Ein Leben für die Geschichte der Region – Max Biller feiert 80. Geburtstag

Der Hüter der verstaubten Akten

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Wenn er über sein jahrelanges Schaffen spricht, blüht Max Biller sichtlich auf. Auch an seinem 80. Geburtstag erheiterte er seine Gäste mit vielen lebendigen und amüsanten Anekdoten.

Polling – „Wenn Sie rufen, dann kommen die Kulturschaffenden des Landkreises“, stellte Landrat Dr. Friedrich Zeller fest, als er in die Runde blickte, die Max Biller anlässlich seines 80. Geburtstag nach Polling geladen hatte. Stehende Ovationen gab es für den ehemaligen Kreisarchivar am Ende. Doch davor erst noch viele lobende Worte.

„Das Archiv kommt oft als Letztes“, gestand der Landrat. Denn seitens der Gemeinden wird dessen Pflege oft auf die lange Bank geschoben. Gerade deshalb sei es so wichtig, dass es Leute wie Max Biller gibt. Durch seine „spezielle Art und Beharrlichkeit“ habe er es geschafft, „einer der rührigsten Archivpfleger“ zu werden. 

Auch Pollings Bürgermeister Helmut Böhm wusste nur Positives zu berichten. Biller habe das Heimatmuseum „aus dem Dornröschenschlaf“ geholt und nicht zuletzt dafür gesorgt, dass die Straßenschilder in Polling, Oderding und Etting mit Hinweistafeln versehen wurden. Dafür ging der Jubilar waghalsig vor. Im Schneesturm stellte er sich auf seine Motorhaube, um die Schilder zu erreichen und die Arbeiter der Gemeinde zu unterstützen, erinnerte er sich. 

Dass Archivare nicht nur „vergangenheitsverliebte Sonderlinge“ sind, bestätigte auch Billers Nachfolger Bernhard Wöll. Vielmehr seien sie „Hüter verstaubter Akten“. Denn Erinnerungen könnten als „kulturelle Güter ersten Ranges“ nur an die nächsten Generationen weitergegeben werden, wenn sie in Schriften erhalten werden. 

An diesem kollektiven Gedächtnis der Region ist Biller maßgeblich beteiligt. Allein 43 Beiträge hat er seit 1962 in den Lech-Isar-Land Jahrbüchern veröffentlicht. Hinzu kommen unzählige Bücher, darunter Lexika mehrerer Gemeinden im Landkreis. Auch bei deren Entstehen dachte er zuerst an seine Arbeit und dann an sich selbst. 

Beispielsweise in der Zeit, als er das Pollinger Heimatlexikon schrieb. Beinahe wäre er in einen schweren Verkehrsunfall verwickelt worden. Doch anstatt um sein Leben zu bangen, dachte er zuerst, es wäre eine Katastrophe, wenn sein Werk nur halb fertig bliebe. 

Nicht immer wussten die Leute so recht, was sie von Billers Arbeit halten solle. „Was ist denn das für ein Springinkerl“, hätten sich beispielsweise einige Antdorfer gedacht, als der ehemalige Lehrer ankam. „Doch ich hatte meine Hausaufgaben gemacht“, erzählte das Geburtstagskind stolz. Die Anerkennung war ihm daher nach kurzer Zeit sicher. 

„Lang anhaltendes Engagement“ sei in der heutigen Zeit rar gesät, gab Kreisheimatpfleger Klaus Gast zu bedenken. Und auch das stille Arbeiten im Kämmerchen durchzuhalten sei nicht immer einfach, erkannte er an. „Wenn Sie Muße finden, zu schreiben, Sie wissen, wo Sie mich finden“, richtete er sich an Biller, der ihm viele Jahre geholfen hat. 

Billers gesamtes Schaffen in einem Zeitungsartikel zu fassen – das ist nahezu unmöglich. Doch ein kleiner Ausschnitt aus seinem Tätigkeitsbericht verdeutlicht, was er für den Landkreis alles getan hat: 1978 begann er mit einem kleinen Heimatlexikon für Peißenberg, 1984 folgte dessen bekannter dicker Nachfolger mit dem blauen Einband. 15 Jahre investierte Biller in das Pollinger Heimatlexikon und auch für Hohenpeißenberg und Antdorf gelang ihm solch ein Werk. Darüber hinaus setzte er sich auch für einen Gedenkstein in Ficht, oder die Restaurierung des Zieglmeier-Schachts ein, um nur einige Beispiele zu nennen. 

Gerade für das Peißenberger Archiv erwarb er mehrere Schätze, wie den „Goldenen Münchner Psalter“, echte Spitzweg-Zeichnungen und als jüngsten Clou einen Bademantel von Kaiserin Sisi (wir berichteten). Den finanzierte er, wie auch die Restaurierung einer Grabplatte in Weilheim, aus seiner eigenen Tasche. 

Für all dies Engagement erhielt Biller bereits das Bundesverdienstkreuz, die Bürger- medaillen von Polling und Peißenberg, den silbernen Ehrenring des Landkreises, einen Tassilo-Kelch der Gemeinde Hohenpeißenberg und eine prachtvolle Kerze mit geschmiedetem Ständer von der Gemeinde Antdorf. 

Bleibt nur, dem Jubilar noch viele weitere Jahre zu wünschen, in denen er sich mit seiner tiefen Verbundenheit und Leidenschaft der Geschichte des Landkreises widmet, denn eine derart engagierte und heimatverbundene Person – die gibt es wohl kein zweites Mal in der Region. Vielleicht schreibt ja irgendwann auch einmal jemand ein Buch über diesen ganz besonderen Menschen.

Von Ursula Gnadl

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