Erweiterung von Weilheims Fußgängerzone auf Ledererstraße wird am Runden Tisch diskutiert

Flaniermeile auf Eis gelegt

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Sollen die Autos raus aus der Ledererstraße? Viele Bürger wünschen sich das, der Einzelhandel sowie einige Anwohner sind strikt dagegen.

Weilheim – Seit 1978 gibt es die Fußgängerzone in Weilheim. An ihrem Umfang hat sich seither nichts geändert, während die Stadt 5 000 Einwohner dazugewonnen hat und als Mittelzentrum gewachsen ist. Das wird – zumindest eine Zeit lang – so bleiben, nachdem Weilheims Grüne mit ihrem Antrag gescheitert sind, die Ledererstraße über Sommer probeweise zur Fußgängerzone umzuwidmen.

Der Zeitpunkt schien den Antragstellern günstig: Die Gastronomie in der Ledererstraße, so ihre Begründung, habe sich durch das Flair des freigelegten Bachlaufs und das kleine Stück „Fußgängerzone“ im Norden positiv entwickelt. Der Bedarf an größeren Freischankflächen und die bevorstehende Wiedereröffnung des „Griechen“ würden für einen Testlauf im Sommer sprechen.

Nach ausführlicher Debatte im Stadtrat, bei der neben der verkehrsrechtlichen Situation auch die Einwände der umliegenden Geschäfte und die Sicherheitsbedenken der Feuerwehr diskutiert wurden, brachte Bürgermeister Markus Loth zur Sprache, dass die Bauarbeiten in der Ledererstraße und Kreuzgasse voraussichtlich doch nicht bis Ende Mai fertiggestellt werden können. Mit der Folge, dass die probeweise autofreie Zeit in der Ledererstraße auf 2016 verschoben wird.

Fazit der von etlichen Geschäftsleuten und Anwohnern aufmerksam verfolgten Debatte: Ein Runder Tisch soll sich mit dem Thema befassen, an dem alle Interessen zur Sprache kommen und ergebnisoffen diskutiert werden.

Nur wenige Wochen zuvor hatte sich der Verkehrs- ausschuss noch für einen Testbetrieb von Mai bis Oktober in der Ledererstraße ausgesprochen.

Ein Runder Tisch muss her

Fußgängerzone bleibt (vorerst), wie sie ist

Soll der untere Teil der Ledererstraße, von der Kistlergasse bis zum Herzog-Albrecht-Platz, eine Fußgängerzone werden? „Wenn wir’s nicht probieren, wissen wir nie, ob’s funktioniert“, warb Bürgermeister Markus Loth zu Beginn der Stadtratsdebatte für einen Testlauf, räumte aber gleichzeitig ein, in der Sache „hin- und hergerissen“ zu sein.

Gegen eine befristete Umwidmung der Ledererstraße sprechen laut Ordnungsamtsleiter Andreas Wunder rechtliche und verfahrenstechnische Gründe. Eine Sperrung sei deshalb nur mit entsprechenden Beschilderungen und Pollern möglich. Die Zufahrten zu den Anwesen müssen weiterhin gewährleistet bleiben. Diesen Gedanken hatte BfW-Stadtrat Florian Lechner in seiner Planung aufgegriffen, die eine Sperrung ab der Gaststätte „Blu“ bis zum westlichen Ende der Ledererstraße vorsieht und in der vorausgegangenen Verkehrsausschusssitzung vorgestellt worden war. Die Feuerwehr gab zu bedenken, dass ihre Einsätze durch das Versenken der Poller verzögert werden könnten und der Platz für das Aufstellen der Drehleiter – fünf Meter Breite sind erforderlich – in jedem Fall gesichert werden muss.

Bei einer kürzlich durchgeführten Befragung der betroffenen Geschäftsinhaber durch Standortförderer Stefan Frenzl hatten sich diese durchwegs gegen das Vorhaben ausgesprochen, weil sie erhebliche Umsatzeinbußen befürchten. Einige von ihnen verfolgten die Stadtratssitzung gespannt von den Besucherplätzen aus.

„Wir wollten mit unserem Vorschlag nicht auf Konfrontation zu den Geschäftsleuten gehen“, rechtfertigte sich Grünen-Stadtrat Alfred Honisch. Eine größere Fußgängerzone würde mehr Besucher in die Innenstadt locken, gab sich Honisch überzeugt. Beim Probebetrieb Erfahrungen zu sammeln sei allemal besser, als über die Konkurrenz im Internet zu jammern. „Wir müssen uns sputen. Jetzt macht auch Schongau einen auf Fußgängerzone“, forderte sein Par- teifreund Dr. Eckart Stüber zum Handeln auf.

Stadtrat Walter Weber von den Freien Wählern schlug einen Runden Tisch vor, an dem die Argumente und Interessen aller Beteiligten eingebracht werden können. Dieser soll jetzt seine Arbeit aufnehmen, wie der Stadtrat schließlich gegen sechs Stimmen beschlossen hat. Standortförderer Stefan Frenzl regte in der Sitzung an, den Runden Tisch durch einen externen Teilnehmer zu erweitern.

Die Idee einer „temporären Fußgängerzone“ griffen die Ratskollegen Petra Arneth-Mangano (SPD) und Stefan Zirngibl (CSU) auf. Eine Aussperrung des Autoverkehrs nach Geschäftsschluss und am Wochenende würde ihrer Meinung nach die Altstadt beleben. Ob am Runden Tisch aber die „goldene Lösung“ gefunden wird, bezweifelte Zirngibl ebenso wie Honisch. „Wir werden nächstes Jahr wieder die gleiche Diskussion führen“, prophezeite Zirngibl.

von Maria Hofstetter

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