Salomonisch zu mehr Sicherheit

Marktgemeinderat Murnau beschließt Verlegung von Geh- und Radweg

Symbolfoto: Fahrradweg.
+
In Murnau wird der Geh- und Radweg zwischen dem Murnauer Bahnhof und der südlich der Kohlgruber Straße gelegenen Seestraße verlegt.
  • vonAntonia Reindl
    schließen

Murnau – Er ist nicht sonderlich breit, soll aber Fußgängern wie Radfahrern genügend Platz bieten – und Sicherheit, die angesichts der Enge, aber auch des teilweise starken Gefälles, nicht gewährleistet zu sein scheint. Nun soll der Geh- und Radweg zwischen dem Murnauer Bahnhof und der südlich der Kohlgruber Straße gelegenen Seestraße verlegt werden. Dafür sprach sich der Marktgemeinderat jüngst aus.

Etwa 1,90 Meter breit und mit einer Steigung von teilweise über 20 Prozent ist der Weg nicht unbedingt der sicherste. Bei einer Verlegung um rund 15 Meter in Richtung Norden soll die Steigung auf fünf Prozent reduziert und die Breite auf 2,50 Meter aufgestockt werden. „Die Kosten werden auf circa 130 000 Euro geschätzt“, heißt es von Seiten der Verwaltung. Jedoch wäre die Verlegung förderfähig, vorausgesetzt, der Weg wird beschränkt öffentlich gewidmet.

Es ist freilich nicht das erste Mal, dass sich der Marktgemeinderat mit dem steilen Weg mit See-Ausblick beschäftigt. Im Mai 2019 etwa stimmte eine Mehrheit des Gremiums der damaligen Planung einer Verlegung nicht zu, da das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht behagte. Damals stand eine Förderquote von rund 50 Prozent im Raum. Nun, zwei Jahre später, sitzt das Gremium wieder daran, an der Verkehrssicherheit auf dem viel frequentierten Geh- und Radweg zu arbeiten. Als Klaus Tworek in der jüngsten Sitzung das Thema einleitet, kommt er auch gleich zum scheinbar Entscheidenden – den Finanzen. Bis zu 80 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten des Unterfangens könnten mittlerweile gefördert werden, so der Marktbaumeister. Jedoch müsste der entsprechende Antrag bis zum Jahresende gestellt sein. Doch Tworek zeigt sich recht zuversichtlich, dass man das zeitlich hinbekommen könnte. „Das Projekt ist im eigenen Haus geplant“, sagt er, „wir gehen davon aus, dass wir den Antrag bis 31. Dezember bewilligt bekommen.“

Franz Neuner (CSU) betrachtet das Vorhaben dennoch kritisch. Angesichts der Kosten „haben wir den Radweg abgelehnt“, erinnert Neuner, um dann aber anzufügen, dass man „unter gewissen Voraussetzungen zustimmen kann“. Diese Voraussetzungen seien eine Förderung von 75 bis 80 Prozent sowie ein Anschluss des Radweges an die Kohlgruber Straße, betont Neuner. Doch auch wenn diese Bedingungen erfüllt werden würden, bleibe noch ein Wermutstropfen: Die frisch gewachsene Natur, die sich dort Raum zurückerobert habe, würde wieder zurückgedrängt werden, bedauert Neuner.

Von nix kommt nix

Angesichts einer möglichen Förderquote von 80 Prozent glaubt Phillip Zoepf (Mehr Bewegen), „dass das eine gute Sache ist“. Auch Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) ist dem Plan sehr zugetan. Wolle man das Signum „fahrradfreundliche Kommune“ behalten, müsse man etwas dafür tun. Und „der jetzt bestehende Fahrradweg ist kein Fahrradweg“, findet Manlik. Er kritisiert, dass der Weg „in keinster Weise der Verkehrssicherheit entspricht“ und blickt etwa auf die Unterführung. Vor jener Unterführung wartet ein Schild auf die Radler, die aus Bahnhofsrichtung kommen, um diese zum Absteigen aufzufordern.

„Ganz so euphorisch seh‘ ich’s nicht“, meint Welf Probst (FWG) und kommt auf die hohe Förderung zu sprechen. „Das Geld ist vielleicht nichts unseres“, doch sei es das der Steuerzahler, betont Probst. Der gegenwärtige Weg, ein „ururalter Weg, der noch aus der Sommerfrische stammt“, funktioniere, wenn auch „nicht überragend“. Mit einer Verlegung könne man die starke Steigung auch nicht gänzlich korrigieren, das zehnprozentige Gefälle in Richtung Unterführung etwa „kriegen wir nicht weg“, glaubt Probst, der sich für eine Trassenänderung ausspricht. „Das hab‘ ich jetzt nicht wirklich verstanden“, runzelt Zoepf die Stirn. Probst kritisiert das viele Geld, dass das Unterfangen koste. Doch bei der von ihm vorgeschlagenen Trassenführung müssten „wir mit einem Grundstückseigentümer ins Benehmen kommen“ und dann würde es teurer werden, glaubt Zoepf. „Freilich kostet das mehr“, weiß Probst, aber man erhalte einen gescheiten Weg. Unterstützung bekommt Probst von Hans Kohl (Grüne). „Eine vernünftige Lösung“, findet dieser, jedoch müsse man überlegen, ob man das Grundstück bekomme und wie viel das mehr kosten würde.

Rudolf Utzschneider (CSU) möchte dagegen weg kommen von dem Gedanken, „wenn wir das Geld bekommen, dann bauen wir“. Er kommt noch einmal auf die Anbindung der Kohlgruber Straße zu sprechen. „Es hieß, da sind wir dran“, erinnert sich Utzschneider, der mit solchen Aussagen vorsichtig umgehe. „Wie realistisch ist das?“, fragt Utzschneider nun. Auch Dr. Josef Raab betont, dass man „diese Schlüsselstelle“ dringend brauche, „damit wir die Radfahrer nicht auf den Kreisel schicken müssen“, sagt Raab, an den Kreisverkehr auf der Kohlgruber Straße, nahe dem Bahnhof, denkend. Man stehe in laufenden Verhandlungen, berichtet Tworek und betont, dass man beim Radwegeausbau „im gesamten Ort Puzzlestücke“ setze und man „keinen Radweg von Murnau nach New York am Stück“ baue.

Dr. Julia Stewens (FWG) schlägt schließlich vor, nach Erhalt des Förderbescheides das Projekt dem Gremium noch einmal vorzulegen. „Das wäre jetzt die salomonische Weisheit“, meint die stellvertretende Bürgermeisterin. Neuner als auch Anna Schlegel-Herz (ÖDP/Bürgerforum) wollen die Eigenbeteiligung von rund 30 000 Euro jedoch in dem Beschluss aufgenommen wissen. Am Ende votiert das Gremium mehrheitlich dafür, der Verlegung zuzustimmen. Sollte der Eigenanteil überschritten werden, soll das Vorhaben dem Marktgemeinderat noch einmal vorgelegt werden. Lediglich Probst und Dr. Stewens stimmen dagegen.

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Weitere Corona-Teststation auf dem Parkplatz von Echter Wohnen in Murnau
Weitere Corona-Teststation auf dem Parkplatz von Echter Wohnen in Murnau
Neuer Pächter für Weilheimer Gögerl-Wirtschaft
Neuer Pächter für Weilheimer Gögerl-Wirtschaft
Behandlung des Beschlusses erhitzt die Gemüter im Marktgemeinderat Murnau
Behandlung des Beschlusses erhitzt die Gemüter im Marktgemeinderat Murnau
Zum Projekt auf den Köpfingerwiesen: Photovoltaikfeld statt Windkraft?
Zum Projekt auf den Köpfingerwiesen: Photovoltaikfeld statt Windkraft?

Kommentare