Die Zahl der Einsätze von Christoph Murnau liegt auf Rekordniveau – Im Hangar wäre Platz für einen zweiten Hubschrauber

Rettungszeit ist der große Vorteil

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Von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang sind die Piloten und das medizinische Personal von Christoph Murnau bereit für den Einsatz. Auch über bayerische Grenzen hinaus.
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Murnau – Die Dämmerung ist hereingebrochen und der Schnee fällt in dichten Flocken. Der Rettungshubschrauber Christoph Murnau steht an seinem Platz im hell erleuchteten Hangar der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik (BGU). Die Zahl der Einsätze nimmt zu und könnte durch den Wegfall der SAR-Hubschrauber der Bundeswehr aus Landsberg weiter ansteigen. Ist es also denkbar, dass ein zweiter Hubschrauber in Murnau stationiert wird?

1 519 Mal war Christoph Murnau im vergangenen Jahr im Einsatz. Das ist eine Steigerung um 127 Flüge gegenüber 2015. Dr. Thomas van Bömmel, Leitender Hubschrauberarzt am BGU, bezeichnete dies im Gespräch mit dem Kreisboten als „absolutes Rekordjahr“. „Wir haben mit den 1 500 echt eine Schallmauer durchbrochen.“ Die Stärke der Luftrettung: „Die Rettungszeit ist unser Vorteil“, betont Dr. van Bömmel. In rund 13 Prozent der Fälle handelt es sich um Sekundär- das heißt Intensivtransporte von Patienten zwischen zwei Kliniken. Alle anderen Einsätze dienen der primären Rettungen von Menschen, zum Beispiel im Falle eines Bergunglücks. 171 Mal kam im vergangenen Jahr die Winde am Hubschrauber zum Einsatz. Das bedeutet, nach van Bömmels Einschätzung, etwa doppelt soviele Bergrettungseinsätze. Einsätze mit der Winde stellen eine besondere Herausforderung dar. Vom Team werden extrem hohe Konzentration und Präzision gefordert, damit die Sicherheit für alle gewährleistet wird.

Die Gründe für die Zunahme der Luftrettung sieht van Bömmel im demografischen Wandel und dem veränderten Freizeitverhalten. Die Menschen werden älter, sind länger aktiv. Der „Freizeitpark Alpen“, wie der Arzt es nennt, liegt vor der Tür und viele Menschen zieht es in den südlichen Teil Bayerns. Auch die Kommunikationsform hat sich geändert. Unfälle werden heute viel schneller per Handy gemeldet. Auch das erhöht die Einsatzrate.

Ob die Murnauer künftig häufiger zu Such- und Rettungsmissionen gerufen werden, bleibt abzuwarten. Da von Landsberg keine SAR-Hubschrauber mehr fliegen, „ist ein Vakuum entstanden“, stellt van Bömmel fest. Er vermutet, dass die Bergeinsätze steigen. Aber, „auch die Polizei wird mit ihren Hubschraubern einspringen müssen“. Gerade Such- und Rettungsmissionen in den Bergen können zeitintensiv sein. Bei einem solchen Einsatz kann Christoph Murnau keine Intensivtransporte – diese können im Landkreis sein, aber auch nach München oder Stuttgart gehen – übernehmen. Das Luftrettungsnetz ist in Deutschland gut ausgebaut, aber nicht immer kann München übernehmen. Ein zweiter Hubschrauber (mit Winde) in Murnau wäre eine Lösung. „Der Hangar ist groß genug für zwei Hubschrauber“ und zumindest saisonal – Juni bis September sind die meisten Einsätze – „würde ein zweiter Sinn machen“. „Wenn Bedarf da ist, machen wir das gerne. Das medizinische Personal steht zur Verfügung“, erklärte van Bömmel.

Kooperationspartner des BGU Murnau in der Luftrettung ist der ADAC. Dieser stellt den Hubschrauber, die Piloten und das technische Personal. Frédéric Bruder, Geschäftsführer der ADAC Luftrettung gGmbH, sagte in einem Interview mit Jörn Fries für rth.info, dass der ADAC für Gespräche offen sei. Bei Bedarf könnte über eine saisonale Lösung nachgedacht werden.

„Konkrete Gespräche gibt es derzeit nicht. Aber der ADAC weiß, dass wir immer offen dafür sind“, sagte van Bömmel. Die Entscheidung darüber, ob Murnau einen zweiten Hubschrauber bekommt, wird aber an anderer Stelle getroffen, da der Landeplatz öffentlich-rechtlicher Raum ist. Murnau hat, anders als München, keinen 24-Stunden-Flugbetrieb. Bis zur Jahrtausendwende flog man auch von der Gemeinde am Staffelsee aus Nachteinsätze. Aufgrund mangelnden Bedarfs und geänderter europäischer Richtlinien, nach denen nachts immer zwei Piloten an Bord sein müssen, wurde die Zulassung aufgehoben. So steht Christoph Murnau bis zum Sonnenaufgang, geschützt von Wind und Wetter, sicher im Hangar.

von Melanie Wießmeyer

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