Metall- und Elektroindustrie (M+E) hofft auf besseres Inlandsgeschäft

"Auf Sicht fahren"

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„Verhalten bis leicht positiv“ beurteilen Dieter Faust (li.) und Dietmar Ahl die wirtschaftliche Lage der M+E-Betriebe im Oberland. Zeitarbeit sei weiterhin nötig, „damit die Unternehmen schnell und flexibel reagieren können“.

Weilheim – „Es wird investiert, aber verhalten. Die Unternehmer agieren vorsichtig und fahren auf Sicht ins nächste Jahr.“ Dieter Faust, Vorsitzender des bayerischen Metall- und Elektro-Arbeitgeber-Verbandes (bayme vbm) in der Region Oberland, erläuterte bei einem Pressegespräch die konjukturelle Lage.

Ein deutlicher Aufschwung sei im ersten Halbjahr 2013 ausgeblieben, das habe die jüngste Umfrage des Verbandes gezeigt. Ein Drittel der 100 Mitgliedsbetriebe, die knapp 8000 der insgesamt 13 000 Mitarbeiter im Oberland beschäftigen, stuften das Inlandsgeschäft als gut ein, während mit dem Exportgeschäft per Saldo nur elf Prozent der Unternehmen zufrieden waren. Die Hoffnungen der M+E-Industrie richten sich auf die zweite Jahreshälfte, in der die meisten Befragten ein besseres Inlands- und Exportgeschäft erwarten. Jeder dritte Betrieb plant, die Produktion auszuweiten, 22 Prozent der Firmen wollen neue Arbeitsplätze schaffen.

 „Eine weitere Eintrübung befürchtet kein Betrieb“, analysierte Faust die Ergebnisse der Umfrage, die halbjährlich in den Landkreisen Weilheim-Schongau, Landsberg, Starnberg, Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen durchgeführt wird. Differenziert stellt sich die Ertragslage dar: „Während jedes fünfte Unternehmen im laufenden Jahr Verluste befürchtet, hoffen 60 Prozent der Betriebe auf eine Nettoumsatzrendite von über vier Prozent“, berichtete Faust.

Auf das Anspringen der Konjunktur wird auch im Blechbearbeitungsbetrieb Bechtold ge- hofft, dessen 80 Mitarbeiter weltweit acht Branchen bedienen. Der Gesamtexportanteil der Weil­heimer Firma liegt bei 60 Prozent, 2012 betrug der Umsatz zwölf Mio. Euro. „Wir leben im Moment von der Kurzfristigkeit“, stellte Geschäftsführer Dietmar Ahl fest, für den das Rekrutieren neuer Fachkräfte ein „heißes Thema“ ist. Laut Ahl zeichne sich ein leichter Trend ab, ausgelagerte Produktionsstätten wieder zurück nach Deutschland zu holen: „Gut geschulte Mitarbeiter haben einen Qualitätsanspruch. Das ist im Ausland nicht so.“ Auch die Fluktuation der Mitarbeiter sei in heimischen Betrieben nicht so hoch wie bei- spielsweise in China, sagte Ahl. 

270 Mitarbeiter arbeiten in Gauting bei der AOA apparatebau GmbH. Ab 2014 zieht der Betrieb, der vorwiegend Wasser- und Abwassersysteme für Flugzeuge herstellt, nach Gilching um. „Wir müssen vorproduzieren und Lagerhaltung betreiben“, kündigte Geschäftsführer Dieter Faust an. 2013 geht Faust von 81 Mio. Euro Umsatz aus, für 2014 prognostiziert er AOA ein „fünf- bis sechsprozentiges Wachstum“. 

An die neue Bundesregierung appellierte Faust, „alles zu unterlassen, was Unternehmen zusätzlich belastet“, wie neue Steuern oder die Einführung einer Vermögensabgabe.

Von Maria Hofstetter

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