Männer sind Vorsorgemuffel – Aktionswoche soll Männer im Landkreis zu gesünderem Lebensstil animieren

V. li.: Dr. Karl Breu, Ronald Weber, Siegfried Gebhard und Dr. Andreas Knez rufen ihre Geschlechtsgenossen dazu auf, einen gesünderen Lebensstil zu pflegen und regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch zu nehmen. Foto: Gsöll

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KATHARINA GSÖLL; Weilheim – „Männer leben länger, wenn sie zur Vorsorge gehen.“ Davon ist Dr. Karl Breu, Leiter des Gesundheitsamtes im Landkreis Weilheim-Schongau, überzeugt und will dies auch seinen Geschlechtsgenossen vermitteln. Denn immer noch sind viele von ihnen der Meinung: „Echte Männer brauchen keinen Arzt.“ Die Lebenserwartung der Männer im Landkreis ist um 5,2 Jahre geringer als die der Frauen. Männer werden im Durchschnitt 77,9 Jahre alt, Frauen etwa 82,9 Jahre. Der Gesundheitsbericht „Gesund in Bayern – Männergesundheit“ wurde am vergangenen Freitag, 20. April, von Gesundheitsminister Dr. Marcel Huber vorgestellt. Daraus geht zum Beispiel hervor, dass nur etwa 13 Prozent der Männer Vorsorge-Untersuchungen in Anspruch nehmen. Dies sieht Breu als großes Problem: „Bei bösartigen Neubildungen entfallen fast die Hälfte aller Sterbefälle der Männer auf Lungenkrebs, Darmkrebs und Prostatakrebs“, sagt Breu. Diese Zahl könne weitaus geringer sein, wenn die Erkrankungen rechzeitig erkannt würden. Im Landkreis verstarben in den letzten zehn Jahren 2 923 Bürger an Krebs. 1 514 waren männlich. Davon sind 746 Krebstote auf Lungen, Darm- und Prostatakrebs zurückzuführen. Derzeit zahlen die Gesetzlichen Krankenkassen beim Darmkrebs Früherkennungsuntersuchungen ab dem 50. Lebensjahr. Grundsätzlich können Männer ab dem Alter von 35 Jahren einen umfassenden Gesundheits-Check-Up beim Arzt durchführen lassen. Männer wie auch Frauen werden ab dem 50. Lebensjahr von Ärzten und Krankenkassen auf die medizinischen Angebote hingewiesen. „Jeder Mann ab 40 sollte seinen PSA-Wert kennen“ – dieser Meinung ist Siegfried Gebhard, der die Prostatakrebs-Selbsthilfegruppe leitet, die sich einmal im Monat in Weilheim trifft. Das prostataspezifische Antigen (PSA) ist ein Enzym und in der Urologie der wichtigste Marker zur Diagnose „Prostatakrebs“. Naturgemäß ist es auch beim Prostata-Gesunden nachweisbar und auch bei einer gutartigen Prostatavergrößerung kann es erhöht sein. „Bei einem Wert über vier sollte man eine Biopsie vornehmen lassen. Nur so kann eindeutig erkannt werden, ob es sich um Krebs handelt“, rät Gebhard. Um für verstärkte Vorsorge und einen gesunden Lebensstil zu werben, finden von 21. bis 27. April Männergesundheitstage in ganz Bayern statt. Auch der Lebensstil lässt, im Vergleich mit den Frauen, bei den Männern oft sehr zu wünschen übrig: „Männer rauchen häufiger als Frauen, trinken mehr Alkohol, lieben in jungen Jahren riskante Sportarten und später den Fernsehsessel. Dazu bevorzugen sie Deftiges statt einer cholesterinbewussten Ernährung“, bemängelt Breu. Laut Statistischem Bundesamt war der häufigste Grund für Krankenhausbehandlungen bei Männern im Jahr 2007 die Diagnose „psychische und Verhaltensstörung durch Alkohol“. In Bayern sind durchschnittlich 16 Prozent der Männer fettleibig. Von den 60- bis 75-Jährigen ist es fast jeder Fünfte. Beste Voraussetzungen also für Herz-Kreislauferkrankungen, die zwar sowohl bei Männern wie auch Frauen führende Todesursache sind. Allerdings ist die Sterbeziffer bei den Männern 1,4-mal so hoch wie bei den Frauen. „Männer erleiden dreimal häufiger einen plötzlichen Herztod“, weiß der Kardiologe Dr. Andreas Knez, Ärztlicher Direktor am Krankenhaus in Weilheim. Obwohl Frauen öfter von psychischen Störungen und Erkrankungen betroffen sind, ist die Zahl der Selbstmorde als Folge beispielsweise einer Depression bei den Männern weit höher. Im Landkreis Weilheim-Schongau suizidierten sich seit 1996 insgesamt 303 Personen – 236 Männer und 80 Frauen. In einer gemeinsamen Ausstellung wollen der ärztliche Kreisverband, die Krankenhaus GmbH, die Selbsthilfegruppe Prostatakrebs und das Gesundheitsamt über das Thema „Männergesundheit“ informieren. Sie kann bis Ende des Monats im Gesundheitsamt in Weilheim und in der Dienststelle in Schongau besucht werden. Unter www.maennergesundheit.bayern.de gibt das Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit Männern viele Tipps und Anregungen, wie sie ihren Lebensstil verbessern und damit etwas für ihre Gesundheit tun können. Außerdem sind dort Hinweise auf Veranstaltungen während der Aktionswoche zur Männergesundheit zu finden.

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