"Menschenschutz steht vor Naturschutz" – Hochwasser Waitzackerbach: Kein Entschädigungsfonds vorhanden – Schäden melden

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ALMA JAZBEC, Weilheim – Viele frustrierte Gesichter waren bei der Infoveranstaltung am vergangenen Donnerstag in der Stadthalle zum Hochwasserschutz des Waitzackerbaches zu sehen, als Stadtbaumeister Wolfgang Frank erklärte, dass die Errichtung eines Hochwasserrückhaltebeckens (HRB) bis September nächsten Jahres dauern könnte. „Bis dahin sind wir ja schon fünf Mal abgesoffen“, kommentierte dies ein verärgerter Bürger. Stadtkämmerer Christoph Scharf machte noch eine andere unerfreuliche Ankündigung: „Es gibt keinen Entschädigungsfonds, weder bei der Stadt, noch beim Landkreis oder beim Freistaat Bayern.“ Das Landratsamt Weilheim-Schongau stellt Spendengelder in Höhe von 8 000 Euro zur Verfügung. „Der Topf wird von der Diakonie noch aufgestockt, aber wie hoch die Summe sein wird, wissen wir nicht“, ergänzte Scharf. Bei der Infoveranstaltung wurden Zettel zur Schadensmeldung ausgelegt, außerdem liegen Formulare zum Download auf www.weilheim.de bereit. Die Meldungen sollen bis Freitag, 29. Juli, bei der Stadt eingereicht werden. Kämmerer Scharf appellierte an die Bürger, nur im Härtefall einen Antrag zu stellen. Existenziell Betroffene sollen sich direkt an den Bürgermeister wenden. Nach einem Überblick der Schäden wird entschieden, wer finanzielle Unterstützung bekommt. Außergewöhnliche Schäden können bei der Steuererklärung angeben werden. Planfeststellungsbeschluss Wolfgang Pichura, Jurist am Landratsamt, erklärte, warum die Genehmigung der Hochwasserschutzmaßnahmen so schwierig ist. Der Schutz vor Hochwasser am Waitzackerbach setze eine komplexe Planung voraus, „denkt man nur an den Klimaschutz und die Moorrenaturierung“, erläuterte der Jurist. Das Weilheimer Moos ist ein sensibler Bereich und steht unter Naturschutz, daher müssen die Eingriffe vertretbar sein. Laut Pichura könnte die Genehmigung schneller von Statten gehen, „aber wir wollen keine gravierenden Fehler machen und gewissenhaft arbeiten“. Einige Zuhörer protestierten und forderten „Menschenschutz vor Naturschutz“. „Das Planfeststellungsverfahren hat erst angefangen“, verdeutlichte Pichura, und findet unter Beteiligung der Öffent-lich­keit statt. Die Unterlagen sind bis einschließlich 19. August im Rathaus und im Landratsamt einsehbar. Danach können bis zu zwei Wochen lang Einwände gegen das Vorhaben vorgebracht werden. Ist diese Frist abgelaufen, erfolgt ein Erörterungstermin, zu dem die Bürger, welche die Einwände hatten, als auch die betroffenen Fachstellen erscheinen sollen. Vor Ort werden die Stellungnahmen, Einwände und das Gutachten des Wasserwirtschaftsamtes geprüft. Kommt es zu keinen größeren Einwänden, steht dem Planfeststellungsbeschluss nichts mehr im Wege. Geld steht bereit Bei der Planung des Hochwasserschutzes wurde diese auf ein hundertjähriges Hochwasser ausgelegt. „Entsprechende Finanzmittel stehen seit 2008 im städtischen Haushalt zur Verfügung. Im Mai 2010 wurde die Planung beim Landratsamt zur Genehmigung eingereicht. Sie ist Grundlage für das jetzt angelaufene Planfeststellungsverfahren“ erklärte Bürgermeister Markus Loth. Der Waitzackerbach kann nach Aussage des Landratsamtes innerhalb von Weilheim aus ökologischen und technischen Gründen nicht ausgebaut werden. Südlich der Tankenrainer Straße wurde eine Fläche zur Errichtung eines HRB gefunden. Ein Teil des Wassers soll aus dem HRB über den Waitzackerbach durch Weilheim und das verbleibende Hochwasser unter der Tankenrainer Straße in das Weilheimer Moos abgeleitet werden. Sofortmaßnahmen Vertreter des Bauamtes, der Stadtwerke und des Wasserwirtschaftsamtes werden die betroffenen Gebiete begehen. Die Verschlammung des Baches und das Geröll sollen diese Woche entfernt und die Durchlässe überprüft werden.

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