Impfappell von Landratsamt, Gesundheitsamt und Krankenhaus GmbH

Landratsamt Weilheim: Pressekonferenz zum Infektionsgeschehen

Landrätin Andrea Jochner-
Weiß
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Landrätin Andrea Jochner- Weiß.
  • VonAntonia Reindl
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Landkreis – Es sind sorgenvolle Gesichter, das können die Masken nicht verbergen. Die Stimmung ist ernst, die Worte sind es ebenso, die am vergangenen Montag in der Pressekonferenz im Landratsamt Weilheim zu hören sind. Über das aktuelle Infektionsgeschehen und auch über die notwendigen Maßnahmen informieren, sind das Ziel der einstündigen Zusammenkunft. Die Informationen sind dabei gespickt mit einem Appell: Man solle sich impfen lassen. Nur so könne man die Intensivstationen vor einem Kollaps bewahren.

Als Landrätin Andrea Jochner-Weiß im Pfaffenwinkelsaal des Landratsamtes um sich blickt, meint sie, dass man heute „hochkarätig“ besetzt sei. Zu ihrer Linken sitzt Christian Achmüller, Verwaltungsleiter des Peißenberger Impfzentrums, zu ihrer Rechten Dr. Stefan Günther, Leiter des Gesundheitsamtes, Thomas Lippmann, Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH, sowie der Ärztliche Direktor des Weilheimer Krankenhauses Prof. Dr. Andreas Knez. Sie alle eint eine Meinung, ein Wille. Sie zeigen den Ernst der Lage auf und bitten darum, einen Impftermin zu vereinbaren, zur Erst-, Zweit- oder Booster-Impfung.

Das Infektionsgeschehen habe sich „drastisch verändert“, beginnt Jochner-Weiß. Zwar habe man im Landkreis mit niedrigeren Inzidenzen zu kämpfen als in anderen Regionen, doch die Lage sei auch in Weilheim-Schongau „sehr, sehr angespannt“. Sie appelliert an alle Bürger, einen Termin zu vereinbaren, „vermeidet mit einer Impfung eine Überfüllung der Intensivstationen“, so die Landrätin. Denn das, was zu erwarten sei, „ist keine vierte Welle, sondern ein Tsunami, der auf uns zurast“, so Jochner-Weiß.

Dr. Günther zeigt den sich anbahnenden Tsunami Schwarz auf Weiß. Der Gesundheitsamtsleiter präsentiert Zahlen und Balkendiagramme. „Bei uns im Gesundheitsamt ist Feuer unterm Dach“, sagt der Leiter. Vergangene Woche seien 513 Fälle gemeldet worden. Die Inzidenz Geimpfter liege bei knapp 111, Ungeimpfter bei etwa 764. Unter den Infizierten seien weniger Hochaltrige als Junge und Kinder. Erleichtert zeigt sich Dr. Günther nun, dass Kommunen Weihnachtsmärkte abgesagt haben oder darüber nachdenken. Kritik übt er dagegen an denjenigen Ungeimpften aus, die „Freiheit mit Egoismus verwechseln“.

Einen Einblick in das Krankenhausgeschehen gibt Prof. Dr. Andreas Knez. In Deutschland gebe es heuer 4 000 Intensivbetten weniger, weil Pflegekräfte die Häuser verlassen hätten. Nächstes Jahr werden es wahrscheinlich noch weniger sein, vermutet der Ärztliche Direktor des Weilheimer Krankenhauses. „Die Mitarbeiter sind einfach erschöpft“, sagt er und appelliert, sich impfen und boostern zu lassen. Eine Impfung könne nicht davor bewahren, sich selbst und andere anzustecken, jedoch schütze sie vor schweren Verläufen – und könne damit verhindern, dass Krankenhäuser an ihre Grenzen kommen.

„Krankenhauspersonal leistet Unmenschliches“, betont Thomas Lippmann. Der Geschäftsführer der Krankenhaus GmbH appelliert, nicht allein mit Applaus Solidarität für die Mitarbeiter kundzutun. Man müsse „ein klares Zeichen für die Pflege setzen“. Was die in der Politik diskutierte Impfpflicht für Krankenhauspersonal betrifft, so zeigt er sich kritisch, müsste diese entweder für alle Häuser oder keines gelten. Von den insgesamt rund 1 300 Mitarbeitern der Krankenhaus GmbH seien derzeit 80 Prozent plus geimpft. „Ich finde es ein ganz heikles Thema“, so Prof. Dr. Knez zur Impfpflicht.

Einen Einblick in das Impfgeschehen gibt Christian Achmüller. Am vergangenen Wochenende habe man rund 1 000 Personen geimpft, etwa 700 davon hätten Booster-Impfungen erhalten, so der Verwaltungsleiter des Peißenberger Impfzentrums. Momentan sei die Versorgung mit Impfstoffen noch zugesichert. Damit man niemanden abweisen müsse und auch besser planen könne, habe man wieder eine Terminvergabe eingeführt.

Kritik an der Politik wird an diesem Nachmittag nicht laut. „Ich möchte nicht im Politiker stecken“, sagt Prof. Dr. Knez. Niemand wisse, wann „der Spuk vorbei ist“. Dass es wieder spuken wird, sei aber klar gewesen. „Virologen und Mediziner haben das ja vorausgesagt, was jetzt eintritt“, erinnert der Ärztliche Direktor.

Gegen Ende sagt auch Dr. Günther etwas voraus, nämlich, dass „sich jedes Immunsystem mit dem Virus auseinandersetzen müssen wird“, die Frage sei dann nur, ob als Geimpfter oder Ungeimpfter.

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