DB Regio Oberbayern möchte Komfort erhöhen

Fünf Minuten sind keine Verspätung

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Die meisten Züge in Weilheim sind inzwischen pünktlich, heißt es seitens der DB Regio Oberbayern. Manche Pendler sehen das anders.

Weilheim – Ausfälle, überfüllte Züge, Verspätungen: Nach der Einführung der neuen Züge und des neuen Fahrplans bei der Werdenfelsbahn im Dezember war der Ärger bei den Kunden groß. An mehreren Punkten wurde nach der Pannenserie nachgebessert. Nun soll noch der Komfort weiter steigen.

„Inzwischen sind wir sehr zufrieden“, verkündete Antonia von Bassewitz, Geschäftsleiterin der DB Regio Oberbayern, die am Mittwoch in Weilheim zu einem Bilanzgespräch bat. „Aktuell sind wir bei einer guten Pünktlichkeit und haben zufriedene Kunden.“ 

Nicht alle Pendler werden wohl dieser Meinung sein. Immer wieder schallen durch die Lautsprecher am Bahnhof die aktuellen Verspätungen, ungeduldig blicken vor allem diejenigen, die einen Anschlusszug erreichen wollen auf die Uhr. „Die Pünktlichkeit variiert“, erklärte Franz Lindemair, Pressesprecher der DB Regio Bayern. Als „pünktlich“ gilt ein Zug nämlich auch, wenn er bis zu fünf Minuten zu spät kommt. 

Seit Mitte Februar seien die Pünktlichkeitswerte im Durchschnitt auf deutlich über 95 Prozent gestiegen. Anfang des Jahres waren es noch über zehn Prozent weniger. Im April lag die Pünktlichkeit bei 92,4 Prozent. Der letzte Monat sei nur ein Ausreißer gewesen. Die Verspätungen seien unter anderem durch Personen auf dem Gleis und Infrastrukturprobleme ausgelöst worden. Derartige Umstände hätten einen Einfluss auf die Tagespünktlichkeit, die wegen der Abhängigkeit im gesamten Netz durch das Kuppelkonzept und die Eingleisigkeit alle Züge betreffen würden. „Das ist wie ein Dominoeffekt“, verglich von Bassewitz. 

Trotz der Unzufriedenheit vieler Kunden rund um die Einführung der neuen Werden- felsbahn, sind die Fahrgastzahlen im Vergleich zum letzten Jahr nicht gesunken. Zwar wurde die erwünschte deutliche Steigerung der Kunden nicht erreicht, dennoch nutzen die Werdenfelsbahn zwischen München und Mittenwald am Tag rund 13 000 Fahrgäste. „Die Beschwerden liegen im Promillebereich“, schätzt von Bassewitz die Änderung seit dem Start im Dezember als geglückt ein. 

Bezüglich der überfüllten Züge zur Stoßzeit hofft sie, dass sich die Pendler noch besser dem neuen Fahrplan anpassen. „Es dauert eine Zeit, bis sich die Leute daran gewöhnen. Aber gerade Weilheim hat durch den Halbstundentakt sehr profitiert.“ 

Um die Zufriedenheit bei den Kunden zu erhöhen, wird außer an der Pünktlichkeit auch an anderen Stellen gearbeitet. Fahrgäste bemängeln immer wieder die starke Vibration in den Zügen, vor allem zwischen Planegg und Gauting und rund um Huglfing. 

Messungen, die durchgeführt wurden, ergaben, dass zum einen der Fahrweg ein Grund dafür ist, zum anderen, dass die Intensität von Fahrzeug zu Fahrzeug variiert. Bei Gauting werden ab 21. Mai daher Bau- maßnahmen begonnen. Außerdem soll sich der Hersteller der Züge, Bombardier, nach möglichen technischen Änderungen an den Fahrzeugen suchen. 

Ein weiteres Problem, an dessen Lösung gefeilt wird, ist die Klimatisierung. „Die Voreinstellung liegt bei 20 Grad. Es gibt die Möglichkeit, um zwei Grad nach oben oder nach unten zu regulieren“, sagte von Bassewitz. 

Hier versucht die DB Regio, nah am Fahrgast zu sein. „Wir sind mit einer Kundin mitgefahren, die sich mehrmals beschwert hatte“, sagte von Bassewitz. Dabei wurde festgestellt, dass das Problem nur besteht, wenn die Klimaautomatik versucht, sobald die Türen beim Halt geöffnet werden, die Temperatur beizubehalten. „Das wird von manchen als kühl empfunden“, vermutet von Bassewitz. 

Als erste Maßnahme werde daher nun die Temperatur standardmäßig auf 22 Grad erhöht. „Wie es im Hochsommer ist, werden wir dann sehen.“ 

Der direkte Kontakt zu den Kunden und auch zu Pro Bahn soll weiter ausgebaut werden. „So bekommen wir wertvolle Hinweise und ein Stimmungsbild“, sieht von Bassewitz Vorteile für beide Seiten. „Man merkt aber auch, wie unterschiedlich Kundenwünsche sind.“ So gehe die Meinung zu den Tischen zwischen den Sitzen beispielsweise weit auseinander: „Von ‘Baut alle aus!’ bis zu ‘Baut bloß keine aus!’ ist alles dabei.“ Daher werden nun einige Tische entfernt, im Sommer dann nochmals Meinungen eingeholt. 

Bestätigt fühlt von Bassewitz das derzeitige Konzept durch die gute Bewertung im Qualitätsranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft (BEG). Bei Kontrollen testet die BEG stichprobenartig immer wieder Dinge wie Sauberkeit von Zügen und Interieur, die Funktion von Klimaanlagen und Toiletten in den Zügen sowie die Durchsagen und Anzeigetafeln an den Bahnhöfen. 

„Momentan liegen wir auf dem fünften von 26 Plätzen. Angesichts der schwierigen Startphase werten wir das als kleinen Erfolg“, zeigt sich von Bassewitz dennoch ehrgeizig: „Das Ziel ist, unter die Top Fünf zu kommen.“

Von Ursula Gnadl 

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