Die Apostelkirche wird zum Kunstraum der Lichtinstallation von Philipp Geist – Ein Fest für alle

Reformation in Wort und Licht

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V. li.: Pressebeauftragter für das Projekt Ralf Scharnitzky, Pfarrerin Ulrike Fries-Wagner, Dekan Axel Piper und Kirchenpfleger Martin Herzog.

Weilheim – „Die Kirche soll in neuem Licht erscheinen“, beschreibt Dekan Axel Piper das für Oktober geplante Lichtkunst-Projekt in und an der Apostelkirche. Und dies ist durchaus wörtlich zu verstehen: Der Künstler Philipp Geist wird den Innenraum der Kirche mit Licht und Botschaften erfüllen und am 30. sowie 31. Oktober auch die Außenfassade der Kirche miteinbeziehen.

Das Lichtkunst-Projekt bildet in Weilheim den Schlusspunkt der Veranstaltungen und Feste zu 500 Jahre Reformation. Das Kunstprojekt und seine Größenordnung stellen für die Evangelisch-Lutherische Kirchengemeinde Weilheim ein Novum dar. Dementsprechend bedarf es aufwendiger Vorbereitungen. Doch wie Kirchenpfleger Martin Herzog beim Pressegespräch betonte: „Wir freuen uns schon sehr auf den tollen Abschluss der Feierlichkeiten.“ Die Lichtinstallation soll eine Brücke zwischen Glaube, Kirche und Kunst schaffen und zum Dialog anregen. „Die Lichtkunst erschafft eine interessante Stimmung und bewegt“, so Pfarrerin Ulrike Fries-Wagner. „Wir wollen keinen Heiligenkult um Luther, sondern mit den Leuten ins Gespräch kommen“, so Piper.

"500 – Kirche im Licht"

Im Frühjahr diesen Jahres hatte Philipp Geist sein Lichtkunstprojekt zum Reformationsjubiläum an und in der Evangelischen Kirche in Venedig am Campo Ss. Apostoli umgesetzt. Dieses Konzept „wird an die Weilheimer Verhältnisse angepasst“, beschreibt Herzog das Vorhaben. Es handelt sich um eine zweiteilige Lichtkunst/Video-Mapping-Installation, bei der sowohl das Innere der Kirche als auch die Fassade miteinbezogen wird. Mit Hilfe von Licht, Worten und Origamischwänen werden das sich wandelnde Bild und die Bedeutung der Reformation projiziert und thematisiert. Der Grund, warum gerade Schwäne verwendet werden, liegt in der Symbolik. Der Schwan steht im mythischen Zusammenhang für Licht. Im christlichen Kontext ist er das Symbol für Luther.

Programm und zeitlicher Ablauf

Ab dem 6. Oktober kann an vier Tagen in der Woche – immer Freitag, Sonntag, Dienstag und Donnerstag – von 19 bis 21 Uhr die Lichtinstallation im Innenraum der Kirche besucht werden. Eine Ausnahme bildet aufgrund eines Konzertes der 22. Oktober. Am 30. und 31. Oktober läuft die Installation den kompletten Abend lang und zusätzlich wird außen die West-Fassade der Apostelkirche angestrahlt. Am Montag von 19 bis 23 Uhr und am Dienstag von 18 bis 22.30 Uhr. An diesen beiden Tagen gibt es zur Lichtkunst auch ein begleitendes Programm: So wird es im Hof des Gemeindehauses Sitzgelegenheiten sowie Getränke und Essen geben und im Kino werden Filme zur Kunst von Philipp Geist gezeigt. Die Besucher sind eingeladen, sich über Kunst und Glaube auszutauschen. Während der Veranstaltung wird die Münchener Straße, die Krumpper Straße und die Schützenstraße für den Durchgangsverkehr gesperrt.

Akustisch begleitet wird die Installation in der Kirche durch einen unaufdringlichen Klangteppich. Licht, Botschaften und Musik sollen zu einem harmonischen Ganzen werden. Die Musik kommt dabei entweder vom Band oder wird als Live-Musik von verschiedenen Gruppen gespielt. Verzichtet werden soll dabei auf Text oder starke Rhythmen, sodass die Töne die Stimmung mehr unterstützen. „Das Ganze hat wirklich was von einem Experiment“, stellte Pfarrerin Fries-Wagner fest.

Botschaften und Schwäne: Beteiligung am Kunstwerk

Teil der Installation im Kircheninneren werden (geplant) 500 Schwäne sein, auf denen kurze Botschaften stehen und die an Schnüren aufgespannt werden. Auszüge aus diesen Botschaften finden sich auch in den Lichtprojektionen wieder. Was dies für Botschaften sind, hängt von jedem Einzelnen ab. Denn eine Besonderheit des Gesamtkunstwerkes ist, dass jeder daran teilhaben kann. Dazu gibt es zwei Möglichkeiten: Jeder der möchte, kann bis spätestens 22. September Botschaften formulieren und sie an apostelkirche.weilheim@elkb.de mailen oder diese persönlich im Pfarramt (Am Öferl 8) abgeben. Die Botschaften sind am besten eine Antwort auf eine der folgenden Fragen: „Was ist mir in meinem Leben besonders wichtig?“, „Was braucht die Welt?“, „Was gibt mir Halt und Kraft in meinem Leben?“, „Was bedeutet Jesus Christus für mich?“, „Wie sieht meine Wunschkirche aus?“, „Für was steht Luther für mich?“. Alle Botschaften werden gesammelt und auf Origamipapier gedruckt. Im Rahmen des Gemeindefestes am 1. Oktober werden aus diesem Papier die Schwäne gefaltet – auch hier kann jeder mitmachen. Fries-Wagner betonte im Gespräch ausdrücklich, dass es eine „Aktion für alle“ sei.

„Wir wollen als Kirche, als Gemeinde lernen“, erklärte Dekan Piper. Daher werden die Botschaften im Anschluss an das Projekt auch aufgehoben und die Schwäne zum Teil im Gemeindehaus aufgehängt. „Wir verstehen das auch als Botschaft an uns“, fügte der Dekan hinzu.

Finanzen, Förderung und sozialer Aspekt

Veranstalter des Projektes ist die Kirchengemeinde. Diese kann jedoch nicht das derzeit angenommene Budget von 23 000 Euro alleine tragen. Daher setzt sich die Finanzierung aus Mitteln des Dekanats Weilheim, der Stadt sowie der Landeskirche zusammen. Hinzu kommen noch Spenden von Unternehmen und Privatpersonen. Sollte letztlich über Spenden mehr Geld zusammenkommen als für die Kostendeckung notwendig ist, kommt dieses „Weilheimer Menschen in Not“ und „Startchancen“ zugute.

„Es ist ein Projekt, das in die Zukunft weist“, sagte Pfarrerin Fries-Wagner mit Blick darauf, was Kirche sein soll. „Mal sehen, was sich ergibt.“ Das Lichtkunst-Projekt „soll ein Weilheimer Fest werden“, ergänzte Kirchenpfleger Herzog.

Von Melanie Wießmeyer

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