeitern des Landratsamtes, insgesamt sind es 400, waren eventuell schon Ängste da, ob der Zeller denn alles anders machen werde. Unsere Leute hier arbeiten gut. In meinem Vorzimmer sitzen jetzt nur noch zwei Sekretärinnen, früher waren es drei. Eine Stelle wird eingespart. Für die dritte Kraft haben wir intern eine gute Lösung gefunden.“ Bei unserem Interview im Wahlkampf haben Sie gefordert, dass sich der hauptamtliche Landrat als Dienstleister für die ehrenamtlichen Kreisräte verstehen muss. Konnten Sie davon in den ersten Kreistagssitzungen schon etwas umsetzen? Dr. Friedrich Zeller: „Auf jeden Fall. Es gibt mehr schriftliche Vorlagen. Die Kreisräte werden rechtzeitig informiert und können sich auf die Sitzungen einstellen. Außerdem wird das Landkreis-Handbuch neu angelegt.“ Im neuen Kreistag muss für das Durchsetzen von Vorhaben erst eine politische Mehrheit gefunden werden. Haben Sie sich als Landrat diese Zusammenarbeit einfacher vorgestellt? Dr. Friedrich Zeller: „Nein. Ich bin es von Schongau her gewohnt, die Mehrheiten zu suchen. Es ist ein aufeinander Zugehen. Am Ende muss ein Kompromiss rauskommen.“ Konnten Sie schon ein Wahlversprechen einlösen? Dr. Friedrich Zeller: „Ich habe versprochen, den Politikstil zu ändern und dies mit mehr Offenheit und einem guten Miteinander im Kreistag eingelöst.“ Müssen die beiden Altlandkreise noch stärker zusammenwachsen? Dr. Friedrich Zeller: „Ja, zum Beispiel auf Seiten der Arbeitgeber. Derzeit gibt es im Landkreis drei verschiedene Informationskreise für die Unternehmer, hier sollte eine gemeinsame Organisation gefunden werden. Dies trifft auch auf die zwei Gebietsverkehrswachten zu. Man könnte Synergieeffekte schaffen.“ Zur Zeit zeichnet sich ein konjunktureller Abschwung ab. Wie sehen Sie die Wirtschaft im Landkreis dafür gerüstet? Dr. Friedrich Zeller: „Wir sind mit unseren vielen mittelständischen Unternehmen proper aufgestellt und haben Vollbeschäftigung.“ Die hohen Energiepreise sind in aller Munde. Was soll der Landkreis tun, um sich von den teuren Energieimporten unabhängiger zu machen? Dr. Friedrich Zeller: „Der Landkreis muss als politisches Organ darauf dringen, einen Großteil seines Energiebedarfs aus erneuerbaren Energien zu schöpfen und mit seinen Immobilien beispielhaft vorangehen. Wenn wir unsere Gebäude in Weilheim an das angedachte Nahwärmenetz anbinden, dann wären alle Verwaltungsgebäude des Landratsamtes mit Ausnahme des Gebäudes II an eine Nahwärmeversorgung angeschlossen.“ Wie sieht ein typischer Arbeitstag von Landrat Dr. Zeller aus? Dr. Friedrich Zeller: „Es gibt noch keinen typischen Tagesablauf, das ärgert mich selbst. Zurzeit richte ich mir in Schongau ein Büro ein. In Zukunft werde ich dort einen Tag pro Woche sein. Morgens geht es meist gegen halb neun Uhr los, abends bin ich kaum vor 21 Uhr zu Hause.“ Vor der Wahl verkündeten Sie, als Landrat auf einen eigenen Chauffeur zu verzichten und beim Dienstfahrzeug auf einen Smart umsteigen zu wollen. Denken Sie heute anders darüber? Dr. Friedrich Zeller: „Das war ein Schmarrn, weil ich vorher noch nie in einem Smart gesessen habe. Als Landrat brauche ich ein Fahrzeug der gehobenen Mittelklasse. Die Automobilkaufleute in der Schongauer Berufsschule haben eine Übersicht erstellt, welche Autos für mich geeignet wären. Die Entscheidung für ein Auto steht noch aus. Aber mein Chauffeur geht in den Innendienst, das steht bereits fest. Bei 90 Prozent meiner Dienstfahrten werde ich künftig selbst am Steuer sitzen.“ Haben Sie in den ersten 100 Tagen mal gedacht: „Das müsste ich jetzt bei Herrn Braun nachfragen?“ Dr. Friedrich Zeller: „Ja, manchmal wäre ich gern ein Spitzmäuschen gewesen, um zu sehen, wie er seine Amtsgeschäfte geführt hat. Es wäre auch interessant zu wissen, wie andere Methoden funktionieren.“ Landrat Zeller in Lederhose, das war in der Vergangenheit ein eher seltenes Bild. Wird sich das jetzt angesichts Ihrer vielen gesellschaftlichen Verpflichtungen ändern? Dr. Friedrich Zeller: „Es ist schon zehn Jahre her, dass ich für meine Lederhose Maß nehmen ließ. Sie musste übrigens seither noch nicht nachgeschneidert werden. Ich habe mir eine original Schloßbergler Tracht machen lassen. Entweder ich trage eine gscheite Tracht, komplett mit Hut und Leiberl, oder gar keine.“ Ihr persönliches Motto für die restliche Amtszeit? Dr. Friedrich Zeller: „Die ersten 100 Tage der Einarbeitung sind vorbei. Jetzt greifen wir richtig an.“ Herr Landrat, vielen Dank für das Gespräch.

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