Neubauten am Standort in Polling decken Bedarf nicht ab – Weilheim und Peißenberg im Fokus

Lebenshilfe sucht nach Wohnraum

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Thomas Gania, Anja Halbmeyer (bei der Lebenshilfe unter anderem zuständig für Öffentlichkeitsarbeit) und Helmut Guggenmos vor den drei Neubauten in Polling, die aber den gestiegenen Wohnraumbedarf nicht decken können.

Polling – Die Anforderungen und der generelle Bedarf an Wohnraum für Menschen mit geistiger und/oder körperlicher Behinderung nehmen aufgrund des medizinischen Fortschritts immer mehr zu. Die Zielgruppe möchte selbstbestimmt in gemeindeintegrierten Wohnformen leben können.

Das bekommt auch die Lebenshilfe Weilheim-Schongau zu spüren. Obwohl derzeit am Standort in Polling neben den Oberlandwerkstätten drei Neubauten errichtet werden, reicht das Angebot bei weitem nicht aus, um die Nachfrage im Landkreis zu decken. „Wir brauchen dringend weiteren Wohnraum“, machte der geschäftsführende Wohnstättenleiter Thomas Gania bei einem Pressegespräch in Polling auf den Engpass aufmerksam. Die Lebenshilfe hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Menschen mit Behinderungen nicht vor der Tür stehen zu lassen, sondern ihnen individuelle Wohnformen im Sinne von Inklusion und Sozialraumorientierung bereitzustellen: „Wir wollen die Menschen nicht abweisen“, betont Helmut Guggenmos, der Vorsitzende der Lebenshilfe. Daher sucht der Verein in Weilheim, Peißenberg und Umgebung eine Wohnung respektive ein Haus, in dem bis zu sechs Personen in Einzelzimmern leben können. Die Immobilie sollte idealerweise über einen Gemeinschaftsbereich und zwei Bäder verfügen. Barrierefreiheit wäre wünschenswert, aber nicht zwingend erforderlich. Wichtig: Der Standort sollte eine Eingliederung in die Gesellschaft ermöglichen.

Die Inklusion spielt eine wichtige Rolle in den Überlegungen der Lebenshilfe. Theoretisch wäre es möglich gewesen, zusätzlich zu den drei Neubauten noch weitere Gebäude anzufügen. Die Gemeinde Polling hätte für eine Bebauung auch grünes Licht gegeben. „Doch die Zeichen der Politik gehen in eine andere Richtung“, erklärt Gania – nämlich in Richtung Inklusion: „Es soll keine Ghettoisierung an einem Standort geben.“ Den Denkansatz findet Guggenmos auch „gut so“, weil sie dem gesellschaftlichen Wandel Rechnung trägt. Menschen mit Behinderungen wollen in ihrer vertrauten Umgebung bleiben können – dort, wo sie ihren Lebensmittelpunkt haben. In Weilheim oder Peißenberg selber bauen kommt für die Lebenshilfe nicht in Frage – zumindest nicht derzeit: „Parallel zum Bauprojekt in Polling ist das nicht denkbar“, sagt Gania. Die drei neuen barrierefreien Häuser, in denen unter anderem ambulant betreutes Wohnen und eine Seniorentagesbetreuung geplant sind, schlagen mit rund 3,1 Millionen Euro zu Buche. Die Gesamtkosten liegen damit zwar nur knapp über der Kalkulation (2,8 Millionen Euro), allerdings müssen sie finanziert werden. Den zusätzlichen Bedarf will man nun über Mietverhältnisse decken. Für Immobilienbesitzer könnte ein Aspekt durchaus lukrativ sein: „Das Angebot wird über den Bezirk finanziert. Das sind also die sichersten Mieteinnahmen, die man sich vorstellen kann“, beteuert Gania.

Immobilienbesitzer, die ein Interesse bezüglich einer Vermietung an die Lebenshilfe haben, erfahren die näheren Details unter der Telefonnummer 0881/ 8069 respektive per E-Mail unter: verwaltung@lebenshilfe-wm-sog.de.

Von Bernhard Jepsen

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