1. kreisbote-de
  2. Lokales
  3. Weilheim

Marktgemeinderat Murnau: Ein Radweg für die Poschinger Allee

Erstellt:

Von: Antonia Reindl

Kommentare

Fahrradzeichen auf einem Radweg
Eine Entscheidung bezüglich des Radwegs wurde noch nicht getroffen. © Symbolbild: Bildagentur PantherMedia / naumoid (YAYMicro)

Murnau – Als man die Straße erschlossen habe, sei man noch mit Kutschen gefahren, sagt Welf Probst (FWG) beim Blick auf die Poschinger Allee.

Kein Wunder also, dass es bei Begegnungen zwischen Autos und erst recht zwischen Pkw und Lkw auf dem Weg zu den Fußball- und Tennisplätzen eng wird. Für Radfahrer dürfte die Strecke daher nicht sonderlich attraktiv sein. Doch das soll sich ändern. Zumindest sprach der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung ausführlich darüber, einen Radweg in der Allee zu realisieren. Eine Entscheidung traf man an diesem Abend jedoch nicht.

Wenn er auf die Allee blickt, meint Hansjörg Resenberger, Leiter des Tiefbauamtes, dann sei diese „schon sehr löchrig geworden“, die Bäume seien „zum Teil in sehr schlechtem Zustand“. Hinzu komme, dass Wurzeln wie Stämme, unmittelbar am Asphalt stehend, nur wenig Entwicklungspotenzial hätten. „Im Grunde genommen ist jeder Baum da draußen angeschlagen“. Fäule, Pilzbefall, Stammbruch. Dann stellt Resenberger zwei mögliche Varianten eines Radweges in der Allee vor.

Variante eins sieht den Neubau eines Radweges südlich der Poschinger Allee im Böschungs- und Grünstreifenbereich, orientiert an der Topographie, vor. Dafür müssten Bäume teilweise ohne Ersatz gefällt werden. Um diese Variante zu realisieren, bräuchte es noch rund 1 000 Quadratmeter Grund von der Bundesrepublik und der Zaun der angrenzenden Werdenfelskaserne müsste versetzt werden. Geschätzte Baukosten ohne Grunderwerb und Baunebenkosten: rund 185 000 Euro.

Bei Variante zwei müsste die Straße um etwa 2,5 Meter gegen Norden versetzt werden, wobei die Straße verbreitert werden könnte. Momentan lässt die Breite Begegnungsverkehr zwischen zwei Autos nur mit vermindertem Tempo, zwischen Auto und Lastwagen nur unter Benutzung des Banketts zu. Bei dieser Variante müssten die Bäume auf beiden Seiten weichen, könnten aber nachgepflanzt werden. Geschätzte Baukosten ohne Grunderwerb und Baunebenkosten: über eine halbe Million Euro. Dabei betont Resenberger aber, dass die Zahlen nur „ganz grobe Kostenannahmen“ seien.

Franz Neuner (CSU) fügt dann noch eine dritte Variante hinzu, bei der „mit relativ wenig Aufwand“ ein Radweg entlang der Straße geschaffen werden könnte, eine „Variante eins light“, wie er sagt, die „den Dampf aus dem Kessel“ nehmen würde. Dafür müssten die Bäume südlich des Asphalts jedoch weichen. Doch „auch ein Baum hat irgendwann sein Lebensalter erreicht“, sagt Neuner mit Blick auf den Zustand vieler Bäume. Darüber hätte man schon nachgedacht, meint Resenberger, doch dann würde es Probleme mit der Entwässerung der Straße, die momentan über Mulden funktioniere, geben.

Die Diskussion über einen Radweg in der Allee liege so lange zurück wie der Tag, an dem der erste Tennisball am angrenzenden Tennisplatz hochgeworfen worden sei, sagt Philipp Zoepf (Mehr Bewegen). Kritisch blickt er auf die derzeitige Gestalt der Allee. Der die Straße begleitende Steingitter-Pflasterstreifen stelle eine Sturzgefahr für Radfahrer dar, auch werde das Ausweich-Bankett oft als Parkplatz genutzt. Für die Straße, die zu den Sportanlagen des TSV und TC Murnau führt, möchte er keine Kompromisslösung, möchte diese nicht „flickschustern“. Von einem Provisorium ist auch Welf Probst (FWG) nicht angetan, er möchte einen Neuanfang für die kommenden Generationen. „Das Ding hat schon ein gewisses Gefahrenpotenzial“, sagt er mit Blick auf die Allee. Und was die Bäume betrifft, so sagt der langjährige Baumreferent, hätten diese „keinen Wert mehr“, seien „nur noch Fragmente“.

Hans Kohl (Grüne) fühlt sich derweil unter Zeitdruck gesetzt, möchte vor einer Entscheidung erst noch Alternativen prüfen. Der Radweg sei „nicht in der Prioritätenliste“. Auch möchte er nicht über den Neubau der Straße, sondern über den Bau eines Radweges reden. Wenn Rudolf Utzschneider (CSU) derweil die Unterlagen zu dem Unterfangen betrachtet, so möchte er noch keine Entscheidung treffen, diese seien ihm „zu dürftig“. Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum) tendiert derweil zu Variante eins, jedoch „vorbehaltlich“ einer Ortsbesichtigung. Josef Bierling (CSU) zeigt sich „imponiert“ von Variante zwei, diese „suggeriert viel Sicherheit, und die steht für mich im Vordergrund“.

Probst versteht derweil nicht, „warum sich die Grünen so gegen die Fällung sträuben“ und greift mit dieser Aussage den nächsten Tagesordnungspunkt vorweg, ein Eilantrag besagter Fraktion, der später erst einmal auf Eis gelegt wird. Eine neue Straße würde nicht nur dem Verkehr mehr Platz bieten, sondern auch den Bäumen, glaubt Probst. Stephanie Neumeir-Schrank (Grüne) betont, die zweite Variante beinhalte „ganz viel graue Energie“. Sie befürchtet einen Straßenneubau „unter dem Deckmantel Radweg“. Ihrer Fraktionskollegin Veronika Jones ist „diese Debatte immer zu sehr pro Auto“, außerdem seien für sie noch zu viele Fragen offen. Auf eine Debatte Rad- versus Autofahrer möchte sich Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) nicht einlassen, er möchte „nicht dauernd in die Schützengraben springen“. Kohl wiederum fehlen Zahlen, „wenn wir vergleichbare Bäume nachpflanzen wollen, möchte ich die budgetiert sehen“, sagt er. Und mehr noch: die Größe der Nachpflanzungen soll ebenso festgelegt werden. Auch Felix Burger (SPD) möchte in den Unterlagen das nächste Mal „mehr budgetiert“ haben. Eine Entscheidung trifft der Marktgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung am Ende nicht. Einem Beschluss ein Stückchen näherkommen will man aber zeitnah bei einer Ortsbesichtigung.

Bilder, Videos und aktuelle Ereignisse aus Ihrer Heimat: Besuchen Sie den Kreisboten Weilheim-Schongau auch auf Facebook.

Auch interessant

Kommentare