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Marktgemeinderat Murnau debattiert über Blindkopien

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Von: Antonia Reindl

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Brief und Mail Symbol
Rudolf Utzschneider brachte das Thema Blindkopie erneut auf den Tisch. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / ayzek (YAYMicro)

Murnau – Bereits Ende November 2021 ging der Antrag raus. Und eigentlich wurde über das Thema auch schon diskutiert. Doch scheinbar ohne Folgen. Rudolf Utzschneider (CSU) beantragte vor über einem halben Jahr, „dass alle Adressaten von Mails des 1. Bürgermeisters oder der Verwaltung an Mitglieder des Marktgemeinderates offen in das Adressfeld oder das cc. Feld geschrieben werden“. Auch forderte Utzschneider „eine Klarstellung von Seiten des Bürgermeisters nach welchen Kriterien“ die BCC-Funktion bisher Anwendung fand. Nun brachte Utzschneider das Thema Blindkopie wieder auf den Tisch. Denn der Schuh drückt noch immer – und scheinbar nicht wenig.

Als Utzschneider das Thema am Ende der jüngsten Marktgemeinderatssitzung anspricht, erhält er sogleich eine Erklärung seitens der Verwaltung, warum man an BCC festhält. Wegen der IT-Sicherheit sowie aus datenschutzrechtlichen Gründen, hier habe man sich an den Datenschutzbeauftragten gewandt, werde davon abgeraten, Mails nicht in BCC zu setzen, erklärt die stellvertretende Rathausgeschäftsleiterin Nina Herweck-Bockhorni. Doch auch in Blindkopie sei ersichtlich, an wen eine Mail gerichtet sei, nämlich in der Anrede. Daher „verstehe ich die Problematik nicht ganz“, sagt Herweck-Bockhorni in Utzschneiders Richtung.

Vertrauen auf den Fachmann

Im geschlossenen Kreis hätte man eigentlich Konsens gefunden, Argumente ausgetauscht, erinnert Utzschneider. Für Anna Schlegel-Herz (ÖDP/Bürgerforum) sei es „nachvollziehbar“, dass man sehen wolle, an wen eine Mail gesendet werde. Doch ein Fachmann rate davon ab und im Gremium sitzen zum Großteil Laien, „Herrn Utzschneider ausgenommen“, fügte sie an. Schlegel-Herz will sich „auf fachmännischen Rat verlassen können“. Ebendiese Einschätzung des IT-Fachmanns möchte Utzschneider schriftlich bekommen. Und das Schreiben werde er dann „ganz genau lesen“, betont er, denn für ihn höre sich die Erklärung „exotisch“ an. Warum nun wieder debattiert werde, kann Utzschneider nicht nachvollziehen, habe man das Ganze doch eigentlich schon „beredet“.

„Wir wollten es sichtbar haben“

Mit in die Bresche zu Utschneider springt Phillip Zoepf. „Wir wollten es sichtbar haben, wir haben es besprochen“, erinnert der Mehr Bewegen-Fraktionsvorsitzende. Es sei eine „Unart“, dass man nicht sehe, an wen eine Mail geschickt worden sei, meint Zopf, der nach eigener Aussage „noch nie“ die Blindkopie-Funktion genutzt habe. Die Empfänger seien sichtbar, wiederholt Bürgermeister Rolf Beuting: „Wir offenbaren es jedes Mal in der Anrede“. Das ändert für Utzschneider nichts, er wolle den gefassten Beschluss umsetzen und findet die jetzige Diskussion „hochgradig lächerlich“. Die Blindkopie-Funktion bezeichnet er als „Misstrauenstool“.

Was die Verwendung der BCC-Funktion aus Datenschutzgründen anbelangt, so müsse das der Datenschutzbeauftragte anraten, sofern keine entsprechenden Einverständnisse der Empfänger vorliegen, wirft Wolfgang Köglmayr (Mehr Bewegen) ein. Letztlich müsse die Verwaltung Entscheidungen so umsetzen, „wie es der Gemeinderat will“.

Appell an den guten Ton

Die von Seiten der Verwaltung aufgebrachten Gründe lassen Utzschneiders Stimme laut werden. „Wenn Sie uns so misstrauen…“, reagiert Herweck-Bockhorni auf die Lautstärke und betont, dass man sich eigentlich gegenseitig vertrauen müsse. Theoretisch könnte man ja eine Mail auch einfach separat verschicken, sagt die stellvertretende Geschäftsleiterin. Weniger am Gegenstand, mehr an der Stimmgewalt stört sich nun Beuting. Es komme mittlerweile in fast jeder Sitzung vor, „dass Sie ausfällig werden“, sagt der Bürgermeister zu Utzschneider. „So geht’s nicht“, meint Beuting und appelliert an den guten Ton. „Wir hören ganz gut“, kritisiert Kämmerer Josef Brückner ebenfalls die Lautstärke.

Am Ende einigt man sich darauf, eine Zustimmung für die Mitglieder des Marktgemeinderats zu entwerfen, welche es möglich macht, die Empfänger im Adressfeld beziehungsweise im CC-Feld sichtbar zu machen.

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