Helene Schneider und Holger Norton, beide verwitwet, haben noch einmal das große Glück gefunden

Leben mit: Einer neuen Liebe

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Das „Liebespaar von Wilzhofen“: Helene Schneider (68) und Holger Norton (74).

Wilzhofen/Weilheim – Dass das Gefühl einer jungen Liebe nichts mit dem Alter zu tun hat, beweisen Helene Schneider und Holger Norton. Beide haben vor mehreren Jahren ihren langjährigen Ehepartner verloren und fanden durch einen Zufall zueinander. Wie sie sich kennen gelernt haben, wie diese neue Liebe ihr Leben verändert und was sie Menschen raten, die sich in einer ähnlichen Situation wie sie damals befinden, hat das Paar Kreisbotenredakteurin Sofia Wiethaler erzählt.

Wie lange waren Sie mit Ihrem vorherigen Partner zusammen?

Schneider: „Ich war 43 Jahre lang mit meinem Mann zusammen.“

Norton: „Ich war 38 Jahre lang mit meiner Frau zusammen.“

Wie sah Ihr Leben damals aus?

Norton: „Ich habe früher mit meiner Frau in Würmtal gelebt. Der Tod meiner Frau hat mich dann 2016 dazu bewogen, nach Weilheim zu ziehen. Gearbeitet habe ich zuletzt bei der Forschungsgruppe des Bayerischen Landeskriminalamts (BLKA). Insgesamt war ich über 40 Jahre lang bei der Polizei an verschiedenen Dienststellen tätig.“

Schneider: „Ich habe zuvor mit meinem Mann zusammen in diesem Haus in Wilzhofen gewohnt, das wir gemeinsam mit unserem Sohn gekauft und renoviert haben. Insgesamt lebe ich seit 25 Jahren hier. Zuletzt habe ich bei einer Sparkasse in der Umgebung gearbeitet.“

Haben Sie Kinder?

Schneider: „Ja, wir haben beide jeweils einen Sohn.“

Wie haben Sie sich denn kennen gelernt?

Schneider: „Lustig. (lacht). Aber ich glaube, das kann Holger besser erzählen.“

Norton: „Ich habe einen Tanzkurs bei einer Schule in Weilheim besucht und meine ursprüngliche Partnerin setzte aus beruflichen Gründen aus. Die Dame, die als Ersatz einsprang, fragte mich, ob sie ihrer besten Freundin meine Telefonnummer geben dürfte. Ich habe mir gar nichts weiter dabei gedacht und bin davon ausgegangen, dass ich so eine neue Bekanntschaft schließen könnte oder wir mal einen Kaffee zusammen trinken gehen. Am nächsten Tag habe ich dann einen Anruf von der ‚Unbekannten‘ bekommen und wir haben gleich ein Treffen am Gögerlparkplatz ausgemacht. Sie hatte mir zuvor gesagt, welche Farbe ihr Auto hat. Daher habe ich mich erst hinter einem Baum versteckt, um zu sehen, wer denn da aussteigt. Helene hat mir später erzählt, dass sie mich auch beobachtet hat, als ich den Berg hoch gelaufen bin. Wir haben dann einen Kaffee getrunken und anschließend über zwei Stunden einen Spaziergang gemacht. Kurz darauf haben wir uns schon die Hände gehalten und es hat sich angefühlt, als ob wir uns schon immer kennen würden.“

Schneider: „Ich sage immer ‚ewig‘.“

Wie ging es nach Ihrem ersten Treffen weiter?

Schneider: „Ich habe ihn mit dem Auto nach Hause gebracht, weil ich wissen wollte, wo er wohnt. Ich habe ihn dann so rausgelassen, dass er noch ein Stück laufen musste und habe mir gedacht: ‚Wenn er sich jetzt umdreht, dann ist es gut.‘ Und er hat sich umgedreht.“

Norton: „Ich war auch ein bisschen keck und habe ihr einfach einen Abschiedskuss gegeben.“

Schneider: „So etwas war ich gar nicht gewohnt. Nach dem Tod des Partners muss man zuerst die Trauer verarbeiten und dann kommt der Zeitpunkt, an dem man sich denkt: ‚So schlecht wäre es auch nicht, wenn du jetzt jemanden kennenlernen würdest.‘ Nachdem ich aber nie jemanden getroffen habe, mit dem es hätte klappen können, hatte ich schon aufgegeben. Und dann passiert mir sowas – und gleich so heftig.“

Norton: „Nach dem dritten Tag ist dann die Zuneigung zueinander richtig über uns hereingebrochen – wie bei 20-Jährigen. Wir haben schnell gemerkt, dass wir viele gemeinsame Interessen wie musizieren, lesen und reisen haben. Außerdem gibt es hier ums Haus herum immer etwas zu tun, sei es Gartenarbeit oder Schnee schippen.“

Schneider: „Ich hatte außerdem kurz nach unserem Kennenlernen einen Unfall im Garten, bei dem ich mir eine Fraktur am Sprunggelenk zugezogen habe. Dadurch sind wir noch mehr zusammengewachsen. Ich konnte mich kaum bewegen und Holger hat den ganzen Haushalt geschmissen und mich umsorgt.“

Norton: „Wir kannten uns damals erst knapp zwei Monate. Vielen Menschen wäre es dann nicht recht gewesen, diese Person im Haus zu haben.“

Schneider: „Das Vertrauen habe ich damals einfach haben müssen. Außerdem dachte ich: ‚Der war bei der Kripo, der wird schon nichts anstellen.‘ (beide lachen). Und er war damals so glücklich, dass er jedem, den wir getroffen haben, erzählt hat: ‚Wir sind frisch verliebt, wir sind das Liebespaar von Wilzhofen.‘ Wenn ich jetzt einmal alleine unterwegs bin, heißt es immer: ‚Ja wo ist er denn heute?‘ Er gehört schon zu mir.“

Norton: „Wir gestalten unseren Tagesablauf außerdem mit viel Gaudi und Spontanität. Wir haben auch nette Freunde in der Umgebung. Das ist eine wunderbare Sache.“

Was würden Sie denn Menschen raten, die sich in einer ähnlichen Situation wie Sie damals befinden?

Norton: „Ich kann ihnen nur raten, nicht daheim zu bleiben und zu grübeln. Es ist wichtig unter Leute zu gehen, auch wenn das am Anfang noch schwer fällt, weil die Trauer zu groß ist.“

Schneider: „Auch wenn man meint, man ist das fünfte Rad am Wagen, dieses Gespür, wann man stört und wann nicht, das kriegt man irgendwann. Ich hatte das Glück, mitunter durch die Busreisen die ich gemacht habe, sehr nette Leute kennen zu lernen. Außerdem ist es wichtig, sich nicht mit Menschen zu umgeben, die einem nicht gut tun.“

Vielen Dank für das Gespräch.

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