"Wohin mit dem Käferholz?"

Experten aus dem Landkreis äußern sich zu verschiedenen Lösungsansätzen

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Beim Pressetermin zu dem Motto „Wohin mit dem Käferholz?“ in Eberfing.

Landkreis/Eberfing – Holz, das zur Energiegewinnung eingesetzt wird, ist ein Abfallprodukt der Waldwirtschaft. Wie viel es davon zur Zeit gibt – aus Stürmen, wegen Dürre und Befall durch Käfer – und wie es im Oberland als klimafreundliche Energiequelle eingesetzt werden kann, war Thema bei einem Pressetermin in der Gemeindekanzlei Eberfing.

Vor Ort erläuterten die unterschiedlichen Aspekte ExpertInnen aus dem Landkreis Weilheim-Schongau, vom Weilheimer Amt für Landwirtschaft und Forsten, von Waldbesitzervereinigung Weilheim, Eberfinger Wärmeverbund, Kaminkehrermeister und Energiewende Oberland. Die Gemeinde Eberfing verfügt laut Energienutzungsplan über ein Energieholzpotenzial von circa 6 200 Ster Stückholz oder umgerechnet ungefähr 11 000 Schüttraummeter Hackschnitzel. Diese Zahlen ermittelte das EWO-Kompetenzzentrum für die 1100 Hektar Privat- und Kommunalwald. Genutzt werden bisher lediglich 3 600 Ster Stückholz sowie zusätzlich 1 900 Schüttraummeter Hackschnitzel.

Der zuständige Förster Marco Walbrecker vom Weilheimer Amt für Landwirtschaft und Forsten betonte beim Pressegespräch, dass Energieholz lediglich aus Abfallprodukten der Waldbewirtschaftung anfällt. Nach dem letzten großen Sturm „Niklas“ wurden sehr viele Fichten umgeknickt. Die Aufarbeitung und Beseitigung konnte nicht zeitnah erfolgen. Die Dürre des Jahres 2018 schwächte den Fichtenbestand zusätzlich, so dass der Borkenkäfer momentan sehr gute Bedingungen vorfindet. Bei der Lagerung von geschädigtem Waldrestholz ist vorgeschrieben, mindestens 500 Meter Abstand zum nächsten Wald zu halten. Dies ist in der Region kaum einzuhalten, so dass eine verstärkte Nutzung als Energieholz wünschenswert wäre. Da es derzeit ein Überangebot an Hackschnitzeln gibt, werden für die sogenannte waldschutzwirksame Käferbekämpfung sogar Förder-

gelder gezahlt, wenn Restholz gehäckselt und wieder in den Wald verbracht wird. Die Käferlarven sterben so ab und können sich nicht weiter vermehren. Langfristig ist diese „Entsorgung“ aber nicht zielführend und mit viel Aufwand verbunden.

Die Vermarktung von werthaltigem Stammholz sowie Industrie- und Energieholz ist Kernaufgabe der Waldbesitzervereinigung WBV Weilheim. Deren stellvertretender WBV-Geschäftsführer Georg Goldhofer nannte Zahlen zum gesamten Aufkommen von Hackschnitzeln im Einzugsbereich der WBV: In den letzten Jahren wurden zwischen 6 000 und 10 000 Schüttraummeter Hackschnitzel vermarktet. Allerdings werden zwei Drittel dieser Menge außerhalb des Landkreises verkauft.

Große Mengen werden nach wie vor nach Österreich gefahren. Dort gibt es wesentlich mehr Heizwerke. Diese nutzen den Preisdruck am Markt und können so relativ günstige Ware kaufen. Dies verursacht zusätzlichen Verkehr nach Süden und erhöht somit Lärm- und Abgasbelastungen.

Die Errichtung einer Biomasse-Heizanlage ist mit höheren Investitionen verbunden als bei Öl- oder Gaskesseln. Einer, der diese Kosten nicht gescheut hat, ist Busunternehmer Anton Oppenrieder aus Eberfing. Er hat für seine Gebäude und Betriebsstätte bereits vor 25 Jahren eine Hackschnitzel-Heizung errichtet. Die erste Anlage wurde nach über 20 Jahren durch eine Neuanlage ersetzt. Diese funktioniert wesentlich effizienter, so dass freie Kapazitäten für die Nachbargebäude zur Verfügung standen. Seit Mai 2019 sind Pfarrhof sowie Kirche an die Heizanlage angeschlossen. Der Wärmeliefervertrag wurde mit der Diözese Augsburg für die kommenden zwölf Jahre unterzeichnet. Somit entfällt der Gebäudeunterhalt für Wartung und Instandhaltung einer Heizanlage im Pfarrhof. Anton Oppenrieder liefert die Wärme aus seiner Heizanlage und verrechnet diese an die Kirchenverwaltung in Eberfing. Bei der Preisbildung sowie der vertraglichen Gestaltung wurden die Vertragspartner unterstützt von der Energiewende Oberland. Deren Energiemanager Andreas Scharli berät in der Regel hauptsächlich Kommunen, aber auch Betriebe oder Privatleute können bei der Organisation von Wärmenetzen unterstützt werden. Nicht zuletzt gibt es für deren Errichtung erhebliche Fördermittel. Auch Kirchenpfleger Georg Leis Senior ist mit der neuen Lösung sehr zufrieden. Die alte Ölheizung hatte hohe Bereitschaftsverluste und verursachte damit hohe Unterhaltskosten. Auch die Lagerung des Gefahrguts Heizöl entfällt jetzt im Pfarrhof.

Bei seinen Beratungen zum Thema Emissionsschutz stößt der zuständige Kaminkehrermeister Markus Lindner immer wieder auf veraltetes Wissen. Moderne Biomasse-Heizungen verfügen über eine sehr saubere Verbrennung, lediglich in der kurzen Anheizphase entsteht mehr Ruß als bei fossilen Heizanlagen. Durch den Einbau von Pufferspeichern sind jedoch die Laufzeiten neuer Holzkessel wesentlich länger geworden, so dass von den Heizanlagen keinerlei Minderung der Luftqualität ausgeht. Der Einsatz von Biomasse statt fossiler Energieträger ist auch für das Klimaschutzmanagement des Landkreises Weilheim-Schongau ein wesentlicher Beitrag zur Umsetzung der Energiewende.

Judith Dangel, stellvertretende Leiterin der Stabstelle II Kreisentwicklung/Wirtschaftsförderung, präsentierte die neuesten Zahlen zum Anteil der erneuerbaren Energien im Landkreis. Inklusive der industriellen Verbräuche wird derzeit der Wärmebedarf des Landkreises lediglich zu 13 Prozent durch regenerative Energien gedeckt.

Eine zusätzliche Nutzung von Hackschnitzeln zur Vermeidung von fossilen Energieträgern könnte das Ziel der Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern bis 2035 etwas näher rücken. Eine komplette Abdeckung des Wärmebedarfs mit Biomasse ist mit dem Potenzial der Region nicht möglich. Dennoch könnte die Kombination von Sonne, Holz und Wärmepumpen die Energiewende wesentlich voran bringen.

Abschließend wies Bürgermeister Georg Leis auf die Impulse hin, die eine Gemeinde in Sachen Energiewende setzen kann: Zum einen können die eigenen Liegenschaften im ländlichen Bereich auf Biomasse umgestellt werden. Zum anderen führen Instrumente wie der für die Gemeinde erstellte Energienutzungsplan zu weiteren Projekten in der Bevölkerung. Sowohl Landwirte als auch Unternehmer im Dorf versuchen verstärkt, Wärmenetze aus regenerativen Energien zu errichten und versorgen.

Von Kreisbote

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