Stadt verleiht Ludwig-Pütrich-Preis, Kultur-, Sozial- und Umweltpreise

"Ihre Leistungen verdienen Respekt"

+
Ein Keramikkrug als Dankeschön der Stadt für die wohltätige Keramikkünstlerin: Elisabeth Wiedemann-Scherr (2.v.li.) im Kreise der drei Weilheimer Bürgermeister.

Weilheim – Anstatt Baupläne zu wälzen und dringende Sanierungsmaßnahmen zu diskutieren, würdigte der Stadtrat in seiner Weihnachtssitzung besondere Verdienste in einem gemeinnützigen Bereich mit Ehrenzeichen und Ehrenpreisen. „Ihre Leistungen verdienen unser aller Respekt“, wandte sich Bürgermeister Markus Loth an die Gäste.

Mit ihrem Engagement, das oftmals im Hintergrund stattfindet, tragen die Ehrenamtlichen wesentlich zur Lebensqualität in der Stadt bei und stärken den Zusammenhalt, dankte ihnen Loth. Lehrkräfte der städtischen Musikschule erfüllten den mit Kerzen beleuchteten und mit weihnachtlichen Gestecken dekorierten Sitzungssaal mit festlichen Klängen.

Großherzige Schenkung 

Dass das Bürgerheim weitere Plätze für betreuungs- und pflegebedürftige Weilheimerinnen und Weilheimer schaffen kann, ist der großzügigen Zuwendung von Elisabeth Wiedemann-Scherr zu verdanken. Die 93-jährige Weilheimerin hat ihr Anwesen in der Münchener Straße dem städtischen Bürgerheim übertragen.

Als Loth die zierliche Dame, „eine begnadete Keramikkünstlerin“, mit dem Ludwig-Pütrich-Preis ehrte, applaudierte die Festversammlung lang und kräftig. Die Stadt könne sich glücklich schätzen, Bürgerinnen wie Wiedemann-Scherr in ihrer Mitte zu haben, sagte der Bürgermeister und nannte einige Plätze in Weilheim, die sie bereits vor Jahren mit ihrer künstlerischen Handschrift geprägt hat: Für das Krankenhaus schuf Wiedemann-Scherr ein Relief mit biblischen Symbolen, weitere Keramikbilder ziehen in der Sparkasse und im Foyer des Feuerwehrhauses viele Blicke auf sich.

Der Ludwig-Pütrich-Preis, mit dem „großherzige Zuwendungen“ an die Stadt, ihre Einrichtungen, an Vereine oder bedürftige Weilheimer Bürger geehrt werden, wurde zuletzt 2011 verliehen. Der Preis besteht aus einer Ehrenurkunde und einer Nachbildung des „Weilheimer Kruges“, das 1655 in Dießen geschaffene Original befindet sich im Stadtmuseum. Als Keramikexpertin werde sie die Kunst, die in der Nachbildung und erst recht im Original des Weilheimer Kruges liegt, zu schätzen wissen, ist sich Loth sicher.

Kunst, die begeistert 

Farbintensiv leuchtende Wandflächen und weithin sichtbare Fahnen machen Beate Oehmann „physisch präsent“. „Sie werden weit über die Stadtgrenzen hinaus gesehen“, wandte sich die dritte Bürgermeisterin Angelika Flock an die frisch gekürte Kulturpreisträgerin. Die „jung geblieben wirkende und bescheidene, aber stets kritisch urteilende Künstlerin“ ist Mitglied im Kunstforum, sie war als SPD-Stadträtin aktiv und als Kunsterzieherin im Gymnasium bei ihren Schülern beliebt.

Flock ging in ihrer Laudatio auf verschiedene Gestaltungsmittel der 78-jährigen Preisträgerin ein, wie Schablonen, großflächige Wandgestaltungen, Stickereien oder Oehmanns „geheimnisvolles Alphabet“, das niemals nur rein ästhetisch zu deuten sei. Die Künstlerin locke zuerst mit Vertrautem. Beim zweiten Hinsehen seien in ihren Arbeiten zweideutige Assoziationen zu erkennen, stellte Flock amüsiert fest, wie „vom Herz zum Hintern“ oder „von Blüte und Stempel zu manch anderem“.

Ihre mit 1000 Euro dotierte Auszeichnung gibt die Preisträgerin an den Unterstützerkreis Asyl weiter, um damit junge Leute aus anderen Kulturkreisen zu fördern. Allerdings, bat Oehmann ausdrücklich, sollte diese Unterstützung auch jungen Frauen zu Gute kommen. In Zeiten großer Flüchtlingsströme werde der Begriff „Leitkultur“ oft fehlinterpretiert, monierte Oehmann, so dass sie sich fragen müsse: „Ist rechts außen schon langsam die Mitte?“

Treffpunkt MüZe 

Vor 25 Jahren von sieben Frauen gegründet, war das Weilheimer MüZe eines der ersten Mütterzentren im ganzen Bundesgebiet. Aus dem Treffpunkt zugezogener Mütter, die vor Ort ein soziales Netzwerk suchten, ist „ein offener Treffpunkt für die ganze Familie“ geworden, in dem sämtliche Bedürfnisse während der Familienphase besprochen werden, stellte Bürgermeisterin Flock fest. In den Arbeitsgemeinschaften können eigene Fähigkeiten eingebracht werden. Und die Kinder sind immer dabei. Kinderbetreuung war und ist ein großes Thema in Weilheim, so Flock.

Auf Initiative des MüZe wurden – ohne finanzielle Unterstützung – das Kindernest „Netz für Kinder“ und mit dem „Zwergerltreff“ die erste Kinderkrippe geschaffen sowie zusammen mit der Firma K&L Ruppert die erste Betriebskinderkrippe gegründet. „Im MüZe wird flexibel, ohne viel Bürokratie und weitgehend ohne finanzielle Planungssicherheit gearbeitet“, stellte Flock anerkennend fest und betonte, dass diese Leistungen ohne ehrenamtlichen Einsatz nicht möglich wären. So werden im Müze, das fast 30 festangestellte MitarbeiterInnen hat, vom Verein jährlich zirka 3 000 Ehrenamtsstunden für Weilheimer Familien erbracht. „Das MüZe ist aus Weilheim nicht mehr wegzudenken“, dankte Flock seinen drei Vertreterinnen bei der Übergabe des mit 1000 Euro dotierten Sozialpreises.

Ein "stiller Helfer"

Die Weilheimer Au, die der Verschönerungsverein der Stadt um 1900 angelegt hat, liegt Kurt Scholz besonders am Herzen. Als fleißiger Spaziergänger durchquert der „Umweltpreisträger 2015“ fast täglich das städtische Naherholungsgebiet und kontrolliert die Bachläufe. Kleinere Abfälle sammelt und entsorgt er selbst.

Da er mit dem Betriebshof der Stadtwerke in engem Kontakt steht, können entdeckte Probleme schnell und unbürokatisch gelöst werden, wie Bürgermeisterin Flock ausführte. Auf Initiative des Au-Freundes wurde auf dem Areal schon vieles zum Positiven verändert: Das Erneuern eines Überlaufes am Hauptweiher, Anregungen zum Erneuern einer teilweisen Uferverbauung oder das Aufstellen von neuen, größeren Abfallbehältern in der Au sind Beispiele dafür.

Als „stiller Helfer“ macht „Auwart“ Scholz aus seinen Aktivitäten kein öffentliches Aufsehen. „Gerade diese Bescheidenheit“, betonte Flock, sei für den Stadtrat mit entscheidend gewesen, das hohe bürgerschaftliche Engagement dieses Weilheimers mit dem Umweltpreis (1000 Euro) zu würdigen.

Maria Hofstetter

Auch interessant

Meistgelesen

Eine Lehrstunde im Auwald
Eine Lehrstunde im Auwald
"Sonst wäre ich nicht mehr da"
"Sonst wäre ich nicht mehr da"
Winterzauber
Winterzauber
70 Jahre soziales Miteinander
70 Jahre soziales Miteinander

Kommentare