Bund Naturschutz hilft Amphibien über die Straße

Lebensretter in Warnwesten

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Auch einige Laubfrösche konnten die Naturschützer retten. Darunter in der Wanne 40 Kröten und 211 Frösche.

Paterzell – Schleichend wandelt sich die Dämmerung zur stockfinsteren Nacht. Es nieselt. Zum ersten Mal im Jahr hat es um die 20 Grad. Es ist Donnerstagabend, 20.30 Uhr. Aus einem Depot mitten im Ort kommen Menschen in Warnwesten. Doch was haben sie vor?

Die Männer, Frauen und Kinder haben Eimer und Taschenlampen in ihren Händen. Sie machen sich auf den Weg, um hunderte Leben zu retten.

 „Wenn auf einer Straße alle fünf Minuten ein Auto fährt, stirbt bis zu 80 Prozent der Population an Kröten und Fröschen“, verdeutlicht Helmut Hermann vom Bund Naturschutz die Wichtigkeit der Aktion. Gemeinsam mit seiner Frau Maria organisiert er die ehrenamtlichen Helfer, die jeden Frühling die Frösche, Kröten und Molche in und um Paterzell einsammeln. 

Frösche auf Wanderschaft

„Heute Nachmittag hatte ich Angst, dass keiner zum Helfen kommt“, sagt Maria Hermann. Doch dann bekam sie noch einige Anrufe. Mehrere Gruppen sind jetzt auf den Streckenstücken unterwegs. 2 800 Meter gilt es abzugehen. Erst nach links, dann nach rechts – die Taschenlampe immer auf die Innenseite der aufgestellten Zäune am Straßenrand gerichtet. Dann die gesammelten Tiere in eine der aufgestellten Wannen zwischenparken und das ganze Spiel von vorne. 

Durch den langen Winter hat sich die Wanderung der Amphibien verschoben. „Jetzt wollen sie so schnell wie möglich zum Laichgewässer“, erklärt Maria Hermann und bückt sich, um die nächsten Kröten aufzuheben. Diesmal ist es ein Doppeldecker, denn viele der Männchen krallen sich schon während der Reise auf dem Rücken der größeren Weibchen fest und lassen nicht mehr los, bis sie sich fortgepflanzt haben. 

Helmut Hermann sitzt am Steuer seines Wagens. Aus der Wanne auf der Rücksitzbank kommen seltsame Geräusche. Kein „quak“, eher ein ungeduldiges Fiepen. Durch die warme Temperatur sind die Amphibien heute besonders agil und versuchen, aus der Wanne zu flüchten. Daher liegt auch eine Platte drauf, die mit einem Stein beschwert ist. 

Der Naturschützer hat die Taschenlampe auf seinem Schoß liegen. Plötzlich bremst er scharf und steigt aus, nimmt eine Kröte und trägt sie über die Straße. „Schon bei 50 km/h werden die Tiere vom Sog erfasst und sterben“, sagt er und fährt langsam weiter, den Blick auf dem schmalen Schotterweg und bereit, zu halten. 

Am Ziel angekommen, steigt er aus. „Jetzt müssen wir zählen“, sagt er und hievt die schwarze Wanne durch dichtes Geäst ans Ufer des Zellsees. Die Ausbeute: 40 Kröten, 211 Grasfrösche und sogar ein kleiner Laubfrosch. Die Molche bekommen Sonderbehandlung, denn die größeren Tiere würden sie in den Eimern zerdrücken. Sie kommen daher in Margarinedosen mit Deckel und werden später am Waldrand entlassen. Es ist Mitternacht. Nur noch wenige Tiere warten an den Zäunen. „Für heute machen wir Schluss“, beschließt Maria Hermann. Doch Feierabend ist noch immer nicht. Jetzt gilt es, die anderen Wannen ebenfalls an ihren Bestimmungsorten zu entleeren. 

Das Endergebnis des heutigen Tages:  Rund 1 000 gerettete Tiere, die nicht zermatscht auf der Straße enden, sondern im Zellsee den Fortbestand ihrer Art sichern können.

Von Ursula Gnadl

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