Kreisboten-Serie: Ehrenamt ‒ Die Helfer im Verborgenen

Leben retten am Straßenrand – Unterwegs mit einem Amphibiensammler

Thomas Vijverberg.
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Seit zehn Jahren sammelt Thomas Vijverberg in Paterzell Amphibien.

Weilheim – Wenn es im Frühling abends dämmert und feucht ist, sind sie unterwegs, ausgerüstet mit Warnwesten, Eimern und Taschenlampen: die ehrenamtlichen Amphibiensammler. Rund 90 Freiwillige sind es derzeit im Landkreis. Einen von ihnen hat der Kreisbote getroffen.

Seit er denken kann, ist Thomas Vijverberg gerne in der Natur. „Meine Eltern waren schon im Naturschutz aktiv“, erinnert er sich an seine Kindheit in den Niederlanden. Bis heute spielt diese frühe Prägung eine wichtige Rolle im Leben des 54-Jährigen.

Um sich zu engagieren, trat er vor rund 15 Jahren dem Bund Naturschutz bei und leitet inzwischen dessen Weilheimer Ortsgruppe. „Man macht sich einfach Gedanken um den Artenschutz und will handeln“, erklärt er, als er sich in der Garage hinter dem Paterzeller Gasthaus Eibenwald gerade vorbereitet, um die Schutzzäune entlang der Straße zu kontrollieren. Immer wieder; auf und ab. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern gilt es hier, an über drei Kilometern alle Frösche, Kröten und Molche einzusammeln, zu zählen und dann an ihren Laichplätzen auf der anderen Straßenseite wieder auszusetzen. „Manchmal wird man schon belächelt“, sagt der Weilheimer. Dennoch seien viele Menschen auch angetan von den Rettungsaktionen. Gerade seit der Pandemie haben sich sogar noch mehr Freiwillige gemeldet, die die Gruppe unterstützen wollen.

„Es ist einfach eine tolle Abwechslung“, sagt der Projektmanager einer IT-Firma. Seinen Sport kann der leidenschaftliche Hockeyspieler derzeit dank der Beschränkungen nicht ausüben und gerade in Zeiten von Homeoffice sei es schön, am Abend noch rauszugehen – auch bei Regen, Kälte und Wind: „Ich habe immer Lust herzukommen.“

Sorgen bereitet dem Weiheimer der Rückgang der gezählten Amphibien in den letzten Jahren. Erst 900 Tiere wurden bis Mitte letzter Woche gesammelt. Eigentlich sind es Ende März schon deutlich mehr. Auf mindestens 4 000 Exemplare hofft er in dieser Saison. Woran der Rückgang liegt? „Wir haben oft darüber sinniert, aber so wirklich weiß es keiner.“ Umso intensiver wird jetzt die Population rund um den Zellsee dokumentiert. „Vielleicht bringt es was“, hofft Vijverberg.

Die Natur zu schützen und sie für die nächsten Generationen zu bewahren ist dem dreifachen Vater in allen Bereichen des Lebens wichtig. Daher hat er auch einen eigenen Bienenstock, um den er sich kümmert. Egal ob beim Fröschesammeln oder beim Wandern in der Freizeit: Am meisten freut er sich, wenn er auch die kleinen Erlebnisse in der Natur mit allen Sinnen wahrnehmen kann. Wenn er durch ein Waldstück geht und beispielsweise einen Kauz hört, sei das ein Glücksmoment für ihn. „Ich möchte die Natur ganz erleben.“ Und das gelingt nur, wenn sie auch geschützt wird.

Ehrenamtliche gesucht

In diesem Jahr will der Kreisbote den Ehrenamtlichen Platz geben. Einmal pro Monat erscheint ein Porträt eines Menschen, der sich besonders engagiert. Sie kennen eine solche Person? Gerne können Sie uns Ihre Vorschläge unter redaktion-wm@kreisbote.de schicken.

Von Ursula Gallmetzer

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