Regelmäßige Frischluft und leise Filter

Luftreinigungsgeräte für schlecht belüftbare Räume in Murnauer Schulen

Fenster wird geöffnet
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Im Rahmen des Projektes Sicheres Klassenzimmer wurden verschiedene Lüftungsmethoden durchgeführt.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Im Rahmen des Projektes Sicheres Klassenzimmer unter Leitung von Prof. Dr. Christian Schwarzbauer von der Hochschule München werden verschiedene Lüftungsmethoden in über 230 Unterrichtsräumen in mehreren Landkreisen, von Garmisch-Partenkirchen bis Kehlheim, untersucht. Sechs dieser Unterrichtsräume finden sich in der Christoph-Probst-Mittelschule. In der jüngsten Marktgemeinderatssitzung präsentiert der Projektleiter den Zwischenbericht zur Versuchsanordnung in der Mittelschule. Für das Gremium eine gute Basis, um eine erste Entscheidung in Sachen Klassenzimmerbelüftung zu treffen.

Zunächst zeigt Prof. Dr. Schwarzbauer erste Ergebnisse des Projektes, in das 233 Klassenzimmer an 52 Schulen involviert sind. Dabei weist er unter anderem darauf hin, dass es einen Zusammenhang zwischen Virus-Konzentration und Belüftung gebe.

„Jedes Mal, wenn gelüftet wird, geht die Konzentration runter“, sagt er. Problematisch sei jedoch, dass eben nicht an allen Schulen perfekt gelüftet werde. Optimal wäre eine dreiminütige Lüftung alle 20 Minuten. Doch 20-mal am Tag die Fenster öffnen, sei eine Herausforderung.

Teil des Projektes ist die Murnauer Mittelschule. In sechs Klassenzimmern wurden verschiedene Lüftungsmethoden durchgeführt. Zwei Räume wurden dabei mit mobilen Luftreinigern und zwei Räume mit einer Ventilator-Fensterlüftung ausgestattet. In zwei weiteren Zimmern wurde allein übers Fensteröffnen gelüftet. Für jeden Tag seit Studienbeginn wurde eine Ampel gefertigt, welche mit Grün, Orange und Rot die Luftqualität bewertet.

Prof. Dr. Schwarzbauer erläutert die Ampeln, erklärt Ausschläge im roten Bereich etwa mit ausgeschalteten, da nicht gerade leise arbeiteten Geräten. Am Ende merkt er an, dass die Fensterlüftung in der Praxis funktionieren kann, jedoch Regelmäßigkeit wichtig und Mittel wie CO2-Ampeln hilfreich seien. In schlecht belüftbaren Räumen können mobile Luftreiniger eingesetzt werden, jedoch sollten diese dann möglichst leise laufen. Und wenn es die baulichen Gegebenheiten zulassen, könnte mit dezentralen Lüftungsanlagen nachgerüstet werden.

Es sei „interessant, so einen Zwischenbericht zu bekommen“, sagt Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), zumal man nicht bis Sommer warten wolle, wenn man handeln möchte. „Darauf haben wir lange gewartet“, meint Dr. Michael Rapp (CSU), dem klar sei, dass eine Studie nicht von heute auf morgen möglich sei. Nicht unerwähnt lassen möchte Dr. Rapp, dass Schulen Wert aufs Lüften legen. Zugleich mahnt er, dass „wir schon auf das Geld achten sollten“. Dass in Schulen gelüftet wird, bestreitet Prof. Dr. Schwarzbauer auch nicht, jedoch eben nicht immer optimal. Bei rund einem Viertel funktioniere es nicht, sagt er.

Stephanie Neumeir-Schrank (Grüne), selbst Lehrerin, möchte wissen, was ein gut belüftbares Zimmer ausmache. „Natürlich muss man Fenster vernünftig aufmachen können“, sagt der Projektleiter. Mehrere Fenster sollten regelmäßig zum Lüften geöffnet werden können. Anna Schlegel-Herz (ÖDP/Bürgerforum) interessiert derweil, wie es um die Temperaturen steht. Wenn Schüler alle zehn Minuten Jacken an- beziehungsweise ausziehen, sei das ein „Störeffekt“. Die Temperaturmessung sei ein Thema, das man noch angehen wolle, berichtet der Projektleiter. Die derzeitigen Sensoren reagieren noch sehr langsam auf Temperaturänderungen. Rudolf Utzschneider (CSU) will wissen, ob Geräte installiert werden könnten, die überwachen, wie oft und lange Fenster geöffnet werden. Prof. Dr. Schwarzbauer aber sieht eine Überwachung kritisch. Auch rate er von „pauschalen Lösungen“ ab, es gebe „nicht die eine Lösung“ im Hinblick auf die individuelle Gestaltung von Klassenzimmern.

Wie nachhaltig Luftreiniger seien, will dagegen Veronika Jones (Grüne) wissen. Die Geräte seien wie Staubsauger, saugen Luft und filtern, erklärt der Projektleiter, der sich „nicht vorstellen kann“, dass die Geräte nach der Pandemie „stehen bleiben“. Allgemein aber schade es nicht, gute Luft zu haben, für die Gesundheit wie Konzentration von Schülern und Lehrern.

Mit den Lehrkräften, die in den untersuchten Klassenzimmern unterrichtet haben, habe man gesprochen und erfahren, dass die Luftfilter zum Teil recht laut gewesen sein, berichtet Norbert Werner von der Marktgemeindeverwaltung. Lärm auch bei den Außenventilatoren. In den Stoßlüftungsräumen sei man dagegen „sehr zufrieden“ gewesen. Der Vorschlag der Verwaltung laute nun, zunächst in den schlecht belüftbaren Räumen tätig zu werden.

Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) hält „als kurzfristige Lösung mobile Luftfilter schon für angebracht“. Es sei „unsere Pflicht und Schuldigkeit“, aktiv zu werden, schließlich seien die Inzidenzen bei Kindern und Jugendlichen um ein Vielfaches höher als bei Erwachsenen. In den schlecht belüftbaren Räumen tätig zu werden, begrüßt derweil Jones, die glaubt, mit dem Zwischenbericht zur Versuchsanordnung eine „gute Entscheidungsgrundlage“ zu haben. Ihr Fraktionskollege Dr. Josef Raab fordert aber noch eine klare Differenzierung zwischen gut und schlecht belüftbaren Zimmern. Diese seien im Beschlussvorschlag „tatsächlich nicht differenziert“, bestätigt Bürgermeister Beuting, jedoch gebe es ohnehin nicht genügend Mittel für alle Räume, sodass früher oder später so oder so unterschieden werden müsse.

Am Ende votiert das Gremium mehrheitlich (Gegenstimme: Christian Engelbrecht, ÖDP/Bürgerforum) dafür, schlecht belüftbare Räume mit leisen Luftreinigungsgeräten auszustatten. Außerdem stimmt das Gremium dafür (Gegenstimmen: Welf Probst, Dr. Julia Stewens, beide FWG), dass die Verwaltung Planungsaufträge für dezentrale Lüftungsanlagen tätigt und Maßnahmen frühestmöglich umsetzt.

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