Mittelfristig oder märchenhaft

Maßnahmen zur Radverkehrsförderung in Murnau

Die Abzweigung am UKM.
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Auf dem Radweg zwischen Murnau und Kochel muss ein Lückenschluss an der Einmündung ins Unfallklinikum erfolgen. Dabei sollen der Bypass in die Prof.-Küntscher-Straße geschlossen, die Bushaltestelle nach Osten verschoben und ein durchgängiger Geh- und Radweg unter dem Aspekt der Barrierefreiheit hergestellt werden.
  • VonAntonia Reindl
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Murnau – Sicherlich, wer mit dem Rad durch Murnau fährt, der wird sich an mancher Stelle fragen, welchen Stellenwert Unmotorisierte in Murnau eigentlich haben. Doch die Gemeinde arbeitet daran, den Radverkehr intensiv zu fördern, etwa mit Hilfe eines Radverkehrskonzeptes. Außerdem möchte man sich auf Dauer in der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundlicher Kommunen in Bayern halten. Doch als man jüngst im Marktgemeinderat auf die Anpassung des Radverkehrskonzeptes zu sprechen kommt, zeigt sich, dass manche Marktgemeinderäte Konkretes vermissen.

Ein Gutachten gibt es bereits, doch war dieses vor Kurzem noch unvollständig. In dem Gutachten, in dem die Entwicklungen zu Gunsten der Radverkehrsförderung binnen der vergangenen vier Jahre in Murnau beurteilt werden, fehlte unter anderem ein Grundsatzbeschluss sowie die Anpassung des Maßnahmenkatalogs. Letzteres etwa ist unbedingt notwendig, da einige enthaltene Maßnahmen sowohl vom Staatlichen Bauamt als auch vom Landratsamt abgelehnt wurden. Laut Stellungnahme der Verwaltung sei die Anpassung des Radverkehrskonzeptes im Laufe des Jahres bereits durchgeführt worden, das ist jedenfalls in einer entsprechenden Vorlage in der jüngsten Marktgemeinderatssitzung zu lesen. Dabei seien etwa nicht umsetzbare Maßnahmen ausgebessert oder gar ersetzt worden.

Nicht ganz glücklich scheint Veronika Jones (Grüne) aber mit dem Maßnahmenkatalog zu sein. „Keinerlei Zieldaten“ seien angegeben, nur Worte wie kurz-, mittel- und langfristig. Sie wünscht sich konkrete Zeitangaben, möchte wissen, wann das Konzept in der Tiefe bearbeitet sein müsse. Sie habe geglaubt, das Konzept sei damals abgelehnt worden, „weil es zu dünn war“. Ein zeitlicher Rahmen sei „meines Wissens“ nicht erforderlich, meint Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum), der „eine zeitliche Begrenzung eher kontraproduktiv“ findet.

Unerfindliche Gründe

Der Maßnahmenkatalog sei es „schon wert, dass man ein paar Worte dazu verliert“, meint Michael Manlik (ÖDP/Bürgerforum). Er glaubt, dass das Konzept auch besser verkauft und öffentlich beworben werden müsse, schließlich seien „tolle Maßnahmen“ dabei, etwa der Fahrradweg zur Poschinger Allee. Wenn Manlik auf Murnau blickt, erkennt er auch Stellen, an denen Maßnahmen erforderlich seien, die abgelehnt wurden, aus für ihn unerfindlichen Gründen. Besonders besorgt blickt Manlik auf die Verkehrssituation am Einkaufscenter im Untermarkt. An der Einfahrt zum Parkplatz gebe es vier Autospuren, „Autofahrern wird so viel Raum eingeräumt, den es nicht bräuchte“, kritisiert er. Er teilt Jones‘ Meinung und möchte Maßnahmen möglichst bald auf die Wege bringen.

Auch Rudolf Utzschneider (CSU) hätte gerne mehr Klarheit, „es war schon vereinbart, dass wir Jahreszahlen bekommen“, erinnert er sich. Die zeitlichen Begrifflichkeiten sind Utzschneider zu schwammig, „mittelfristig ist für meinen Sohn etwas anderes als für mich“. Beutings Begeisterung für Zeitangaben aber hält sich in Grenzen, „von mir aus können wir Jahreszahlen reinschreiben“, sagt er, doch dann wäre es „ein Märchenbuch“. Also lieber mittelfristig statt märchenhaft?

Radfahrer sollen sich sicher fühlen

Märchenbuch, diese Bezeichnung behagt Jones wenig. Die meisten Maßnahmen seien als mittelfristig eingestuft, „da kann man sich echt nichts drunter vorstellen“, so Jones, die sich eine „Zeitschiene“ wünsche, denn dann wäre man vielleicht auch mehr dahinter. Diese Formulierung behagt wiederum Beuting wenig, „wir sind sowieso dahinter“, betont er. Apropos dahinter sein. Geht es nach Hans Kohl (Grüne) müsse man dafür sorgen, dass sich Radfahrer in Murnau sicher fühlen, daher gebe es mehr zu tun, als Wege umzumünzen. Welf Probst (FWG) mahnt derweil, die Forderungen zurückzuschrauben, „dann würde man weiter kommen“.

Am Ende votiert der Marktgemeinderat einstimmig dafür, dass sich die Marktgemeinde die verstärkte Förderung des Radverkehrs zum Ziel setzt, wobei man auf Öffentlichkeitsarbeit, Information, Service und Infrastruktur setzen will. Außerdem stimmt das Gremium dem überarbeiteten Radverkehrskonzept geschlossen zu. Die Verwaltung wird beauftragt, die Planung und Umsetzung der Maßnahmen fortzuführen. Dabei soll nun auch eine Übersicht über das zeitliche Vorgehen erstellt werden.

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