Verrückte in der Weltliteratur

Michael Sommer ließ Publikum Literatur erleben

+
Hamlet einmal anders: Als „Literatur to go“ erzählt Michael Sommer die Geschichte des dänischen Prinzen anschaulich mit Playmobil-Figuren und in verständlicher Sprache.

Weilheim – „Literatur erleben“, so heißt eine Serie von Lesungen am Weilheimer Gymnasium, bei der immer wieder ganz andere Wege aufgezeigt werden, wie man Literatur an den Mann, die Frau und vor allem an den Schüler bringen kann. Mit größtmöglichem Spaßfaktor demonstrierte dies bei der jüngsten Veranstaltung dieser Serie Michael Sommer mit seiner „Weltliteratur to go“, genauer gesagt mit der Begegnung mit „Verrückten in der Weltliteratur“.

Und schon beim Begrüßungsritual zwischen Künstler und Publikum wurde klar, dass es sich um eine „Therapiesitzung“ handelte, denn auf Sommers „Hallo Gruppe! Mein Name ist Michael und ich spiele mit Playmobil!“ antwortete das Publikum brav mit „Hallo Michael“. Sommer erläuterte kurz, warum er sich die „Verrückten in der Weltliteratur“ für diesen Abend herausgesucht hatte: „Die Ordnung im Kopf eines Verrückten ist aus den Fugen. Er legt den Finger in die Wunden und wird so zum Vorreiter für gesellschaftlichen Wandel.“

Und dann nahm er das Publikum mit auf einen Parforceritt durch die Weltliteratur: Shakespeares „Hamlet“ gab’s in der beliebten Version mit Playmobil-Männchen – perfekt für alle mitzuverfolgen dank Großbildprojektion; es folgte E.T.A. Hoffmann’s „Der Sandmann“ als Lesung aus Sommers neuem Buch „Gehst du Goethe!“, das erst Ende des Monats im Fischer-Verlag erscheinen wird, ein Buch voller Weltliteratur to go in gedruckter Form, reichlich bebildert. Dostojewskis „Der Idiot“ durfte sich dann wieder live in Playmobil austoben. Dann mussten zwei Schüler ran: Zusammen mit Michael Sommer demonstrierten sie anschaulich, wie der Austausch von Impulsen im Gehirn funktioniert und auch hier durfte das Publikum wieder mitmachen, indem es kleine Zettelchen zerknüllte und als „Botschaft“ an die andere Gehirnhälfte, sprich die andere Hälfte des Publikums, sendete.

Mit dem berühmten „Woyzeck“ von Georg Büchner ging es dann zurück auf die Playmobil-Bühne. Ein weiterer Leckerbissen aus „Gehst du Goethe!“ war dann Sommers Fassung von „Tod eines Handlungsreisenden“. Auch dieses berühmteste Drama von Arthur Miller, für das dieser 1949 den Pulitzer-Preis für Theater erhielt, fasste Sommer in unvergleichlicher Weise zusammen zum leicht verdaulichen Literatur-Häppchen mit Verständnisgarantie. Den vielleicht berühmtesten Verrückten der Weltliteratur gab’s zum Schluss: Don Quijote de la Mancha durfte nach Cervantes‘ Vorlage durch die Playmobillandschaft reisen und seine Abenteuer bestehen – Fazit (übrigens das siebente dieses Abends): Verrücktheit ist anstrengender als Normalität, macht aber glücklicher!

Dass die Beschäftigung mit Michael Sommer so manchen Schüler für diese Art der Literaturvermittlung begeistern konnte, zeigte der Filmwettbewerb, zu dem die Fachschaft Deutsch aufgerufen hatte: 30 Filme entstanden während der Herbstferien, bei denen Schüler einen vorgegebenen Text mit Playmobil in Szene setzten.

Und die Sieger dieses Wettbewerbs erhielten an diesem Abend ihre Preise und – als Überraschung – von Michael Sommer auch dessen noch gar nicht offiziell erschienenes „Gehst du Goethe!“.

Von Bianca R. Heigl

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

»Anderssein wurde normaler«
Weilheim
»Anderssein wurde normaler«
»Anderssein wurde normaler«
Impfung ohne Anmeldung möglich
Weilheim
Impfung ohne Anmeldung möglich
Impfung ohne Anmeldung möglich
»Eine wahrlich reife Leistung«
Weilheim
»Eine wahrlich reife Leistung«
»Eine wahrlich reife Leistung«
Weilheimer Gallimarkt 
Weilheim
Weilheimer Gallimarkt 
Weilheimer Gallimarkt 

Kommentare