»Absolute Erfolgsgeschichte«

Lebenshilfe-Standort in Polling feiert Jubiläum

Thomas Gania und Helmut Guggenmos  von der Lebenshilfe Polling
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Vier Wohnhäuser plus Verwaltungsgebäude und dazu drei Wohneinheiten unter anderem für die Tagesstätte und das unterstützende Wohnen: Die Wohnstätten der von Thomas Gania und Helmut Guggenmos geführten Lebenshilfe bieten an der Pollinger Obermühlstraße ein vielfältiges Angebot.

Polling – Es ist zwar „nur“ ein kleines Jubiläum, aber dennoch eine lange Wegstrecke: 2020 konnte die Lebenshilfe für Menschen mit Behinderungen im Landkreis Weilheim-Schongau auf 30 Jahre ihrer Wohnstätten in Polling zurückblicken.

Den Standort an der Obermühlstraße bezeichnet Geschäftsführer Thomas Gania als „absolute Erfolgsgeschichte“. Heutzutage würde man vielleicht eine solche Einrichtung mitten im Ort bauen. Aber die Entfernung zum Ortszentrum spiegelt sich keinesfalls gesellschaftlich oder kommunikativ wider. „Die Bevölkerung begegnet uns offen. Unsere Bewohner tauchen wie selbstverständlich im Ortsbild auf“, so Gania. Die Inklusion funktioniert also in Polling.

Allerdings gab es in Deutschland auch andere, düstere Zeiten. Das Euthanasieprogramm im Dritten Reich war darauf ausgelegt, Menschen mit geistigen Behinderungen aus der Gesellschaft zu eliminieren – und zwar komplett. Ein Verbrechen, das traurige Spuren hinterlassen hat. „Geistig Behinderte, die über 80 Jahre alt sind, findet man selten“, konstatiert Gania.

Heute erfährt die Klientel zum Glück einen ganz anderen Umgang. Die Lebenshilfe versteht sich als „Wohndienstleister“. „Die Menschen sind unsere Kunden. Die Zufriedenheit der Bewohner ist unser Anliegen“, erklärt Lebenshilfe-Vorsitzender Helmut Guggenmos. Ziel ist es, den Menschen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen und ihren individuellen Bedürfnissen sowie Wünschen gerecht zu werden – angefangen von der Vollbetreuung bis hin zu lediglich punktuellen Unterstützungsleistungen. 1996 wurde die Außenwohngruppe in Weilheim eröffnet, ein Jahr später das Appartement-Wohnen in der Obermühlstraße und 2019 schließlich das betreute Wohnen, dazu das Wohnen für Menschen mit einem hohen Hilfebedarf sowie eine Seniorentagesstätte.

Nachfrage wächst stetig

Die Lebenshilfe Weilheim-Schongau wurde 1969 gegründet. Ihr „Erstlingswerk“ war zusammen mit der Lebenshilfe Bad Tölz-Wolfratshausen der Aufbau der Oberland Werkstätten. Ab 1979 kümmerte man sich auch um den Wohnsektor. In dem Jahr wurde der erste Antrag zur Errichtung eines Wohnheims gestellt. Nach einer Zwischenstation in der Lichtenau siedelte man schließlich 1990 an die Pollinger Obermühlstraße um. Die Altersspanne der Bewohner beträgt aktuell zwischen 20 und 81 Jahre. Die Nachfrage wächst stetig an. „Die Lebenshilfe alleine ist gar nicht in der Lage, den Bedarf zu decken. Selbst wenn wir 20 Plätze mehr hätten, dann wäre es immer noch zu wenig“, erklärt Guggenmos die Lage. „Die Zukunft ist herausfordernd.“

Die Lebenshilfe arbeitet derzeit an einem weiteren Projekt, das sich nicht in ihr klassisches Spektrum einordnen lässt. So möchte man das ambulante Angebot für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ausbauen. Mit dem Bezirk Oberbayern laufen bereits die Verhandlungen, es braucht eine Leistungsbeschreibung und Entgeltvereinbarung. „Das ist ein komplett neues Feld“, erklärt Gania. „Wir fühlen uns aber auch für diese Klientel verpflichtet.“

Von Bernhard Jepsen

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